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Bildung Jüdische und muslimische Frauen kommen in Leipzig ins Gespräch
Leipzig Bildung Jüdische und muslimische Frauen kommen in Leipzig ins Gespräch
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14:46 30.08.2019
Drei Frauen aus drei verschiedenen Kulturen: Die Moderatorin Liv von Boetticher (Mitte) unterhält sich mit der Muslima Zubaria Ahmed (rechts) und der Jüdin Marina Limperska (links) im Ariowitsch-Haus. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Während Zubaria Ahmed mit ihrem sandfarbenen Kopftuch auf dem Podium spricht, kümmert sich ihr Mann zuhause in Göttingen um die Kinder und das Essen. Als Sprecherin der Frauenorganisation einer muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde wurde Ahmed vom Deutschen Zentralrat der Juden als offizielle Vertreterin nach Leipzig eingeladen, um dort in der Dialog-Reihe „Shalom Aleikum“ gemeinsam mit der Jüdin Marina Limperska und der Nachrichtenmoderatorin Liv von Boetticher über ihre Religion, Ausgrenzung und Gleichberechtigung zu sprechen. Später werden Ahmed und Limperska die Bühne freimachen für vier weitere jüdische und muslimische Frauen.

Unterschiede zwischen Judentum und Islam

Salam oder Shalom – das Wort für Frieden haben Judentum und Islam fast gemeinsam, aber es gibt auch trennende Aspekte in den beiden Weltreligionen: „Ich empfinde es als ein großes Privileg, dass ich meine Religionsgehörigkeit leben kann und man sie mir dennoch nicht ansieht“, sagt die 26-jährige Leipziger Studentin Margarita Lerman über ihren Bezug zum Judentum und deutet hin zu einem großen Thema dieses Abends: das Kopftuch. Aigerim Smagulova (29) neben ihr trägt weite rosafarbene Kleidung und eine farblich passende Hijab. Die Medizinstudentin weiß, wovon ihre Vorrednerin spricht: „Klar spüre ich die Ablehnung“, sagt sie und fügt hinzu: „Fremdes wird erst einmal abgelehnt, das ist ja quasi evolutionär bedingt. “

„Bei uns wird der Mann angestarrt“

Anfeindungen und pauschale Abwertungen ihrer Religion – diese Erfahrungen eint die Diskussionsteilnehmerinnen, mit kleinen Unterschieden: „Bei uns ist es mein Mann, der wegen seiner Kippa auf dem Kopf angestarrt wird“, sagt zum Beispiel Marina Charmis (35), die Frau eines Leipziger Rabbiners. Sosan Azad, die mittels einer arrangierten Ehe aus Afghanistan vor vielen Jahren nach Deutschland kam und inzwischen eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist, legt ihr Kopftuch im Job deshalb oft ab: „Ich möchte einfach, dass die Leute mich als Mensch sehen“, sagt sie. „Muslima bin ich aber trotzdem immer, bei meiner Familie trage ich das Kopftuch mit Stolz.“ In ihrer Sicht aufjene, deren befürchteter politischer Erfolg den Gästen des Ariowitsch-Hauses an diesem Abend offensichtlich Sorgen macht, ist Azad radikal: „Ich möchte Räume öffnen und mit denen reden, die mich ablehnen“, sagt sie.

Kontroverse aus dem Publikum

Gelegenheit dazu bietet sich bald: Eine junge Frau erhebt sich aus dem Publikum und läutet den kontroverseren Teil des Abends ein. „Mir ist diese Diskussion zu weich gespült“, sagt sie. „Wieso wird hier nicht thematisiert, was jeder sieht, der durch die Eisenbahnstraße geht: Das Kopftuch degradiert Männer zu Trieb gesteuerten Tieren und Frauen zu einem Stück Fleisch.“ Nachdem die Vorsitzende eines Frauenvereins um Differenzierung bittet, dafür aber die Ahmadiyya als eine besonders konservative Gemeinde kritisiert, erhebt sich eine junge Anwältin aus eben jener Gemeinde und verteidigt ihr Kopftuch: „Mit Unterdrückung hat das nichts zu tun, das Tuch ist mein selbst gewählter, spiritueller Begleiter im Alltag.“

Schließlich ergreift Genka Lapön, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig, aus dem Publikum heraus das Wort und erhält für ihren Appell großen Applaus: „Früher sagte man Proletarier aller Länder vereinigt euch. Heute müssen wir uns doch sagen: Frauen aller Länder, aller Kulturen und aller Religionen vereinigt euch!"

Von Anna Flora Schade

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