Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Nah dran Ferienfreizeit: „Die Jugendlichen haben es verdient, Leichtigkeit zu erleben“
Familie Nah dran

Leipzig hilft Kindern mit Ferienfahrten und Ferienfreizeiten, Leichtigkeit zu erleben

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
LVZ Familie - so vielfältig wie Leipzig und seine Familien. Authentisch, nah dran, immer aktuell.
13:26 21.07.2021
Familienurlaub am Prerower Ostseestrand in der Nähe der Seebrücke. Freizeitfahrten in den Ferien können Eltern und Kindern Kraft und Energie wiedergeben.
Familienurlaub am Prerower Ostseestrand in der Nähe der Seebrücke. Freizeitfahrten in den Ferien können Eltern und Kindern Kraft und Energie wiedergeben. Quelle: Jens Büttner/dpa
Anzeige
Leipzig

Wenn die Kinder zur Ferienfahrt aufbrechen, bedeutet das für sie Ausgleich vom Alltag. Die Eltern wiederum haben endlich mal Zeit, durchzuatmen und Liegengebliebenes zu erledigen. Solche Ausflüge sind umso wichtiger nach Monaten von Lockdown, Homeoffice, Homeschooling. Die LVZ hat mit Mutter Hendrikje Düwel und Sohn Ilja Kircheis gesprochen. Ob sie dringend Abstand vom Stress der letzten Zeit bräuchten? „Ja, definitiv“, ist ihre einstimmige Antwort.

Besonders der erste Lockdown hat die Nerven der Familien zeitweise stark strapaziert. „Das war nervig“, erinnert sich der elfjährige Ilja, „mir haben die Freunde gefehlt, es war anstrengend, zu Hause zu arbeiten. Und Kontakt zu den Lehrern gab es nicht“. Leben auf engem Raum, Stress, finanzielle Sorgen. Bei vielen Familien kam all dies während der Pandemie zusammen. „Mein Mann wurde damals sofort arbeitslos. Ich arbeitete im Homeoffice. In so einer Krise rückt die Familie zusammen, aber das kann auch Enge bedeuten“, berichtet Mutter Hendrikje. Von Woche zu Woche sei die Stimmung von Ilja immer schlechter geworden. „Und ich wusste nicht mehr, wie ich ihn begleiten sollte“, sagt sie betrübt.

Die Ferienfahrt fiel im vergangenen Jahr aus

Eine Ferienfahrt brachte letztes Jahr jedoch nicht die dringend nötige Erleichterung, denn die fiel wie vieles coronabedingt aus. Dieses Jahr kann Ilja nun wieder wegfahren und trifft Freunde, die er eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen hat.

Seit ein paar Jahren nimmt der Schüler an den Fahrten des gemeinnützigen Vereins KlimBamBora teil. Über Mitgliedsbeiträge ermöglicht die Organisation auch Kindern und Jugendlichen die Teilnahme am Ausflug, die aus einem Umfeld mit „sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen kommen“, erklärt Gründungsmitglied Andreas Peters. Rund ein Drittel der teilnehmenden Jungen und Mädchen leben in Heimen, Wohngemeinschaften und sozial benachteiligten Familien. Dies seien Familien, denen aufgrund von sozialen Strukturen Zugang zur gleichberechtigten Teilhabe fehle, erklärt Peters. „Finanzielle Mittel sind kaum vorhanden oder nur mit großem Aufwand, wie über Anträge, zu beschaffen. Sie haben weniger Zugriff auf Informationen und es fehlt an niedrigschwelligen Hilfen. Es gibt soziale Schranken.“

Besonders schwer hatten es Ein-Eltern-Familien und Familien in Gemeinschaftsunterkünften während der Corona-Pandemie, weiß Linn Mehnert (re.) vom Projekt „Hand in Hand“. Mit ihrer Kollegin Anne Walther möchte sie ihnen mit einer Familienfahrt Zeit zum Durchatmen verschaffen. Quelle: Christian Modla

Eine Ferienfahrt sowohl für die Kinder als auch für die Eltern

Nicht nur die Kinder der Familien, die es während der Pandemie am schwersten hatten, stehen bei dem Projekt von Linn Mehnert im Fokus. Die Koordinatorin der mobilen Familienbildung „Hand in Hand“ des Kinderschutzbundes Leipzig plant einen Ausflug sowohl für die Kinder als auch deren Eltern. Gerichtet ist dieses Projekt zum einen an Alleinerziehende, „oder wie wir sie nennen, Ein-Eltern-Familien. Sie mussten alles in Eigenregie organisieren. Der Hort und Ferienprogramme, die sonst entlasten konnten, fielen aus. Hinzu kamen finanzielle Sorgen und der oft enge Wohnraum. Da gab es wenig Platz und Zeit, um mal durchzuatmen“, so Mehnert.

