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Bildung Schiff unter Leipziger Leitung spürt Mikroplastik im Meer nach
Leipzig Bildung Schiff unter Leipziger Leitung spürt Mikroplastik im Meer nach
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10:42 23.05.2019
Von Vancouver nach Singapur: Die Forschungscrew der „Sonne“ will auf der Route ab 30. Mai jede Menge zersetzten Plastemüll einsammeln. Quelle: Die Aktivisten, Leipzig
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Leipzig

Ende des Monats sticht das Forschungsschiff „Sonne“ im kanadischen Vancouver in See. An Bord: 19 Wissenschaftler, die auf ihrem Weg nach Singapur dem Verbleib von Mikroplastik im Meer nachspüren. Bekannt ist, dass Millionen Tonnen solcher Abfälle jährlich über Flüsse, durch Winde und Abwässer in die Ozeane gelangen. Weitgehend unerforscht ist hingegen, was dort mit dem Müll passiert. Diese Wissenslücke soll die Pazifik-Expedition unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) helfen zu schließen.

„Detaillierte Daten darüber, wo sich welche Mengen Plastik ansammeln, gibt es bisher nicht“, sagt die Leipziger Umweltchemikerin Annika Jahnke. Schätzungen beruhen auf Computermodellen, Einzeldaten und Beobachtungen aus der Luft. Während der Überfahrt sammeln die Biologen, Ökotoxologen und Umweltchemiker Proben aus dem Oberflächenwasser, vom Meeresboden und von den Schichten dazwischen – der sogenannten Wassersäule. „Sie wurde bislang wenig untersucht“, erklärt Jahnke, die am UFZ in Leipzig das Projekt „Micro-Fate“ leitet, das das Bundesforschungsministerium bis 2021 mit rund 820 000 Euro unterstützt. Außer dem UFZ sind das Fraunhofer-Institut für keramische Technologien und Systeme, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde und die Universität Stockholm an dem Forschungsvorhaben beteiligt.

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Mikroplastik und Mikroben verbinden sich

Die Wissenschaftler vermuten, dass sich der größte Teil des Plastikmülls auf dem Meeresboden ablagert und nur etwa ein Hundertstel auf der Wasseroberfläche zu finden ist. Wichtige Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher auch über die Verwitterung der Plaste, in deren Folge sich feine Polymerpartikel bilden, die sich wiederum mit Mikroorganismen verbinden. Studien lassen vermuten, dass sich solche kunststoffbesiedelten Biofilme von anderen mikrobiellen Gemeinschaften im Meer unterscheiden. Plastik wäre somit ein neuer Lebensraum für Meeresmikroben – mit unbekannten Folgen.

Nach fünfwöchiger Überfahrt soll die „Sonne“ am 5. Juli den Hafen von Singapur erreichen – mit jeder Menge Proben an Bord zur weiteren Analyse im Labor in Leipzig.

Von mwö

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