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Corona und Impfung: Booster, Durchbrüche und Zertifikate - Alle Infos

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13:07 26.11.2021
Eine Ärztin setzt eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech. (Archivfoto)
Eine Ärztin setzt eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech. (Archivfoto) Quelle: Kay Nietfeld / dpa
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Leipzig

Impfungen bieten persönlichen Schutz, sind aber auch das wichtiges Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. In der inzwischen immer hitziger geführten Debatte darüber gehen wesentliche Fragen zunehmend unter. Wir haben ein paar zentrale Aspekte gesammelt und geben Antworten. Im ersten Teil geht es unter anderem um Auffrischungsimpfungen, um die sich mehrenden Impfdurchbrüche, um auftretende Impfreaktionen und die Gültigkeit von Zertifikaten.

Welche Reaktionen treten häufig nach einer Impfung auf?

Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Schüttelfrost, leichtes Fieber, Unwohlsein und Kopfschmerzen.

Bin ich geschützt, wenn ich gar keine Impfreaktionen habe?

„Ja, man ist trotzdem geschützt, auch wenn man subjektiv keine Impfreaktion gemerkt hat“, erklärt Professor Michael Borte, Direktor des Immundefektzentrums am Klinikum St. Georg in Leipzig.

Wie sollte das Impfen nach einer Sars-Cov2-Infektion erfolgen?

Dazu teilte die Sächsische Impfkommission (Siko) am 22. November 2021 mit, dass eine nachgewiesene Infektion eine Impfdosis ersetzt. Wenn also jemand nach der ersten Impfung Corona bekommen hat, ersetzt das praktisch die Zweitimpfung. Dann wäre nach sechs Monaten noch eine Auffrischung erforderlich. Wenn jemand zuerst die Infektion durchgemacht hat, braucht er laut Siko noch zwei Impfungen, bis die Grundimmunisierung abgeschlossen ist.

Wie lange ist mein Impfzertifikat gültig?

Eine Impfung hat keine Gültigkeit, sondern nur einen prognostizierten Schutz. Inzwischen gibt es Empfehlungen, die bisher verfügbaren Impfungen gegen Corona nach sechs Monaten aufzufrischen. Das digitale Impfzertifikat der Bundesregierung, das in die Corona-Warnapp aufs Handy geladen werden kann, hat dagegen ein technisches Ablaufdatum – jeweils ein Jahr nach Einstellung ins System. Das bedeutet auch: Mit der Boosterimpfung verlängert sich der „digitale Impfstatus“ erneut auf zwölf Monate. Die EU-Kommission will allerdings die Gültigkeit der Covid-Impfzertifikate von aktuell zwölf auf nur noch neun Monate verkürzen. Damit reagiert die Kommission auf den laut mehrerer Studien bereits nach rund einem halben Jahr stark nachlassenden Schutz durch die bisherigen Schutzimpfungen. Als „vollständig geimpft“ sollen nach den neuen Plänen künftig nur noch Menschen gelten, die – zusätzlich zu den bisherigen Impfdosen – noch eine weitere Auffrischungsimpfung erhalten haben. Über die Pläne der Kommission wird kurzfristig der Ministerrat beraten, das Gremium der Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer. Sofern dieser den Vorschlag akzeptiert, soll die Neuregelung spätestens zum 10. Januar 2022 wirksam werden. Reynders betonte jedoch, dass es sich um Vorschläge handele und die Mitgliedstaaten selbst entscheiden könnten, wie genau sie den digitalen Impfpass einsetzten.

Warum kommt es immer häufiger zu Impfdurchbrüchen?

Die bisher bekannten Corona-Impfstoffe schützen zwar länger vor schweren Verläufen, können eine Ansteckung ein halbes Jahr nach Immunisierung aber nur selten verhindern. Die Vakzine wurden für den bis Ende 2020 vorherrschenden Corona-Wildtyp entwickelt, die aktuell dominierende Delta-Mutation ist im Vergleich deutlich ansteckender und tritt in größeren Mengen auf. Aktuelle Studien zeigen, dass im Fall eines Kontakts mit der Delta-Mutation vier bis sechs Monate nach Immunisierung nur noch in 20 Prozent der Fälle eine Infektion verhindert wird. Geimpfte müssen deshalb ein halbes Jahr nach ihrer zweiten Dosis mit Impfdurchbrüchen rechnen. Allerdings ist auch dann die Gefahr von schweren Verläufen noch immer deutlich geringer als bei Personen ohne Corona-Impfschutz.

Wann lässt der Impfschutz ohne Boostern nach?

Keine Impfung schützt zu 100 Prozent. Laut aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts verhindern die Vakzine von Biontech, Moderna und AstraZeneca auch bei der Delta-Variante zu 90 Prozent eine schwere Erkrankung mit Covid 19 und zu 75 Prozent eine Infektion mit dem Virus. Je jünger das Immunsystem, umso besser. Dagegen zeigt der Impfstoff von Johnson und Johnson, der nur eine Impfdosis benötigt, angesichts der Mutation offenbar Schwächen. Deshalb wird jetzt auch hier eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin empfohlen.

