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Boulevard Filmflair im Nikolaikirchhof – Prominenz kommt im Trabi zum Premiere von „Fritzi“
Leipzig Boulevard Filmflair im Nikolaikirchhof – Prominenz kommt im Trabi zum Premiere von „Fritzi“
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09:13 08.10.2019
Nach überstandener Trabi-Fahrt: Winfried Glatzeder (Mitte) zwischen den Regisseuren Matthias Bruhn (links) und Ralf Kukula. Quelle: Leipzig report
Leipzig

Roter Teppich, Fotografen und Kameraleute. Prominente geben Interviews, Schaulustige zücken ihre Smartphones: Filmflair herrscht am Montagnachmittag vor der Nikolaikirche. Das Gotteshaus, das vor 30 Jahren im Zentrum der Wendeereignisse stand, ist Schauplatz einer Filmpremiere: Der 90-minütige Animationsfilm „Fritzi“, ein Herzensprojekt der Leipziger Filmfirma Weltkino feiert deutschlandweite Uraufführung. Dass dies just am 70. Gründungstag der DDR geschieht, ist wohl nur ein Zufall. „Es sollte ein Montag sein, und es sollte zur Zeit der Friedensgebete sein“, versichert Weltkino-Chef Michael Kölmel. Der berühmte Slogan aus dem Wendeherbst 1989 „Nikolaikirche offen für alle“ gilt eigentlich nicht, denn die Veranstaltung ist für geladene Gäste vorgesehen – wird aber trotzdem möglich gemacht.

Das war der Abend zum Filmstart in der Nikolaikirche.

Eine Zeit voller Sehnsucht

Fernsehmoderator Peter Escher und seine Frau Ulrike bleiben an einem Trabi stehen. In genau so einem papyrusfarbenen Modell sind die beiden im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen abgehauen, mit ihren Kindern. Auch „Brisant“-Moderatorin Kamilla Senjo ist bewegt von Erinnerungen: „Das war eine Zeit voller Sehnsucht. Sehnsucht nach Freiheit, aber auch nach dem Job, den man gerne machen wollte.“ Sie lebte damals schon in Leipzig, hatte aber noch einen russischen Pass und durfte damit nicht Journalistik studieren.

Ganz lässig im Trabi

Um 16.25 Uhr fährt ein himmelblauer Trabant vor. Daraus steigen Kika-Moderator und Popsänger Ben Blümel und die Weltkino-Geschäftsführer Michael Kölmel und Dietmar Güntsche. Ben Blümel (38) hat früher geglaubt, die Wende sei in Berlin passiert, und sich darüber sogar mit seinem Vater gestritten. Fünf Minuten später kommt der Trabi ein zweites Mal vorgefahren. Diesmal mit Schauspieler Winfried Glatzeder (74) auf dem Beifahrersitz, der im Film einen Stasi-Hauptmann spricht. Ganz lässig lässt der „Belmondo des Ostens“ sein rechtes Bein aus dem offenen Fenster hängen. Hinten sitzen die beiden Regisseure Ralf Kukula und Matthias Bruhn, ein „Ossi“ und ein „Wessi“, beide 1962 geboren. Der eine in Dresden, der andere in Bielefeld.

Glatzeder sollte IM Liebling werden

Winfried Glatzeder hat selbst Erfahrungen mit der Stasi: 1981 stelle er seinen Ausreiseantrag. Zehn Jahre vorher, 1971, sollte er als IM Liebling angeworben werden. „Da kamen zwei junge Stasi-Typen zu mir, die meine Sehnsucht ausnutzen wollten, berühmt zu werden. Sie sprachen von Verleumdungen, die gegen mich im Umlauf seien. Ich sollte ihnen eine Liste mit all meinen Freunden und Bekannten geben, damit man sehen könne, wer das war.“ Die Liste haben sie nicht bekommen. Sofort nach dem Gespräch ließ Glatzeder sich in der Theaterkantine ein Wasserglas voll Nordhäuser Doppelkorn einschenken. „Dadurch wurde ich lockerer. Ich ging von Tisch zu Tisch und habe es allen erzählt. So wurde ich aus Angst die Stasi los. Danach haben sie eine Akte gegen mich angelegt.“ Die hat er dann nach dem Mauerfall gelesen.

Großes Schüler-Interesse

Zwei Vorstellungen gibt es. Damit alle Zuschauer einigermaßen gut sehen können, wurden in der Kirche drei Leinwände eingezogen und pro Vorstellung nur reichlich 600 Leute eingelassen – darunter zahlreiche LVZ-Leser. Die zweite Premiere erlebt „Fritzi“ am Mittwoch in Berlin. Dann startet der Familienfilm bundesweit in rund 180 Kinos, darunter in sechs Leipziger Kinos. Allein zu den Spezial-Schulvorstellungen am Mittwochvormittag in Leipzig haben sich bereits knapp 3500 Schüler angemeldet.

Von Kerstin Decker

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