Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bildung UFZ baut für 34 Millionen Euro ein Forschungshochhaus
Leipzig Bildung UFZ baut für 34 Millionen Euro ein Forschungshochhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:45 10.07.2019
Zeitkapsel für den Grundstein: die Forscher Rolf Altenburger und Andreas Schmid, die administrative UFZ-Geschäftsführerin Sabine König, Eva-Maria Stange, Armin Willingmann, Burkhard Jung, Wilfried Kraus und Georg Teutsch im Leipziger Wissenschaftspark. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wer auch immer in ferner Zukunft die Zeitkapsel ausgräbt, die am Dienstag mit dem Grundstein des Forschungsneubaus im Boden des Leipziger Wissenschaftsparks verschwunden ist, wird reichlich Material für historische Studien vorfinden. Neben einer Imagebroschüre des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), dem künftigen Nutzer des Gebäudes, neben Bauplänen und Euro-Münzen steckte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) beispielsweise die LVZ vom selben Tag mit der Schlagzeile „Leipzig steht im Mega-Stau“ in den Behälter.

Der Mikrobiologe Andreas Schmid fügte eine Wasserstoff-Kapsel sowie eine kopierte Zeitungsseite von 1912 hinzu, auf der Wissenschaftler schon damals vor eine Temperaturerwärmung warnten, sollte es mit der Kohleverbrennung so weitergehen. Sein UFZ-Kollege Rolf Altenburger legte ein gegenwärtiges Forschungswerkzeug hinein: sogenannte Mikrotiterplatten, mit denen die Experten ohne Tierversuche die Auswirkungen von Chemikalien auf die Natur abschätzen können. Wenn alles nach Plan läuft, tun sie das in drei Jahren in ihren neuen Laboren.

So soll das neue Forschungshochhaus an der Torgauer Straße 2022 aussehen. Quelle: Architekturbüro hks Hestermann Rommel (Foto André Kempner)

Im Frühjahr 2022 soll der 38 Meter hohe „Forschungsneubau 7.3“ fertig sein. Die Idee dafür ist bereits mehr als fünf Jahre alt, seit vier Jahren ist der entsprechende Entwurf des Erfurter Architekturbüros „hks Hestermann Rommel“ abgesegnet. Doch immer wieder verzögerte sich der Baubeginn, verteuerten sich die prognostizierten Kosten. Nun sollen 34 Millionen Euro des Bundesforschungsministeriums, des sächsischen Wissenschaftsministeriums und des Wirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt ausreichen, um zehn Stockwerke mit 4600 Quadratmetern Nutzfläche für 170 Mitarbeiter zu errichten.

Zwei UFZ-Departments ziehen hier dann ein: Professor Altenburger leitet den Bereich „Chemikalien in der Umwelt“ mit rund 100 Beschäftigten. Professor Schmid erforscht mit etwa 70 Kollegen „Solare Materialien“. Um ein Projekt wie den ersten bemannten Flug zum Mond vor 50 Jahren handle es sich bei Letztgenanntem, betonte Georg Teutsch, wissenschaftlicher UFZ-Geschäftsführer, bei der Grundsteinlegung. Mittels künstlicher Photosynthese sollen Bakterien aus Sonnenlicht und Kohlendioxid Energieträger wie etwa Wasserstoff herstellen. „Die Elektromobilität ist schließlich nur eine Brückentechnologie“, erklärte Teutsch den geladenen Gästen.

„Wir von der Politik brauchen eine kluge Beratung“

„Das UFZ denkt langfristig und hat immer einen Plan B in der Schublade“, lobte Ministerialdirigent Wilfried Kraus vom Bundesforschungsministerium, der zugleich dem UFZ-Aufsichtsrat vorsitzt. „Wir von der Politik brauchen eine kluge Beratung“, sagte er. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) hatten am Dienstag kurz zuvor mit dem Thüringer Amtskollegen Wolfgang Tiefensee (SPD) eine Erklärung unterschrieben, um dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) die langfristige Finanzierung zu sichern. „Wir können nicht die jungen Leute von Fridays for Future zur Klimakonferenz einladen und dann nein zu iDiv oder zum UFZ sagen“, stellte Stange klar. Hier gehe es immerhin um „überlebensnotwendige Themen der Zukunft“. Willingmann fügte an: „Heute ist ein glücklicher Tag für die Wissenschaftslandschaft in Mitteldeutschland.“ Von einer „unglaublichen Aufwertung des Standorts“ sprach er.

iDiv: Finanzierung gesichert

„Wir haben Männer zum Lächeln gebracht, die sonst nicht viel zum Lachen haben“, sagte die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. Mit ihren Amtskollegen Armin Willingmann aus Sachsen-Anhalt und Wolfgang Tiefensee aus Thüringen unterzeichnete sie gestern eine Erklärung, dass die drei Bundesländer ab Oktober 2024 „maßgeblich“ das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) finanzieren. Die Förderung solle jährlich 12,5 Millionen Euro betragen, zusätzlich werde eine Beteiligung des Bundes angestrebt, hieß es. Seit der Gründung 2012 wird iDiv in erster Linie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) getragen. Momentan wird die dritte Förderrunde beantragt. Spätestens 2024 ist jedoch keine weitere DFG-Förderung möglich.

Ein Konsortium unter Leitung der Universitäten Leipzig, Halle-Wittenberg, Jena und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) steht bereits seit der Gründung hinter iDiv. Aus ihren Hochschulbudgets sollen die drei Unis ab 2024 jährlich 1,5 Millionen Euro abzweigen. Zusätzlich wollen die drei Landesregierungen ihnen jeweils zwei Millionen Euro zweckgebunden für iDiv überweisen. Das UFZ steuert weitere zwei Millionen Euro pro Jahr zu.

Für Leipzigs Oberbürgermeister Jung ist „der Grundstein nur einer von zwei Bestandteilen des Fundaments. Das andere Fundament sind die Menschen mit ihrer Forschung.“ Im September wolle man sich zusammensetzen, um zu beraten, „wie wir in Leipzig aus der Braunkohle aussteigen – wie wir zu einer umweltgerechteren Energieversorgung kommen. Dafür brauchen wir diese Forschung“, sagte er. Wer auch immer in ferner Zukunft die Zeitkapsel ausgräbt – der Fund soll den Historikern dereinst kein Rätsel aufgeben: Wenn sie das damals alles so genau wussten, warum haben sie nichts getan?

Von Mathias Wöbking

Siegfried Bülow – gebürtiger Chemnitzer und Initiator des Leipziger Standorts von Porsche – ist zum Honorarprofessor an der HTWK berufen worden.

08.07.2019

Beim Küssen wird mehr als nur Liebe ausgetauscht, verrät der Zahnmedizin-Experte des Leipziger Uniklinikums. Der Spezialist für Prothesen gibt außerdem einen Ausblick auf seine aktuelle Forschung.

06.07.2019

Wie sich die Antike anfühlt, wie sie klingt und wie sie riecht – das können Besucher des Antikenmuseums der Universität Leipzig neuerdings erleben. Lehrende und Studierende der Kunstpädagogik und der Archäologie haben die Dauerausstellung neu gestaltet.

18.07.2019