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Boulevard Leipzig für drei Stunden im Charles- und Camilla-Fieber
Leipzig Boulevard Leipzig für drei Stunden im Charles- und Camilla-Fieber
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21:40 08.05.2019
Prinz Charles und Herzogin Camilla tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Leipzig und das Gästebuch des Freistaates Sachsen ein. Behilflich sind ihnen OBM Burkhard Jung links) und Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts). Quelle: Ronny Hartmann
Leipzig

Drei royale Stunden schenkte Charles der Stadt Leipzig am Mittwoch – und am Ende waren alle happy. So wie Jürgen Ernst vom Mendelssohn-Haus: „Dass eine Motorradeskorte bei uns vorm Haus hält, das habe ich noch nie erlebt!“

20 Minuten lang führte er den britischen Thronfolger durchs Haus – ein reiner Privatbesuch auf dessen persönlichen Wunsch hin, ohne Medien. Besonders interessierte sich der vielseitig begabte Prinz, der Bücher schreibt, zaubert, reitet und auch malt, für die Aquarelle, die der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy selbst gemalt hat und die in dessen ehemaliger Wohnung in der ersten Etage zu bewundern sind.

Prinz Charles lässt sich von Jürgen Ernst im Mendelssohnhaus Aquarelle zeigen, die der Komponist Mendelssohn im Jahr 1847 selbst selbst gemalt hat. Quelle: Kirsten Nijhof

Dabei hatten Fans und Medien zu diesem Zeitpunkt geglaubt, der britische Thronfolger habe Leipzig bereits verlassen. Gegen 15.30 Uhr war er aus der Nikolaikirche, seiner letzten offiziellen Station, herausgekommen. Davor harrte schon die Motorradeskorte der Polizei aus, um seine Limousine aus der Stadt zu geleiten. Eine Hubschrauber-Besatzung überwachte das Geschehen am Boden die gesamte Zeit über von oben. Insgesamt 200 Polizisten sicherten den Besuch ab.

Viele Leipziger jubeln den Royals zu

Aber nicht nur viele Einsatzkräfte sondern auch viele Leipziger harrten in der Innenstadt aus und warteten geduldig auf den hohen Besuch. Wie er den Prinz denn ansprechen will, wenn er auf einmal vor ihm steht? „Na, ,His Royal Highness‘ oder ,Prince of Wales‘ – und Camilla ist die ,Lady of Cornwall‘.“ Torsten Wittich muss nicht lange über die korrekte Anrede nachdenken.

Royaler Empfang in Leipzig: Prinz Charles und Herzogin Camilla sind in Leipzig von tausenden Schaulustigen begrüßt worden. Auf dem Programm standen unter anderem ein Besuch in der Thomaskirche und im Alten Rathaus.

Genügend Zeit hätte er gehabt. Seit 11.30 Uhr, zwei Stunden vor der Ankunft des Prinzenpaares, stand er vor einem Absperrgitter vor dem Alten Rathaus. Anlocken wollte er den Thronfolger durch ein großes Buch: „Highgrove – Königliche Biogärten“. Auf dem Cover stützt sich der Prinz auf eine Schaufel, um ihn herum blüht der Lavendel.

Wittich hoffte auf ein Autogramm. „Prinz Charles ist ein Öko-Fan wie ich“, sagt er. Auch dem 33-jährigen Agrarwissenschaftler sei es ein Anliegen, seinen Garten bei Merseburg möglichst „naturnah“ zu gestalten. Mit Lavendel? „Nee, mit Wildkräutern.“

Der Student Christian Kleindienst hatte seine eigene Fahne mitgebracht, etwa zwei Armlängen ist sie breit. Mit seinen roten Haaren und dem zotteligen Bart erinnert Kleindienst an Prinz Harry, Charles’ Sohn.

„Im Freundeskreis wird mit der Ähnlichkeit ironisch gespielt“, sagt der Kulturwissenschaftler schmunzelnd. Er sei kein „Royalist“, finde es aber sympathisch, wie sich das Königshaus immer wieder symbolisch in die Politik einmischt.

