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Nah dran Reisekrankheit bei Kindern: Was hilft gegen Übelkeit und Erbrechen?
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Reisekrankheit bei Kindern: Was hilft gegen Übelkeit und Erbrechen?

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07:32 01.08.2020
Vielen Kindern wird im Auto schlecht. Doch es gibt einige Tipps und Tricks, mit denen Eltern die Beschwerden der Reisekrankheit lindern können. Quelle: Daniel Jędzura/Adobe Stock
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Leipzig

Wer sie im Gepäck hat, startet denkbar ungünstig in den Urlaub: die sogenannte Reisekrankheit (Kinetose). Denn kaum geht die Fahrt in Auto, Bus oder Zug los, klagen die Betroffenen über Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen. Besonders häufig erwischt es Kinder, wie Apothekerin Sigrun Stenz aus Leipzig berichtet: „Reiseübelkeit tritt typischerweise das erste Mal im Alter von etwa zwei Jahren auf und ist bis zum Schuleintritt ein weit verbreitetes Problem.“ Doch Eltern können einiges dafür tun, um die Beschwerden zu lindern.

So helfe es oft schon, den Kindersitz in Fahrtrichtung zu positionieren, nur leichte Kost (Zwieback, Obst) anzubieten, genug zu trinken (stilles Wasser, ungesüßter Pfefferminztee) sowie für frische Luft zu sorgen – durch heruntergelassene Fenster und regelmäßige Pausen. Ganz wichtig ist, das Kind nach draußen schauen zu lassen.

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Widersprüchliche Reize verwirren das Gehirn

„Das flaue Gefühl im Magen entsteht immer dann, wenn sich der Kopf während der Fahrt leicht hin und her bewegt und damit unser Gleichgewichtsorgan im Ohr angeregt wird, das Auge diese Schwankungen aber nicht einordnen kann. Die widersprüchlichen Reize bringen unser Gehirn durcheinander“, erklärt die Expertin. Blickt der kleine Passagier dagegen auf die Straße oder den Horizont, kriegt er mit, wenn zum Beispiel eine Kurve kommt. Also unterwegs lieber Wolkenformen erraten oder „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen, als lesen oder aufs Smartphone/Tablet schauen. Nachts zu fahren sei ebenfalls günstig, weil die Kinder die Reise meist einfach verschlafen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann zusätzlich zu rezeptfreien Medikamenten greifen. Zum Angebot beraten Kinderärzte oder Apotheker. „Für kleine Kinder eignen sich vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Diphenhydramin in Zäpfchen- oder Saftform, die vorbeugend eine halbe Stunde vor Reiseantritt verabreicht und im Normalfall gut vertragen werden“, erläutert Sigrun Stenz. Für größere Kinder bieten sich spezielle Reise-Kaugummis an. Der Vorteil: Sie kommen nur bei Bedarf zum Einsatz und wirken sehr schnell. „Gerade auf Klassenfahrten ist es für die Kinder beruhigend zu wissen, dass sie für den Notfall etwas dabei haben.“

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Homöopathie und Hausmittel

Wer eine homöopathische Alternative bevorzugt, kann es mit Nux vomica (Brechnuss) C30 Globuli versuchen. „Das Mittel funktioniert sehr gut, selbst bei starken Beschwerden“, so die Inhaberin der Central-Apotheke am Augustusplatz. Sie fügt zwei weitere Pluspunkte hinzu: Es passt für jede Altersstufe und eine Überdosierung ist praktisch nicht möglich. Ingwer, ein bekanntes Hausmittel gegen Schwangerschaftsübelkeit, kann die Symptome der Reisekrankheit ebenfalls abschwächen und ist in Kapsel- oder Tablettenform erhältlich.

Immerhin: Um die Bordapotheke aufzufüllen, müssen Eltern nicht tief in die Tasche greifen: „Alle genannten Produkte liegen preislich zwischen zwei und zehn Euro.“

Geheimtipp Geruchssinn

Einen Geheimtipp hat Sigrun Stenz noch: Ein wirkungsvoller Trick sei es, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken und dabei gezielt den Geruchssinn anzusprechen. „Tragen Sie einige Tropfen ätherische Öle oder etwas Erkältungsbalsam auf die Haut auf. Auch eine kleine Dose mit frisch zermahlenen, stark riechenden Gewürzen wie Pfeffer, Curry oder Ingwer erfüllt den gleichen Zweck. Bei Alarm auf der Rückbank lassen Sie die Kinder daran schnuppern.“

Trotzdem sollten Eltern für ihre Spuckkinder auf Reisen immer eine Tüte und Feuchttücher griffbereit halten – sicher ist sicher. Sigrun Stenz macht dennoch Hoffnung: „Die Reisekrankheit verliert sich in der Regel mit zunehmendem Alter.“

Von Constanze Dietsch