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Bildung Leipziger Forscher identifizieren 160.000 Jahre alten Backenzahn
Leipzig Bildung Leipziger Forscher identifizieren 160.000 Jahre alten Backenzahn
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12:54 02.05.2019
Fundstück aus der Baishiya-Karst-Höhle im Hochland von Tibet: Es ist mindestens 160 000 Jahre her, dass ein Urmensch mit den großen Backenzähnen dieses Unterkiefers Nahrung zerkleinert hat. Quelle: Dongju Zhang, Lanzhou-Universität
Leipzig

Die Sauerstoffarmut im Hochland von Tibet macht das Atmen schwer. Doch die Menschen, die im Himalaya leben, tragen ein Merkmal in ihrem Erbgut, das ihnen dabei hilft. Schon in früheren Studien wiesen Wissenschaftler nach, dass es sich bei der betreffenden Geninformation um ein Erbe der Denisovaner handelt.

Diese ausgestorbene Schwestergruppe der Neandertaler wurde 2010 von einer Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (Eva) Leipzig um Paläogenetiker Svante Pääbo mit Hilfe von Genom-Analysen fossiler Fingerknochen aus einer sibirischen Höhle entdeckt – dem bisher einzigen Fundort von Denisovaner-Überbleibsel.

Durchbruch nach fast 40 Jahren

Nun haben Untersuchungen eines Unterkiefers, den ein Mönch bereits 1980 in einer buddhistischen Höhle im chinesischen Xiahe gefunden hatte, neues Licht in die Urgeschichte der Spezies gebracht: Der Knochen ist einer Uran-Thorium-Datierung zufolge mindestens 160.000 Jahre alt; und sein einstiger Besitzer war, so zeigt eine Genanalyse, eng mit den sibirischen Denisovanern verwandt.

Die Vorfahren dieses Individuums müssen sich lange vor Ankunft des Homo Sapiens an die höhenbedingt sauerstoffarme Umgebung angepasst haben.

Uralte Proteine im Backenzahn

Seit 2016 ist das Leipziger Institut an der Erforschung des Kiefers beteiligt und baut dabei auf Ergebnissen auf, die seit 2010 an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und an der Lanzhou-Universität erbracht worden sind.

In einem der Backenzähne fanden die Wissenschaftler uralte Proteine mit dem entsprechenden Erbgut. „Sie sind stark zersetzt und klar von modernen Proteinen zu unterscheiden, die eine Probe verunreinigen könnten“, sagt Frido Welker vom MPI-Eva und der Uni Kopenhagen.

Jean-Jacques Hublin, Eva-Direktor der Abteilung Humanevolution, erklärt, dass „Spuren von Denisova-DNA im Erbgut heute lebender asiatischer, australischer und melanesischer Populationen zu finden“ seien. „Diese Menschenform könnte einst weit verbreitet gewesen sein.“ Die neuen deutsch-chinesischen Erkenntnisse erhärten diese These.

Von mwö

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