Für Autogramme reichte die Zeit nicht – zu schnell war der hohe Besuch wieder vom Marktplatz verschwunden.

Mit Bürgerrechtlern in der Nikolaikirche

Beim Programmpunkt in der Nikolaikirche hatte der Prinz hingegen die Bürgerrechtler Uwe Schwabe, Regina Schild und Stephan Bickhardt einmal ganz für sich alleine und stellte ihnen viele Fragen zur Friedlichen Revolution 1989.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und ihre Gattinnen warteten draußen, alle mit einer weißen Rose in der Hand.

Camilla verabschiedet sich schon vor ihrem Mann Prinz Charles von Leipzig. Quelle: Christian Modla

Die legten sie später gemeinsam vor der Demokratiesäule auf dem Nikolaikirchhof ab. „Er ist unglaublich historisch interessiert und besonders beeindruckt vom Mut und Freiheitswillen der Bürgerrechtler“, berichtete OBM Jung.

Camilla hatte sich schon eine Viertelstunde eher abgesetzt, wurde allein nach Berlin zurückgebracht. Charles machte derweil noch einen Abstecher zum Wörlitzer Park, wo er einen Baum pflanzte.

Baum gepflanzt, Gesellschaft gegründet

Leipzig hatte für den royalen Besuch der Briten ganz schnell noch viele Dinge möglich gemacht. So wurde im Thomaskirchhof eine neue Linde gepflanzt – der Vorgängerbaum war im vergangenen Jahr aus Altersschwäche umgestürzt. Die Thomaskirche war die erste Station des Besuchs, dort lauschten Charles und Camilla den Thomanern.

Am Montag wurde fix noch die Deutsch-Britische Gesellschaft in Leipzig wiedergegründet. Deren Vorsitzende, Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann von der Freibeuter-Fraktion, wartete wie Tausende andere Fans seit dem Vormittag in der Menge vorm Alten Rathaus.

Schlauerweise hatte sie eine walisische Flagge zum Winken mitgebracht, auf die der Prinz von Wales prompt aufmerksam wurde. So konnte sie ihm kurz von der Vereinsgründung berichten.

JETZT LIVE! Die britischen Royals zu Gast in Leipzig mit dem Bad in der Menge.

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Mittwoch, 8. Mai 2019

Ebenfalls schnell noch auf den Weg gebracht wurde die deutsch-britische Jugendbegegnungsinitiative „UK German Connection“, die bislang noch keinen Ableger an der Pleiße hatte. Nun hat sie einen!

Karl Niehus (16) und Rekha Rao (18) vom Evangelischen Schulzentrum erfuhren vor anderthalb Wochen davon, dass sie bei diesem Projekt mitmachen können; zusammen mit Jugendlichen aus Berlin, Birmingham und London. Seit Montag saßen 28 junge Leute in Leipzig über Themen wie Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit und präsentierten die Ergebnisse dem Thronfolger-Paar.

Treffen mit „Camillas Girl“

Völlig aus dem Häuschen war die 28-jährige Bloggerin Tanja Herrmann aus der Nähe von Darmstadt. Sie ist großer Camilla-Fan, betreibt seit sechs Jahren den Blog „Camillas Girl“ und steht auch im persönlichen Kontakt mit der Herzogin von Cornwall. Im Alten Rathaus konnte sie Camilla treffen, mit ihr ein paar Worte wechseln und sich sogar mit ihr zusammen fotografieren lassen.

Ansonsten verliefen die Äußerungen der Herzogin eher auf Smalltalk-Niveau. „Leipzig ist eine sehr schöne Stadt“, sagte sie zu einem der Jugendlichen. Ein Mädchen wurde von ihr gefragt, was sie denn in der Stadt so macht. Dass Charles und Camilla sehr zugänglich waren, das brachte ihnen viele Sympathiepunkte ein.

Von Kerstin Decker/Maximilian König

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