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Bildung Steckdosen ohne Strom in neuer Leipziger Uni-Bibliothek
Leipzig Bildung Steckdosen ohne Strom in neuer Leipziger Uni-Bibliothek
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17:32 16.07.2019
In der neuen Zentralbibliothek für Medizin und Naturwissenschaften hat jeder Arbeitsplatz eine Steckdose – nicht aus allen kommt allerdings Strom. Quelle: Kempner
Leipzig

In sechs Wochen schreibt Tom Wohlfarth sein Physikum. Um sich für diese wichtige Prüfung im Medizinstudium vorzubereiten, verbringt er viele Stunden am Tag in der Bibliothek in der Liebigstraße. Die Zentralbibliothek der Medizin und Naturwissenschaften am Klinikum ist noch kein Jahr alt, das Tageslicht kommt durch ein Glasdach, türkise Trennwände säumen die glänzenden Tische. Das moderne und helle Konzept schafft beste Bedingungen, um produktiv zu lernen, wäre da nicht ein Problem.

„Letzte Woche musste ich nach einer halben Stunde fast wieder nach Hause fahren, weil der Akku meines Laptops zur Neige ging“, erinnert sich der 22-Jährige an einen ärgerlichen Morgen. Der Grund: Aus der Steckdose an seinem Arbeitsplatz kam kein Strom. „Gerade in der aktuellen Klausuren- und Examensvorbereitung ist das sehr ungünstig“, sagt der Leipziger Student. Denn dann belegen die angehenden Mediziner und Naturwissenschaftler schnell die 377 Arbeitsplätze der Bibliothek. Wer zu spät kommt, landet an den Plätzen, an denen seit Monaten kein Strom durch die Büchse kommt – für den aufmerksamen Bibliotheksbesucher gut erkennbar an einem weißen Kabelende, das verloren auf dem grauen Fußboden liegt.

50 Arbeitsplätze mehr als geplant in der Liebigstraße

Stromkabel für die Steckdosen an den Arbeitsplätzen der neuen Zentralbibliothek liegen lose auf dem Boden. Quelle: Kempner

„Wir wissen um das Problem“, sagt Astrid Vieler, die Leiterin der Zentralbibliothek. „Es ist zur Zeit sehr schwer, an Elektriker zu kommen.“ Immer wieder seien Termine verschoben worden. Die eigentliche Erklärung dafür, dass nicht alle Arbeitsplätze an das Stromnetz der Bibliothek angeschlossen werden, liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück: „Wir haben erst in einer späteren Planungsphase entschieden, 50 Arbeitsplätze mehr als ursprünglich geplant einzurichten“, so Vieler. Das Stromnetz sei da schon konstruiert gewesen. Die Entscheidung habe damit zu tun, dass die Studierendenzahlen weiter steigen und dass die Zentralbibliothek mehr Fachbereiche in sich vereint als einmal angedacht war.

Strom statt Bücher

Der digitale Zeitgeist tut sein Übriges dafür, dass in den Bibliotheken immer mehr Platz für Arbeitsplätze ist: „Wir haben definitiv weniger Bücher als früher, und auch die meisten Zeitschriften gibt es nur noch elektronisch“, so Vieler. Auch Medizinstudent Tom Wohlfarth nutzt Bücher nur noch wenig. „Zwei oder drei Bücher, die ich wirklich viel brauche, stehen auf meinem Schreibtisch. Aber meine Examensfragen übe ich am Computer, am liebsten hier in der Bibliothek.“ Eine Bibliothek ohne Bücher - für Student Tom Wohlfarth und Bibliotheksleiterin Astrid Vieler hat diese ihre Berechtigung: „Unsere Bibliothek bleibt ein Anlaufpunkt und ein Ort der Konzentration“, sagt Vieler und der Lernalltag von Wohlfahrt gibt ihr recht. Eine Bibliothek ohne Strom allerdings macht auch ihn hilflos. Für kommenden Montag nun hat sich endlich der Elektriker angekündigt, um das lose Kabel auf dem Boden an das Stromnetz in der Decke anschließen.

Von Anna Flora Schade

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