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WGT News Korsagen, Patchouli und rosa Einhörner: Shopping mit den Gruftis
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WGT
22:27 02.06.2017
Kleidersuche im Dunkeln: WGT-Besucher beim Einkaufsbummel im Szene-Lade DarXity in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Wir machen an diesem Wochenende den Umsatz des Jahres“, sagt John, Geschäftsführer von DarXity. Der Szene-Laden auf dem Ranstädter Steinweg ist seit Dienstag ein beliebter Anlaufpunkt für die Besucher des 26. Wave-Gotik-Treffens (WGT). Auch der EMP-Store und Wonderland 13, beide am Brühl, erleben dieser Tage einen regelrechten Ansturm. Um der Lage Herr zu werden, mussten sogar zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. Und der Rubel rollt.

Für jeden Style was dabei

Hosen, Kleider, Korsagen, Sonnenschirme, diverse Accessoires – für jeden Stil der Schwarzen Szene wird etwas geboten. Nun ja, zumindest für fast jeden. Steampunk nämlich verkaufe sich nicht so gut. Die Anhänger des Retro-Futurismus setzen lieber auf Eigenkreationen und Selbstgebasteltes, erklärt John. „Wir hatten solche Stücke eine Zeit lang im Sortiment, haben aber zu wenige Abnehmer gefunden.“ Deshalb finden sich auch eher wenige Gruftis mit auffälligen Eigenanfertigungen in und vor den Szene-Läden zusammen.

Alicia Lohnes (33) aus Berlin brauchte für ihr Outfit noch ein passendes Korsett. Quelle: André Kempner

Besser läuft da beispielsweise der viktorianische Stil. Die Berlinerin Alicia Lohnes (33) hat sich – um ihr Outfit für das thematisch passende Picknick zu vervollständigen – noch ein Korsett besorgt. Ihr Begleiter (29) aus Leipzig, der zum WGT nur mit „Delta-Romeo“ angesprochen werden möchte, hat hingegen „einen Hang zum Military-Style: Uniformähnlich, enganliegend, Lederriemen, Hemd in der Hose.“ Der wird aber erst zur großen Fetischparty angelegt – bis dahin bleibt das Gewand eher zurückhaltend.

"Delta-Romeo" (29) aus Leipzig im dezenten Military-Look. Quelle: André Kempner

Erst zum zweiten Mal dabei, dafür aber mit einem herrlich eleganten Kleid unterwegs ist die 41-jährige Sabine Zinke. Ein modisches Unikat: Die Ravensburgerin hat ihr Outfit selbst entworfen, „weil ich aber handwerklich nicht so begabt bin, habe ich es von einer Bekannten nähen lassen“. Laut John von DarXity erfreuen sich beim WGT genau solche Stücke größter Beliebtheit: „Ausladende Ballkleider verkaufen sich am besten, zumal sich viele jedes Jahr auch komplett neu einkleiden.“

Sabine Zinke (41) aus Ravensburg mti ihren selbst entworfenen Ballkleid. Quelle: André Kempner

Die Trends: Alte Stile und rosa Einhörner

Gibt es einen aktuellen Trend? „Alte Stile kommen zurück. Vor allem der punkähnliche Bat-Cave-Style, der der Ursprung der Szene war.“ Und was geht sonst noch? „Duftkerzen und Patchouli in zahlreichen Varianten“, berichtet John und deutet im Anschluss auf ein Regal mit Kuscheltieren, die sich ebenfalls erstaunlich gut verkaufen sollen: dunkelgraue Fledermäuse, tiefschwarze Teddys und – festhalten – rosarote Einhörner. „Für den ironischen Touch“, erklärt der Szene-Experte.

Michael Kluge (49) verzichtet auf solche Spielereien und setzt stattdessen auf Niete und Riemen: Bondage-Style also. Im DarXity hat er Hose und Kilt erstanden. Wichtig für ihn: „Es muss bequem sitzen und nicht ganz so auffällig sein, weil ich ganzjährig so rumlaufe.“ Der Münchener ist nur einer von vielen Stammgästen, die jährlich im Ranstädter Steinweg vorbeischauen. John: „Wir freuen uns immer, wenn bekannte Gesichter vorbeikommen und man sich austauschen kann.“

Michael Kluge (49) aus München im alltagstauglichen Bondage-Stil. Quelle: André Kempner

Ladenbesitzer reagieren mit längeren Öffnungszeiten

Rund 12 Millionen Euro geben die Gruftis über Pfingsten in Leipzig aus – und die Ladenbesitzer nutzen die Gelegenheit. DarXity setzt am Freitag und Samstag auf Open-End-Öffnungszeiten und ist im NonTox mit eigenem Verkaufsstand vertreten. Bleibt da noch Zeit zum Feiern? „Kaum. Am Montag müssen wir den Laden noch aufräumen. Sich ein Festival-Bändchen zu holen, lohnt sich also nicht“, meint John. „Aber am Samstagabend ziehen wir los und gehen auf ein paar Veranstaltungen, bei denen man kein Ticket braucht.“

Leipzig gehört zu Pfingsten wieder den Wave-Gotik-Anhängern. In fantastischen Outfits beleben sie das Stadtbild, lassen sich oft auch gern fotografieren. Unsere Fotografin Regina Katzer wurde offen empfangen - hier sind ihre Eindrücke und Porträts.

von Christian Neffe

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