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Bildung Gesine Grande scheitert, Mark Mietzner neuer Rektor
Leipzig Bildung Gesine Grande scheitert, Mark Mietzner neuer Rektor
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10:32 17.06.2019
Bald neuer HTWK-Rektor: Mark Mietzner, 40. Quelle: Hans-Jürgen Heyer
Leipzig

Paukenschlag an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig: Die 27 Mitglieder des Erweiterten Senats haben am Mittwochnachmittag den Betriebswirt und Finanzfachmann Mark Mietzner zum neuen Rektor gewählt. Der 40-jährige gebürtige Münsterländer ist momentan an der privatwirtschaftlichen Zeppelin-Universität Friedrichshafen Dekan und kaufmännischer Leiter der Weiterbildungsprogramme, der „Zeppelin University Executive Education“. Sein Amt an der HTWK soll der Professor am 1. Oktober für zunächst fünf Jahre antreten. Die Details sind allerdings noch nicht geklärt. Knapp 6200 Studenten sind an der HTWK eingeschrieben. 642 Menschen arbeiten dort.

Seine erste Aufgabe sieht Mietzner nun darin, schon im Vorfeld mit möglichst vielen Mitarbeitern und Studenten ins Gespräch zu kommen. „Es ist eine große Ehre für mich, demnächst einer so dynamischen und tollen Institution vorzustehen“, sagt er. Er habe viele Ideen, bevor er jedoch damit an die Öffentlichkeit gehe, wolle er – noch vor Amtsantritt – die verschiedenen Fakultäten besuchen und vor Ort beratschlagen, was sich in welchem Umfang angehen und in welcher Zeitspanne verwirklichen lasse. „Ich will niemanden übergehen. Wenn ich dann aber richtig da bin, möchte ich auch nicht viel Zeit verlieren“, sagt er. Am Mittwochabend fuhr Mietzner zunächst mit dem Zug an den Bodensee zurück, wo ab Donnerstagvormittag Verpflichtungen auf ihn warten. „Während der Fahrt muss ich das Ergebnis erst einmal sacken lassen.“

„Auf einem sehr guten Weg“

„Die HTWK befindet sich auf einem sehr guten Weg“, betont Mietzner. „Darauf gilt es aufzubauen, um langfristig die beste Wirkung für die Hochschule, die Stadt, für die Region und ihre Unternehmen zu erreichen.“ Diesen „sehr guten Weg“ wäre freilich auch Amtsvorgängerin Gesine Grande gern weitergegangen. Die 54-jährige Professorin war gestern für eine Stellungnahme allerdings nicht zu erreichen. Der Wahlprozess war nicht öffentlich. Über die Stimmanteile gibt die HTWK keine Auskunft. Dritte Kandidatin war Brigitte Latzko, Prodekanin der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig.

Grande ist gescheitert, obwohl sie in der Professorenschaft als anerkannt gilt und gut mit der Landespolitik vernetzt ist. So wird die neue Fakultät „Digitale Transformation“, deren Gründung offiziell am 19. Juni erfolgt, maßgeblich ihrem Engagement zugeschrieben. Der Vertrag dazu zwischen HTWK, Freistaat Sachsen und Deutscher Telekom AG stammt vom November 2018. 126 Studenten sind bereits immatrikuliert, ihre Zahl soll sich schrittweise auf 500 erhöhen. Als Stifterin finanziert die Telekom 17 Professuren auf Lebenszeit. Auf der Kehrseite der Medaille steht zwar 2022 die Schließung der privaten Hochschule für Telekommunikation. Aber das ändert aus HTWK-Perspektive nichts daran, dass sich das eigene Angebot um ein zukunftsträchtiges Lehr- und Forschungsfeld erweitert – bei gesicherter Finanzierung und daher nicht zu Lasten anderer Studiengänge.

Punktsieg für Mietzner im hochschulinternen Wahlkampf

In den vergangenen Wochen hatte die HTWK-Pressestelle zahlreiche weitere positive Nachrichten verbreitet. Einen neuen Drittmittelrekord beispielsweise: Mit 12,1 Millionen Euro warben die Fakultäten 2018 beim Bund, der Europäischen Union, bei Wirtschaftsunternehmen und beim Freistaat Sachsen fast zwei Millionen Euro mehr als im Vorjahr ein. Darüber hinaus bescheinigten die Personaler von 650 Firmen der HTWK laut einem Ranking der „Wirtschaftswoche“ Bestnoten in der Ausbildung von Elektrotechnikern: Die Unternehmer wählten die Leipziger Bildungseinrichtung unter 120 staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften auf Platz 5.

Eine Umfrage des Hamburger Datenportals „Statista“ vom Mai ergab zudem, dass die HTWK zu den 20 „attraktivsten Arbeitgebern in Leipzig zählt. Allerdings heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass darin nicht alle ein Verdienst der abgewählten Rektorin sehen. Vor allem unter den Mitarbeitern im Mittelbau und in der Verwaltung sollen Grandes Entscheidungen mitunter auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. Das könnte entscheidend gewesen sein: Unter den 27 Mitgliedern des Erweiterten Senats entstammen immerhin sieben diesem Bereich. Zudem gehören 14 Professorinnen und Professoren sowie sechs Studierende dem Gremium an. Alle drei Kandidaten hatten sich ihnen am 22. Mai hochschulintern vorgestellt. Beobachtern zufolge soll dabei vor allem Mietzner gepunktet haben.

Eine gewisse Unberechenbarkeit gehört aber offensichtlich ohnehin zu einer Rektorwahl an der HTWK. 2011 hatte sich Renate Lieckfeldt überraschend gegen den damaligen Amtsinhaber Hubertus Milke durchgesetzt. Als 2014 Grande als Siegerin den Platz verließ, hatten zuvor viele den heutigen Forschungsprorektor Markus Krabbes für den Favoriten gehalten, der das Amt kommissarisch innegehabt hatte. Grande hatte damals nach zehn Jahren als Psychologie-Professorin an der HTWK kurz zuvor an die Uni Bremen gewechselt – und kehrte noch im selben Jahr in ihre Geburststadt Leipzig zurück, um Rektorin zu werden.

Anmerkung: In einer früheren Fassung war zu lesen, Mark Mietzner sei momentan Dekan und kaufmännischer Leiter der Zeppelin-Universität (ZU). Das war falsch. Mietzner ist vielmehr Dekan und kaufmännischer Leiter der Zeppelin University Executive Education, also der Weiterbildungsprogramme der Hochschule. Kaufmännischer Leiter der ZU und zugleich Kanzler ist Matthias Schmolz.

Von Mathias Wöbking

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