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„Briefe gegen die Einsamkeit“: Senioren zwischen Leipzig und Altenburg sind gerührt

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12:05 03.02.2021
Die 86-jährige Renate Kockel erhielt in der Grimmaer K&S-Seniorenresidenz einige der über 3500 Briefe, die LVZ-Leser für die Aktion „Briefe gegen die Einsamkeit“ geschrieben hatten.
Die 86-jährige Renate Kockel erhielt in der Grimmaer K&S-Seniorenresidenz einige der über 3500 Briefe, die LVZ-Leser für die Aktion „Briefe gegen die Einsamkeit“ geschrieben hatten. Quelle: Thomas Kube
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Leipzig/Dresden

In der Vorweihnachtszeit – als die sächsische Staatsregierung die Regeln im Corona-Lockdown einmal mehr verschärfen musste – rief die Leipziger Volkszeitung ihre Leser auf, Briefe gegen die Einsamkeit zu schreiben. Grüße vor allem an die Bewohner der Alten- und Pflegeheime zwischen Leipzig, Wurzen und Altenburg – die im Lockdown wegen der Ansteckungsgefahr keinen Besuch empfangen konnten. Die Briefe gegen die Einsamkeit sollten die Senioren aufmuntern und das Gefühl geben – „ihr seid nicht allein“.

Die Leser schrieben. Unermüdlich. Über 3500 Briefsendungen haben die Logistiker der LVZ inzwischen an Heime in ganz Sachsen verteilt. „Das ist eine großartige Zahl – wir sind gerührt und überwältigt. Die Leserinnen und Leser haben mit ihren geschriebenen, gemalten und gebastelten Grüßen für viele schöne Momente in den Alten- und Pflegeheimen in und rund um Leipzig gesorgt. Allen, die sich daran beteiligt haben – einen lieben Dank dafür“, freut sich LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa über den Erfolg der Aktion.

Leipziger Heime freuen sich über „tolles Zeichen in schwerer Zeit“

Auch wenn die Schwestern und Pfleger in den Heimen in den schwierigen Zeiten hoher Inzidenzen viele Sorgen hatten – die Lieferungen mit den Lesergrüßen war für sie eine willkommene Ablenkung von der hohen Belastung. Anne Pelczyk von der Seniorenresidenz an der Weißen Elster in Leipzig: „Die Aktion ist bei uns sehr gut angekommen. Wir haben durch die Pandemie ein anderes Programm als in normalen Zeiten, die Betreuer haben die Post daher in die jeweiligen Wohnbereiche gebracht. Natürlich wurde auch beim Auspacken geholfen – insbesondere bei dementen Senioren. Es waren ganz tolle Sachen dabei, zum Teil sogar Selbstgebasteltes.“ Simone Brummeisl vom Senioren-Wohnpark am Eutritzscher Markt in Leipzig ging es ähnlich: „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner waren sehr begeistert. Die Briefe haben wir in einer großen Runde gemeinsam ausgepackt – die Senioren waren sehr glücklich. Wir schätzen, dass wir um die 80 Briefe erhalten haben. Das ist ein tolles Zeichen in dieser schweren Zeit.“

Kistenweise Briefe gegen die Einsamkeit kamen auch im Leipziger Senioren-Wohnpark am Eutritzscher Markt an. Quelle: Privat

Und auch im Städtischen Altenpflegeheim „Goldener Herbst“ ist die „herzerwärmende Post mit selbstgemalten Bildern, tröstenden Geschichten, kleinen Basteleien und anderen Aufmerksamkeiten bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern sehr gut angekommen. Beim Vorlesen solcher Zeilen blieb kaum ein Auge trocken und die Rührung war unseren Bewohnern ins Gesicht geschrieben“, erzählt Francis Adam aus der Einrichtung.

Grimmaer Senioren hängen Basteleien an ihre Zimmerwände

Im Grimmaer Diakone-Altenpflegeheim „Hedwig Bergsträßer“ sind laut Alltagsbegleiterin Anja Kunze über 50 Briefe eingegangen. „Die Bewohner sind sehr emotional auf die Briefe eingegangen“, freut sie sich über die gelungene Aktion. Die vier Alltagsbegleiter und die zwei Mitarbeiter der sozialen Betreuung übernahmen den Part, die Briefe zur Weihnachtszeit den betagten Leuten vorzulesen. Die kleinen Basteleien schmücken jetzt einige Zimmer“, sagte Kunze. In der Grimmaer K&S Seniorenresidenz „wurden die Geschichten der Leser zu Weihnachten in den Zimmern vorgelesen – die Senioren haben sich sehr gefreut“, lobt Heimleiter Sebastian Groß. Die 86-jährige Renate Kockel gehört zu den Empfängern der besonderen Briefe: „Es tut schon gut, wenn man solche lieben Zeilen lesen kann und plötzlich merkt – da ist jemand Unbekanntes, der an uns Alte hier in den Pflegeheimen denkt“, sagte sie gerührt.