Mit der Zeit lässt bei allen Impfstoffen die Wirkung nach – allerdings muss dabei klar zwischen Erkrankung und Infektion unterschieden werden. Der Schutz gegen schwere Covid-19-Verläufe verringert sich nur langsam. Wie Studien zeigen, verhindern die bekannten Vakzine auch nach sechs Monaten oder länger noch mit hoher Wahrscheinlichkeit Hospitalisierungen oder Todesfälle. Zudem bleibt die Information, wie Antikörper gebildet werden, in den T-Zellen gespeichert, so dass das Immunsystem weiter reagieren kann. Anders verhält es sich mit der Brandmauer gegen Infektionen. Der Schutz gegen eine Ansteckung mit der Delta-Variante verringert sich nach vier bis sechs Monaten erheblich. Deshalb wird inzwischen eine dritte Dosis als Auffrischung empfohlen.

Wer braucht eine Booster-Impfung?

Einfach gesagt: Alle über 18 Jahre, die ihren Impfschutz auch gegen Ansteckungen aufrechterhalten wollen. Am dringlichsten ist dies für die Alten und Kranken. Schon am 18. November hat die Ständige Impfkommission der Bundesrepublik (Stiko) die Auffrischungsimpfung (Booster) für alle Erwachsenen empfohlen. Die Impfung soll mit einem der mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna erfolgen.

Wann sollte eine Booster-Impfung erfolgen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, dass die Auffrischungsimpfung „in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen“ soll. Allerdings könnte im Einzelfall eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate erwogen werden. Eine Ausnahme bilden auch die mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson geimpften Menschen; bei ihnen kann schon nach vier Wochen geboostert werden. In der Sächsischen Impfkommission (Siko) wird derzeit darüber diskutiert, ob die Booster-Impfung schon nach vier bis sechs Monaten erfolgen soll.

Ist es sinnvoll, vor dem Boostern Antikörper bestimmen zu lassen?

Bei der Bestimmungen von Antikörpern sind eine Menge Faktoren zu beachten und es gibt verschiedene Methoden. Kommerzielle Schnelltests sind auch nur bedingt vergleichbar. Laut Robert-Koch-Institut lässt der bloße Nachweis von Antikörpern auch keine eindeutige Aussage zur Infektiosität oder zum Immunstatus zu. Ähnlich sieht es die Sächsische Landesärztekammer: „Nach derzeitigem Stand erlaubt der AK-Titer nur eine unzureichende und nicht präzise Aussage über den Immunschutz. Daher ist ein Antikörpertest nicht sinnvoll“, so Sprecher Knut Köhler. Klaus Heckemann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KVS), verweist zudem auf fehlende Praxistauglichkeit beim Boostern: „In einer idealen Welt würde man wohl vor jeder Impfung nicht nur Antikörper bestimmen, sondern auch Testen, ob vielleicht eine aktuelle Infektion vorliegt. In der Realität ist das aber praktisch unmöglich.“

Soll der Booster-Impfstoff möglichst der gleiche sein wie der vorhergehende?

Für die Auffrischungsimpfung empfiehlt die Sächsische wie auch die Ständige Impfkommission generell einen mRNA-Impfstoff, auch wenn man vorher einen anderen bekommen hat, also etwa Astrazeneca. Das heißt, dass nur die Seren von Biontech oder Moderna in Frage kommen. Das Robert Koch-Institut und die Sächsische Impfkommission raten, möglichst denselben mRNA-Wirkstoff wie bei der Grundimmunisierung zu nehmen. Wenn dieser aber nicht verfügbar ist, könne auch der andere eingesetzt werden. Also wer zweimal mit Biontech immunisiert wurde, kann die Boosterung auch problemlos mit Moderna erhalten. Das sei genauso sicher und effektiv, heißt es. Beide mRNA-Impfstoffe haben bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassung für den Einsatz als Booster-Impfstoff. Neueste Studien zeigen zudem, dass ein kreuzweise Wechsel der beiden mRNA-Wirkstoffe sogar noch höheren Impfschutz zur Folge hat.

Darf ich mir den Impfstoff aussuchen, mit dem ich geboostert werden will?

Das dürfte schwierig werden, da der Hausarzt im voraus den Impfstoff bestellen müsse, sagt Professor Michael Borte vom Klinikum St. Georg. Aber jeder dürfe darauf vertrauen, dass sein Hausarzt über die Impfstoffe informiert sei und verantwortungsvoll entscheide.

Wie lange dauert es, bis das Boostern wirkt?

In der Regel ist nach sieben bis 14 Tagen ein ausreichender Schutz vorhanden, heißt es aus der Sächsischen Impfkommission (Siko). Das für Impfungen in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut teilte mit, dass nach aktuellem Kenntnisstand die Auffrischimpfung eine Gedächtnisantwort hervorruft, „mit der nach fünf bis sieben Tagen ein vergleichbarer Schutz wie nach der Grundimmunisierung erreicht wird“. Vergleichende Studien zu den Booster-Impfstoffen gibt es noch nicht. Es gibt nur einige Studien zum Biontech-Impfstoff als Auffrischungsimpfung aus Israel, wo seit Ende Juli geboostert wird. Eine Studie stellte fest, dass die dritte Impfung zwölf Tage nach ihrer Verabreichung wirksamer war als nach vier bis sechs Tagen.

Von Anita Kecke und Matthias Puppe