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Bildung An Leipziger Schulen werden Impfhelden gesucht
Leipzig Bildung An Leipziger Schulen werden Impfhelden gesucht
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10:35 10.10.2019
Kurzer Schmerz, lebenslange Immunisierung: Celina Spindler impft Fünftklässler Jonas Rüde. Die Ärztin Cornelia Hösemann steht für Trost bereit. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Jonas Rüde ist ein Impfheld. So steht es auf seiner Urkunde. „Die hängst du dir übers Bett“, empfiehlt ihm Cornelia Hösemann und überreicht ihm das Papier. „Hmm, ja“, murmelt Jonas. Was man als Zehnjähriger halt so sagt, wenn einem eine promovierte Ärztin einen Ratschlag gibt. Wichtiger ist ohnehin, wofür er die Auszeichnung erhalten hat: Der Fünftklässler der Neuen Nikolaischule hat sich gerade gegen HPV impfen lassen. Eine Hand voll von Ärzten und Apothekern aus Leipzig und Umgebung haben ein HPV-Impfprojekt gegründet und gehen seit den Sommerferien mit Nadeln, Pflastern und dem Mittel an die Schulen.

HPV steht für Humanes Papillom-Virus. Von den mehr als 100 HPV-Typen gelten zwölf als hochriskant: Eine Infektion kann Jahre oder Jahrzehnte später Gebärmutterhalskrebs verursachen. Auch Analkrebs, Peniskrebs und Karzinome in Mund und Rachen führen Wissenschaftler mindestens zur Hälfte der Fälle auf HP-Viren zurück. Genitalwarzen können ebenfalls aus einer HP-Infektion resultieren. Die Ansteckung passiert nicht nur beim Geschlechtsverkehr, sondern kann generell erfolgen, wenn Menschen mit Haut oder Schleimhaut zueinander in Kontakt treten.

Raus aus der Schmuddelecke

Gegen den Erreger sind in Europa seit 13 Jahren Impfstoffe zugelassen. Seit einem Jahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission nicht nur bei Mädchen, sondern auch bei Jungen – so wie bei Jonas. Gegen was genau er da eben immunisiert worden ist, kann er gar nicht sagen. „Gegen irgendwelche Viren“, sagt er. Seine Eltern haben die Entscheidung gefällt. Ein bisschen genauer weiß Neuntklässler Noah Didt Bescheid. „Gegen Geschlechtskrankheiten“, sagt der 13-Jährige. Sein kleiner Bruder geht in die fünfte Klasse, da haben die Eltern Noah gleich mit zum Impfen geschickt.

Für Cornelia Hösemann, die der sächsischen Impfkommissionangehört und das HPV-Schulimpfprojekt mit ins Leben gerufen hat, läuft es genau richtig, wenn die HPV-Immunisierung „aus der Schmuddelecke rauskommt“, wie sie sagt. „Unser Ziel ist es, dass sie zu einer ganz normalen Impfung wird.“ Die Frauenärztin aus Großpösna beklagt, dass noch immer die wenigsten Menschen über das Virus und seine Gefährlichkeit Bescheid wissen. In ihrer Praxis kläre sie zwar immerhin die Mädchen auf. „Aber wie kommen wir an die Jungs?“, habe sie sich gefragt. Sie stehen nicht nur selbst in der – nicht ganz so großen – Gefahr, durch HPV an Krebs zu erkranken, sondern treten vor allem auch als Überträger in Erscheinung.

Die Ärztinnen schießen das Geld aus eigener Tasche zu

Also beschloss Hösemanns Projektgruppe, an die Schulen zu gehen. Wie einst in der DDR. Zunächst im kleinen Maßstab: „Wir fangen dort an, wo unsere eigenen Kinder unterrichtet werden. Da haben wir schon einen Fuß in der Tür“, erklärt die Medizinerin. Im Neuen Nikolaigymnasium informierte die Ärztin Sylvia Stark auf Elternabenden die Erziehungsberechtigten der fünften Klassen: Die Impfempfehlung gilt für Mädchen und Jungen ab neun Jahren. Bis zum Alter von 14 reichen zwei Impfungen in einem Abstand von einem halben Jahr. Zwischen 14 und 18 sind drei Impfungen nötig. Das Immunsystem reagiert umso besser auf die Impfung, je jünger die geimpfte Person ist. Die Nebenwirkungen beschränken sich Studien zufolge in den allermeisten Fällen auf kurzzeitige Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen an der Einstichstelle. Keine lebendigen Viren, sondern lediglich Eiweiße der Virushülle werden injiziert. Das genügt dem Körper, um Abwehrstoffe zu bilden.

„Wir sind noch in der Startphase“, sagt Hösemann über das Schulimpfprojekt. Rund 40 Schüler haben sie jetzt am Neuen Nikolaigymnasium geimpft, zuvor 60 in Naunhof und Großsteinberg. In ein paar Wochen stehen die vierten Klassen einer Großpösnaer Grundschule im Plan. Die Ärztinnen und ihr Praxispersonal gehen unentgeltlich an die Schulen. Die Internetseite ist noch im Aufbau. „Mit mehr Kapazitäten würden wir mehr Klassen besuchen“, so Hösemann. Immerhin ist Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch bereits aufmerksam geworden. Doch bislang schießen die Ärztinnen das Geld für Infomaterial und den Druck der Urkunden aus eigener Tasche zu. Eine lohnende Investition. Egal, ob Jonas seine Bestätigung nun über dem Bett aufhängt oder nicht: Stolz wirkt er schon darüber, ein Impfheld zu sein.

Von Mathias Wöbking

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