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Boulevard Die Frau mit den Goldenen Schlüsseln sagt niemals „Nein“
Leipzig Boulevard Die Frau mit den Goldenen Schlüsseln sagt niemals „Nein“
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14:46 09.10.2019
Sarah Schötter ist Empfangschefin im Hotel Fürstenhof in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Wort „Nein“ hat Sarah Schötter aus ihrem beruflichen Wortschatz verbannt. „Geht nicht“ – gibt’s nicht für eine(n) Concierge. Die 27-Jährige ist im Luxushotel Fürstenhof dafür da, immer alles für den Gast möglich zu machen. Die gekreuzten goldenen Schlüssel an ihrem Revers, Erkennungszeichen des weltweiten Netzwerks der Hotelportiers, weisen darauf hin.

Die goldenen Schlüssel sind das Zeichen der weltweiten Portiersvereinigung. Quelle: André Kempner

Sechs Jahre dauert es, bis man diese Insignien verliehen bekommt. Die Liemehnaerin ist das einzige aktive Mitglied der Vereinigung Goldene Schlüssel in Leipzig. Die Nordsächsin ist ein „Eigengewächs“ des Fürstenhofs. Nach dem Abi in Taucha hat sie am Tröndlinring Hotelfachfrau gelernt. Ein vierjähriger Abstecher führte sie auf die Insel Usedom, danach kehrte sie nach Leipzig zurück. Im Fürstenhof bekam sie die Ausbildung zur Concierge angeboten.

Von früh bis spät im Einsatz

Concierges sind oft ältere Herren, denn man braucht viel Lebenserfahrung und gute Ortskenntnis, um in diesem Job gut zu sein. Sarah Schötter gleicht das mit besonderem Fleiß aus: Ihr Arbeitstag als Empfangschefin an der Rezeption beginnt um sechs Uhr morgens. Trotzdem geht sie nach getaner Arbeit abends noch drei- bis viermal pro Woche zu Veranstaltungen, Konzerten, Eröffnungen oder zum Netzwerken, „um selbst zu erleben, was ich später dem Gast empfehlen kann.“ Ihr Lebensgefährte, der in der Versicherungsbranche selbstständig ist, begleitet sie dann meist.

Ein Rundflug für die Dame

Schaut man sich die Promiwand des Hauses an, weiß man, wer im Hotel so ein und aus geht: Udo Lindenberg, Helene Fischer, Andrea Berg, Florian Silbereisen, Altkanzler Gerhard Schröder mit Frau, Fritz und Paul Kalkbrenner. Diskretion ist eine der wichtigsten Tugenden für die Träger der goldenen Schlüssel. Deshalb nennt Sarah Schötter keine Namen. Nur soviel: Es war ein Stammgast, der eine Dame mit etwas Besonderem beeindrucken wollte, er dachte an eine Ballonfahrt. Aber schnell musste es gehen, nur zwei Stunden Zeit hatte Sarah Schötter. Doch unter Stress läuft die Powerfrau zur Höchstform auf. „Zum Ballonfahren war es zu stürmisch. Aber es klappte mit einem Hubschrauberrundflug über Leipzig. Mit Schampus, Picknickkoffer und Shuttle zum Schwarzen Berg. Und abends ging es ins Falco“, erzählt die Empfangschefin. Der Einsatz hat sich gelohnt, der Stammgast konnte das Herz Dame erobern. Und für die Frau hinterm Tresen war es wieder einmal die Bestätigung, dass sie ihren Traumjob ausübt: „Ich liebe es, mich um andere Menschen zu kümmern. Der größte Erfolg ist es, wenn Menschen mit meinen Empfehlungen glücklich sind.“

Hoteldirektor Ralf Dräger hält große Stücke auf seine Concierge Sarah Schötter im Hotel Fürstenhof. Quelle: André Kempner

Das Gesicht des Hauses

Bayern München spielt in Leipzig? „Organisieren Sie mir doch mal zwei VIP-Karten“, lautet zum Beispiel ein Gästewunsch. Als ob das so einfach wäre. Häufig wird nach Karten für die Spiele von RB Leipzig gefragt, nach Tickets für ein ausverkauftes Konzert in der Arena oder für ein Gewandhaus-Konzert mit Andris Nelsons. Mit ihrem Netzwerk gelingt es der Concierge in aller Regel, das Gewünschte zu beschaffen. „Sie ist die Beste, das Gesicht unseres Hauses, der erste Anlaufpunkt. Manchmal ist sie auch Arzt, Clown, Psychologe oder Krankenpflegerin. Sie prägt den Eindruck, den der Gast von unserem Haus mitnimmt“, lobt Hoteldirektor Ralf Dräger seine Concierge in den höchsten Tönen. Die bleibt auch dann ruhig und freundlich, wenn sie es mit einem anstrengenden Gast zu tun hat: „Wir kümmern uns um sein Anliegen, helfen ihm für ein paar Minuten zu entschleunigen. Und wenn der Ärger eben raus muss, sind wir auch dafür da.“ Zwölf Mitarbeiter arbeiten im Fürstenhof im Bereich Rezeption.

Zuletzt hatte es einige Turbulenzen gegeben. Nach dem Eigentümerwechsel Ende 2018 und dem Ausscheiden des Hauses aus dem Marriott-Treueprogramm haben etliche Stammgäste mal andere Hotels ausprobiert, auch Mitarbeiter sind gegangen. Umso mehr fühlt sich Sarah Schötter persönlich dafür verantwortlich, dass alle Wünsche der VIP-Gäste erfüllt werden, sei es laktosefreie Milch, Allergikerbettwäsche, ein bestimmter Blumenstrauß auf dem Zimmer, persönliche Grüße, Karten oder Pralinen.

Concierge des Jahres

Im November bekommt die Leipzigerin eine besondere Auszeichnung: Der Hotelwegweiser „Schlummer-Atlas“ verleiht ihr den Titel „Concierge des Jahres“, was sie überrascht und freut. Vor einem Jahr hat sie die „Leipziger Gästeflüsterer“ gegründet, einen Zusammenschluss von Mitarbeitern aus 30 Hotels und Touristikunternehmen, die vorrangig für die Erfüllung von Gästewünschen arbeiten. So muss nicht mehr jeder jedes Angebot persönlich testen, sondern man hilft sich gegenseitig mit Veranstaltungs-Empfehlungen.

Von Kerstin Decker

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