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WGT News Pferdekopfgeige und Pommesgabel: Suld beim WGT in Leipzig
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WGT
15:19 23.05.2018
Folk-Metal mit Kehlkopfgesang: Suld aus der Inneren Mongolei beim Wave-Gotik-Treffen. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Man versteht sich. Auch wer in der Inneren Mongolei auf harte Musik steht, formt gern aus Zeige- und kleinem Finger die Pommesgabel – genau genommen natürlich: Teufelshörner. Wann immer Su He, Schlagzeuger der Gruppe Suld, eine Hand frei hat, streckt er den hunderten schwarz gekleideten Menschen den Arm diabolisch entgegen. Sogleich blickt er in ein Meer aus Pommesgabeln. „Hoi, hoi, hoi, hoi!“, ruft Bai Sile in die Menge. Das Publikum versteht natürlich, was der Sänger will, und stimmt ein in den Chor.

Erstmals in mehr als einem Vierteljahrhundert Wave-Gotik-Treffen ist am Sonntag auf der Heidenbühne am Torhaus Dölitz eine Band aus China aufgetreten. Aber mit ihrem mongolischen Folk-Metal müssen die fünf Musiker hier keine allzu großen kulturellen Hürden überspringen. Vielmehr sind es vor allem die Solos von Xu Xiaochen auf der mongolischen Pferdekopfgeige und Bais wummernder Kehlkopfgesang, die den Jubel entfachen – mehr noch als die kraftvollen Thrash-Metal-Passagen, die sie ebenso draufhaben.

Gangnam-Style? Headbanging!

Die Innere Mongolei ist eine autonome Region der Volksrepublik, in der heute weit mehr Han-Chinesen als Mongolen leben. „Danke, dass ihr mongolische Musik unterstützt!“, liest Bai auf Englisch von einem Zettel ab und hebt ein himmelblaues Tuch in die Höhe, die Farbe der Mongolei. Hinter der Bühne wird er später erklären, dass die Band die westlichen Instrumente vor allem verwende, um uralten Melodien der mongolischen Überlieferung weltweit Gehör zu verschaffen.

Im Fernen Osten haben Suld schon auf größeren Bühnen gerockt, etwa im Winter in Taiwan vor Zehntausenden. Doch es ist ihnen anzumerken, dass so ein Auftritt in – wie wird dieser Stadtname noch mal ausgesprochen? – „Lei-zick!“ für sie äußerst besonders ist. Suld hatten sich dafür beworben. Die fünf CDs, die sie nach einer Stunde ins Publikum werfen, finden reißende Abnehmer. Ihre Plektren und Trommelstöcke ebenso. Ein letztes Mal formt Xu die Hand zur Pommesgabel, kurz darauf deutet er kurz den Gangnam-Style an. Verschmitzt grinst er darüber, hier doch noch eine kulturelle Grenze zu überschreiten: in Richtung Korea-Pop. Die zur Musik passende Bewegung führen sie aber auch gleich noch vor. Heftig schütteln sie ihre Mähnen im Takt des wohlklingenden Krachs.

Von Mathias Wöbking

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