Die 86-jährige Renate Kockel aus Grimma hat sich sehr über die Briefe gegen Einsamkeit gefreut. Quelle: Thomas Kube

Bornaer Senioren haben an die Absender zurückgeschrieben

An die beiden Bornaer Pflegeheime des Heimverbundes Leipziger Land wurden 150 Briefe verschickt, sagt Cornelia Killisch von der Diakonie Leipziger Land. „Da waren Basteleien und Kärtchen drin.“ Die Bewohner seien „sehr berührt“ gewesen, „dass sich jemand, der sie gar nicht kennt, solche Mühe macht“. Eine Bewohnerin habe mittlerweile sogar zurückgeschrieben und hofft auf eine Antwort. „Vielleicht entsteht dadurch eine Brieffreundschaft“, so Killisch weiter. Die Briefe seien auch deshalb von Bedeutung, weil es im Carl-Heinrich-Haus derzeit kaum Beschäftigungsangebote für die Bewohner gibt, um unnötige Kontakte zu vermeiden.

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Briefe sorgen für Abwechslung im Wurzener Heim „St. Hedwig“

„Eine wirklich tolle Sache“. Daniela Stimmel ist immer noch ganz begeistert, so wie vor allem die 62 Bewohner des Caritas-Altenpflegeheimes „St. Hedwig“ in Wurzen. Denn die liebevoll geschriebene Post sorgte für Abwechslung und Freude im Corona-Alltag der Senioren. „Wir haben die Briefe entweder von unseren Senioren vorlesen lassen oder selbst vorgelesen. Manche haben die Grüße mit in ihr Zimmer genommen“, erzählt die Leiterin Soziale Dienste. Besonders überrascht seien die Adressaten über so manches kleine Geschenk gewesen: Gebasteltes von Kindern, aber auch praktische Hilfen wie ein Drehflaschenöffner. Mittlerweile liegen die Schreiben unter den Glasplatten der Tische in den Aufenthaltsräumen auf beiden Etagen, so dass jeder noch einmal einen Blick darauf werfen kann. „Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn die Aktion weitergeht.“

Bundeswehrsoldaten lesen Briefe im Leisniger Waldidyll vor

Im Pflegeheim Waldidyll im Leisniger Ortsteil Paudritzsch (Mittelsachsen) wurden die Grüße in einer Zeit geliefert, als die Einrichtung gerade mit Corona-Fällen im Hause zu kämpfen hatte. Dies betraf nicht allein Bewohner. Auch die Besetzung des Pflegepersonals war krankheitsbedingt zeitweise ausgedünnt. Angehörige der Bundeswehr unterstützten das Waldidyll in dieser schweren Zeit. „Das hat uns sehr geholfen“, sagt Jan Fritzsche von der Geschäftsführung. Die Soldaten und Soldatinnen seien es dann auch zum großen Teil gewesen, die zusammen mit den Heimbewohnern die Briefsendungen öffneten, Gezeichnetes und Gemaltes betrachteten, ihnen die Grüße vorlasen. Fritzsche: „Wir haben die Briefe mit auf die einzelnen Stationen gegeben. Dort wurden sie dann den Bewohnern vorgelesen. Das war in diesen Zeiten eine willkommene Abwechslung – eine sehr schöne Aktion.“

Im Paudritzscher Pflegeheim Waldidyll lesen Pflegehelfer der Bundeswehr die Lesergrüße vor. Quelle: Waldidyll Paudritzsch

Aktion lässt in Altenburg Brieffreundschaften entstehen

Im Seniorenwohnpark Klausa bei Nobitz im Altenburger Land wurden die Leser-Grüße verteilt oder in Beschäftigungsgruppen vorgelesen. „Die Bewohner haben die liebevoll und individuell gestalteten Briefe sehr bewundert“, sagt Doreen Arnoldt von der Leitung des Seniorenwohnparks. „Briefe, die den Bewohnern besonders gut gefielen, durften sie für sich behalten. Die Aktion wurde sehr gut angenommen.“ So war es auch im Seniorenwohnsitz in Plottendorf bei Treben, wo die Briefe für Freude in den verschiedenen Wohnbereichen sorgten, berichtet Heimleiterin Katrin Siegel. Und im Altenburger DRK-Seniorenpflegeheim „Albert Schweitzer“ in Altenburg sind sogar Brieffreundschaften entstanden. „Die Bewohner haben sich so darüber gefreut, dass sie einige Briefe beantwortet haben“, berichtet Heimleiterin Dagmar Plarre. „Es war eine sehr schöne Idee, gerade in der jetzigen Zeit, in der kaum Kontakte möglich sind.“

Von Eigener Bericht