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Boulevard Erstmals „Austauschmusiker“ im Gewandhausorchester
Leipzig Boulevard Erstmals „Austauschmusiker“ im Gewandhausorchester
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14:01 08.05.2019
Kontrabassist Todd Seeber und Geigerin Catherine French von den Bostoner Sinfonikern spielen als erste „Austauschmusiker“ im Gewandhausorchester. Quelle:  
Leipzig

Schade – schon vorbei! „Die Zeit ist viel zu schnell vergangen“, finden Kontrabassist Todd Seeber und Geigerin Catherine French. Vor drei Monaten sind die beiden Musiker aus Boston (USA) nach Leipzig gekommen, um mit je einem Kollegen des Gewandhausorchesters ihren Platz zu tauschen. Am Sonntag fliegen sie in die Heimat zurück.

Austausch soll Struktur bekommen

Ein Musiker-Austausch zwischen zwei absoluten Welt-Spitzenorchestern findet wohl zum ersten Mal statt, nie vorher ist eine ähnliche Zusammenarbeit bekannt geworden. Möglich macht es Andris Nelsons, der als Chefdirigent sowohl den Bostoner Sinfonikern als auch dem Gewandhausorchester vorsteht. Nelsons will dem Austausch eine Struktur geben – denn normalerweise müssen Musiker es selbst organisieren, wenn sie ihre Erfahrungen erweitern wollen.

Andris Nelsons dirigiert während einer Probe das Gewandhausorchester. Quelle: dpa

Todd und Catherine kannten Leipzig und Deutschland von früheren Konzerttourneen. Deshalb bewarben sie sich und bekamen gleich in der ersten Runde den Zuschlag. Zum einen, weil es passende Austauschwillige in Leipzig gab, die ihre Plätze im Orchester einnehmen. Zum anderen, weil sie viele Dienstjahre vorweisen können: Der 54-jährige Todd spielt schon seit 31 Jahren bei den Bostoner Sinfonikern, die 49-jährige Catherine seit 25 Jahren.

Zu Fuß und per Fahrrad

Drei Monate ohne Auto, nur zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs – beide finden das eine großartige Erfahrung. Sie wohnen in Appartements über dem Krystallpalast-Varieté, einen Katzensprung von Gewandhaus, Oper und Thomaskirche entfernt. Dass ein Orchester drei verschiedene Spielstätten bedient, kennen sie aus Boston nicht. Beide wurden häufig zum Dienst in der Oper eingeteilt: „Ich habe den kompletten ,Ring’ gespielt, den Rosenkavalier, Don Carlos, Tosca... insgesamt bestimmt zehn Stücke“, erzählt Todd Seeber. Er liebt Opern, musste sich allerdings alle selbst aneignen. Denn wenn ein Stück im Spielplan steht, gibt es keine Proben mehr. In Boston wird nur ein-, zweimal im Jahr Oper gespielt, und dann auch nur konzertant. Konzerte im Gewandhaus hatte Todd natürlich auch. Und zum Abschluss seines Leipzig-Aufenthaltes ist er jetzt in der Thomaskirche eingeteilt.

Doppelt so großes Orchester

Bei Catherine war es ganz ähnlich. „Das Gewandhausorchester ist doppelt so groß wie unser Bostoner Orchester. Jeden Tag treffe ich Musiker, die ich noch nie gesehen habe“, lacht die Geigerin. Sie nutzte den Austausch, um an ihren freien Tagen zu reisen – bis Amsterdam, Oxford und Schweden. Todd hat Weimar, Dresden und die Sächsische Schweiz erkundet, mit Kollegen ausgedehnte Fahrradtouren unternommen, und auch seine Frau war für ein paar Tage da: „Leipzig ist so schön und historisch interessant, das wissen viele Amerikaner gar nicht.“ Beide verstehen ein bisschen Deutsch, haben die Sprache aber nie gelernt.

Den Sommer verbringen Catherine und Todd in Tanglewood, dem traditionellen Sommerdomizil der Bostoner Sinfoniker. Das bedeutet: Acht Wochen lang Festival, Konzerte, musikalische Weiterbildung und auch Kontaktpflege innerhalb des Orchesters. So ein „Sommerlager“ haben die Gewandhausmusiker nicht. Die setzen sich nach dem Konzert dafür eher mal in der Kantine zusammen.

Von Kerstin Decker

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