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Boulevard Auf einen Kaffee mit... dem Schkeuditzer Flughafen-Pfarrer
Leipzig Boulevard Auf einen Kaffee mit... dem Schkeuditzer Flughafen-Pfarrer
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07:57 07.10.2019
Traudel Thalheim schenkt Paul Christian erstmal einen Kaffee ein. Quelle: André Kempner
Schkeuditz

Vielseitig, aktiv, umtriebig – leger gesagt: ein Hans Dampf in allen Gassen. Und das mit 82 Jahren, wie schafft man das? Paul Christian lacht. Ich solle mal die Kirche im Dorf lassen. Der Pfarrer aus Zwochau kam als Kind aus Schlesien, ging in Merseburg auch bei Lehrer Werner Heiduczek zur Schule, studierte in Erfurt Theologie, leitete 21 Jahre lang die Ausbildungsstätte für katholische Priester im Kloster Huysburg bei Halberstadt, war in Wittenberg als Pfarrer tätig. Sein Wahlspruch: Der Tod der Seelsorge ist, wenn man aufdringlich wird.

Raum der Stille bietet Nachdenkenswertes

Oft führt ihn sein Weg nach Schkeuditz. Das bischöfliche Amt der katholischen Kirche in Magdeburg übertrug ihm das Ehrenamt eines Flughafenpfarrers. Seither gibt es neben der ökumenischen Kapelle, in der Paul Christian nicht nur eine Kerze anzündet, auf der Mall des Airports zusätzlich einen Raum der Stille, der Einkehr, geschmückt mit Ausstellungen über Literatur, Kunst, Religion, über Lebensweisen. Anfang September eröffnete er seine 17. „Wasser wird wertvoller als Gold.“ Herrliche Fotos zeigen Idylle voller Leben. „Mein Credo aller Ausstellungen ist, zu zeigen, wie lebenswert unser Leben ist. Ich möchte Gedankenanstöße geben, Impulse vermitteln, die unseren Lebenshorizont vergrößern, unsere Ehrfurcht und Dankbarkeit stärken“, sagt der Kirchenmann. Und ist selbst voller Dankbarkeit für die lieben Worte, die kleinen Gemälde und Geschichten, die die Besucher in den verschiedensten Sprachen ins Gästebuch schreiben.

Lobende Worte im Gästebuch

Da ist zu lesen: „Wir sind zu früh hier, warten auf den Flieger, haben viel Zeit zum Nachdenken über das Thema Engel – gut gewählt für diesen Ort.“ – „Wir alle sind Engel, nur mit einem Flügel und wir können uns nur umarmen, wenn wir fliegen.“ – „Wir fliegen jetzt in den Urlaub, mögen uns die Engel auf ihren Schwingen davon tragen.“ Oder Dankesworte wie: „Ich habe am Ende geweint. Sehr schön, tolle Idee hier ein Kinderbuch auszustellen. Ich bin baff, hier auf die Geschichte vom ,Kleinen hässlichen Vogel’ zu treffen. Plötzlich wurden Kindheitserinnerungen geweckt.“ – „Schön, diese Begegnung hier mit dem Islam. Eine Lehrstunde. Vielen Dank, habe viel gelernt, mehr voneinander zu wissen, baut Ängste ab.“ – „Ich bin sehr dankbar an diesem Ort mehr zum Glauben erfahren zu haben. Wenn Menschen verschiedener Religionen friedlich und in Liebe zusammen unterwegs sind, haben Kriege keine Chance mehr.“

Zwochauer Gespräche seit mehr als 20 Jahren

Paul Christian legt den Stapel der Gästebücher beiseite, in dem wir beide blätterten. Sie finden Eingang in das Kirchenarchiv. Wir unterhalten uns über die Zwochauer Gespräche. Vor mehr als 20 Jahren rief Paul Christian diese Runde ins Leben. „Da treffen sich Leute verschiedener Weltanschauungen vom Intellektuellen bis zum Handwerker, um über das Miteinander zu reden, mitunter auch zu streiten, Gemeinsamkeiten zu suchen. Daraus sind Freundschaften entstanden“, erzählt der Pfarrer. Er fragt mich, ob ich wüsste, mit wem er das erste Zwochauer Gespräch eröffnete, wer da der Gastredner war. Ich verneine, er lächelt, meint das sei ja interessant und nennt seinen Freund, Schriftsteller Werner Heiduczek. Sorry, man kann ja auch mal was vergessen, redet sich die plaudernde Lebensgefährtin des Poeten heraus. Am kommenden 26. Oktober lautet das Thema „Mensch wer bist du – Suche nach der Identität.“ Wer interessiert ist: Die Tür steht offen im Begegnungszentrum in Zwochau, erzählt er – und lädt mich ein zum Wandern an den Zwochauer See, seine tägliche Fit-Halte-Strecke.

… dann wird von früher geredet

Dort schwärmt Paul Christian von seiner Zeit als Vikar in Sangerhausen. „Regelmäßig traf ich mich mit Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Wir sangen gemeinsam, unternahmen Ausflüge, hatten viel Spaß miteinander und das Besondere daran: Wir treffen uns noch Heute.“ Da wird von früher geredet, davon wie sie ein eigenes Gesangbuch entwickelten mit Volks-und Wanderliedern, das sie hüten wie einen Schatz. Und nicht selten passiert es, dass Paul sein Lieblingslied auf russisch anstimmt. „Abendglocken“ (vechering zvon). Früher begleitete er sich dazu mit der Gitarre. Heute machen die Finger nicht mehr mit. „Ich liebe die russischen Lieder, ihre Klangfarbe, die Romantik, mitunter den Schwermut.“ Überhaupt liegt ihm die russische Sprache, die er einst in der Schule lernte. Da ist er fein raus auf seinen Reisen ins Russische, ist sehr willkommen – zum Beispiel in Tscheljabinsk, einer katholischen Gemeinde, über die in diesen Tagen ein Buch erschienen ist. Herausgegeben von Dr. Paul Christian.

Weiter am Ball – auch mit 82 noch

Wir verlassen den See, schauen noch einmal auf die plätschernden Wellen, da sagt Paul – wir kennen uns ja schon eine Weile – ganz unvermittelt: „Ende des Jahres höre ich als Flughafenpfarrer auf.“ Schweigend wandern wir wieder ins Kaffeestübchen. „Ein bisschen kürzer treten, das tut mir schon gut“, fügt der Seelsorger an. Der sonntäglich, wie immer in den letzten Jahren, auf der Kanzel in der Zwochauer Kirche stehen, predigen, ab und an Zwochauer zu einem Nachmittag einladen wird, in dem schon der „Kleine hässliche Vogel“ flatterte, der „Singende Fisch“ von Heiduczek zu hören war oder „Der kleine Prinz“ von Saint Exupéry. Hin und wieder wird er weiter samstagabends in der Tauchaer Kirche junge Familien treffen, die Zwochauer Gespräche leiten, sich mit Ex-Superintendent Friedrich Magirius verabreden. Oder mit mir wieder mal einen Kaffee trinken.

In der Serie „Auf einen Kaffee mit“ sind bisher erschienen: Meigl Hoffmann, Alfonso de Toro, Dietger Niederwieser, Friedhelm Eberle, Katrin Hartund Friedrich-Wilhelm Mohr.

Von Traudel Thalheim

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