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Bildung Heilmittel aus dem alten Ägypten: „Verwese vier Mal, Sohn des Schnupfens!“
Leipzig Bildung Heilmittel aus dem alten Ägypten: „Verwese vier Mal, Sohn des Schnupfens!“
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16:08 10.10.2019
Der 3500 Jahre alte Papyrus Ebers hat sogar eine magische Formel parat, die in Kombination mit Gummiharz und Muttermilch gegen Schnupfen helfen soll. Quelle: dpa
Leipzig

Der Herbst hat begonnen und damit die Jahreszeit der Erkältungskrankheiten. Der Papyrus Eberskennt immerhin drei Rezepte gegen Schnupfen, die wir im vierten Teil unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Uni-Bibliothek über die 3500 Jahre alte ägyptische Schriftrolle vorstellen. Die ersten beiden sind recht preiswert. Die Zutaten waren zur damaligen Zeit leicht zu beschaffen. Wobei es Datteln auch heute in jedem Bioladen gibt. In unseren Breiten ist die Polei-Minze auch unter der Bezeichnung Flohkraut bekannt, was auf deren früheren Einsatz gegen Flöhe hinweist. Wenn’s dann mal wieder in der Nase juckt ...

Ein Heilmittel gegen Schnupfen: „Dattelsaft. Man träufle ihn in die Nase (Eb 761). Ein anderes Heilmittel gegen das Niesen und das Jucken in der Nase: „Polei-Minze wird mit Datteln zerrieben und anschießend in die Nase geschmiert (Eb 762).

Das dritte Heilmittel ist eine Kombination aus magischer Beschwörung und Applikation einer Mixtur in die Nase. „Eine Beschwörung des rš-Schnupfens: ,Du sollst ausfließen, Schnupfen, Sohn des Schnupfens, der du die Knochen zerbrichst, der du den Schädel störst, der du im Knochenmark herumwühlst, der du veranlasst, dass die sieben Öffnungen im Kopf der Gefolgschaft des Re, die den Thot verehrt, krank sind. Siehe, hier bringe ich ein gegen dich gerichtetes Heilmittel wie auch ein gegen dich gerichtetes Schutzmittel: Milch einer Frau, die einen Knaben geboren hat, duftendes Gummiharz. Es soll dich beseitigen, es soll dich entfernen – und umgekehrt. Komm heraus auf den Boden! Verwese! Verwese vier Mal!’ Diese Worte sind über der Milch einer Frau zu sprechen, die einen Knaben geboren hat, und über duftendem Gummiharz. Das Ganze wird in die Nase geschmiert“ (Eb 763).

Magisches Sprechen kombiniert mit Gummiharz

Der Schnupfen wird sozusagen persönlich angesprochen und, indem er bei seinem Namen genannt wird, folgt ein sogenannter Zwingezauber. Diese Beschwörung soll sogar mehrmals wiederholt und über den Zutaten des Heilmittels ausgesprochen werden. Mit der Ansprache des Schnupfens und der Nennung seines Namens gewinnt man Gewalt über diesen personalisierten Schnupfen. Das funktioniert wie Rumpelstilzchen.

In der altägyptischen Heilkunde sind Religion, Magie und empirisches Wissen zu einer Einheit verwoben. Der oben gezeigte Text des Papyrus Ebers kombiniert magisches Sprechen mit Erfahrungswissen. Das Gummiharz ist dabei die Trägersubstanz. In zahlreichen Produkten von Naturheilverfahren finden Gummiharze auch heute noch Anwendung.

Lesen Sie auch die ersten drei Teile der Serie: Mittel der alten Ägypter gegen Haarausfall, gegen Zahnschmerzenund gegen Bisswunden sowie Insektenstiche.

In der nächsten Folge geht es um Husten. Am 16. Oktober, 19 Uhr, geben Unibibliotheksdirektor Ulrich Johannes Schneider und Althistoriker Reinhold Scholl im Hörsaal 3, Augustusplatz 10, einen Vortrag über den Papyrus Ebers. Die Bibliothek hat das Faksimile der Schriftrolle digitalisiert und stellt das Ganze samt deutscher und englischer Übersetzung online zur Verfügung: papyrusebers.de. Dort gibt es auch Details zu einem Fundraising samt Sponsoren-Paketen, um eine Replik und einen Schauraum in der Biblioteca Albertina zu finanzieren. Informationen zudem unter 0341 9735006.

Von UBL

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