 Zum anderen stehe das Angebot Familien zur Verfügung, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. „Der Alltag in diesen Einrichtungen ist belastend, es gibt wenige Unterstützungsangebote“, erklärt Mehnert, die ihr Büro in direkter Nachbarschaft zu der Unterkunft in der Arno-Nitzsche-Straße hat. Die meisten seien alleine in Deutschland und daher auf sich gestellt. „Die Kinder sind oft sich selbst überlassen. Sie verbringen ihre Zeit auf dem Parkplatz der Unterkunft. Diese Jugendlichen haben es verdient, mal wieder Leichtigkeit zu erleben.“

Alles zum Thema Familie in Leipzig als Newsletter

Alle News zum Thema Familie in Leipzig immer donnerstags gegen 16 Uhr im E-Mail-Postfach

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ unterstützt die Familienfahrt

Gemeinsam mit dem Jugendamt und der Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ wurde die Familienfreizeit erdacht, die in der letzten Ferienwoche vom 3. bis 5. September stattfinden soll. Die Fahrt ist für 45 Teilnehmende, davon 25 bis 30 Kinder und Jugendliche, konzipiert, die drei Tage im Bildungshaus Schönburg bei Naumburg an der Saale verbringen dürfen. Den Familien steht ein 15-köpfiges Team, darunter Kinderbetreuer, Sprachmittler und Elternberater, zur Seite.

Geplant sind Entspannungsangebote, arabische Info-Runden und Freizeitaktivitäten nur für die Eltern. Für die Kinder gibt es ein buntes Sport- und Kreativprogramm. Es wird auch Programmpunkte geben, die die Familien gemeinsam erleben können, zum Beispiel Wanderausflüge. Doch Ziel sei es, für jeden Teilnehmenden eine individuelle Erholung zu ermöglichen. Für die Eltern bedeute das vor allem Entlastung, aber auch Austausch mit andern Müttern und Vätern. Die Zauberformel für entspannte Kinder „sind entspannte Eltern“, sagt Mehnert. Die Jugendlichen können sich außerdem ausprobieren, das Gruppengefühl genießen, neue Fertigkeiten erlernen und damit ihr Selbstwertgefühl stärken. „Die Kinder kommen mal wieder raus. Aber am wichtigsten ist“, so Mehnert, „dass sie wieder einmal eine schöne und ausgelassene Zeit mit ihrer Familie verbringen.“

Rundum-Sorglos-Paket, um Alltag ein paar Tage vergessen zu können

Diese Ausgelassenheit sei aber nur möglich, wenn sich die Teilnehmenden während des Kurz-Trips um nichts kümmern müssten. Der Ausflug soll für alle kostenlos zur Verfügung stehen – Anreise, Aufenthalt, Verpflegung mit inbegriffen. Die Familienbildung „Hand in Hand“ wird vom Jugendamt gefördert. Doch die Familienfahrten werden davon nicht abgedeckt und können nur mit weiterer Förderung realisiert werden. Diese würde die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ gerne zur Verfügung stellen. Für dieses und weiter Projekte sammelt die Stiftung aktuell Spenden.

So können Sie helfen

Die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ wurde 2009 durch die Leipziger Volkszeitung, die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig und die VNG AG gegründet. Als weitere Mitglieder brachten sich das Gewandhaus Leipzig und die Porsche AG ein. Im Fokus stehen Bewegungs- und Sportprojekte für Kinder, Schwimmkurse und Ferienfreizeiten. Wenn Sie die Stiftung unterstützen möchten, können Sie Ihre Spende auf folgendes Konto überweisen:

Sparkasse Leipzig

IBAN: DE16 8605 5592 1100 9020 03

BIC: WELADE8LXXX

Verwendungszweck: Spende für die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“

Von Pauline Szyltowski

21.07.2021
Studentenleben in Leipzig - Low-Budget-Wohnheim: Alles für 270 Euro ?
21.07.2021