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Boulevard Lachen und Weinen mit den Leipziger Gesundheitsclowns
Leipzig Boulevard Lachen und Weinen mit den Leipziger Gesundheitsclowns
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12:03 22.07.2019
Angela Rechlin ist im Vorstand des Vereins Clowns & Clowns. Quelle: Kempner
Leipzig

Im Leipziger Matthäikirchhof ist mit den Paternostern auch die Zeit stehen geblieben. Dunkle, lange Flure, grüne Türen, an denen vergilbte Zettel kleben: Die ehemalige Stasi-Zentrale in der Innenstadt wirkt wie ausgestorben. Zum Glück schallt es im ersten Stock um die Ecke: „Suchen Sie einen Clown?“ Strahlend winkt mich Angela Rechlin heran.

Der Kontrast zwischen dem tristen Ambiente des Plattenbaus und dem leuchtenden Projekt, um das sich Rechlin in dem kleinen Raum kümmert, könnte kaum größer sein. Von hier aus koordiniert der Verein „Clowns & Clowns“ seine Einsätze: Sieben Clowns sind regelmäßig in Leipziger Altenheimen und Kinderkliniken unterwegs, um große und kleine Patienten zum Lachen, und manchmal auch zum Weinen zu bringen.

Ausbildung zum Bühnenclown

„Es geht darum, die Menschen abzuholen, egal auf welcher Ebene sie sich befinden – der Clown löst bei allen Menschen Emotionen aus.“ Seit mehr als zehn Jahren ist Angela Rechlin in dem 2006 gegründeten Verein Mitglied. Als Künstlerische Leiterin sitzt sie inzwischen im Vorstand. Die 50-Jährige schwärmt von ihren Einsätzen als „Gesundheitsclown“: „Es ist Wahnsinn, wenn die Augen auf einmal anfangen zu leuchten.“

Ihr Handwerk hat die gebürtige Lübeckerin an einem Theater in Hannover gelernt, wo sie eine Ausbildung zum „Bühnenclown“ absolvierte. Seit 2007 lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Leipzig. Bei einem Theater-Training lernt sie einen Schauspieler kennen, der sie zu den Gesundheitsclowns einlädt. Ein Jahr lang übt sie mit dem Team und hospitiert in Zivil, bevor sie selbst an Auftritten teilnimmt. Im Umgang mit den Patienten hilft ihr ihre jahrelange Erfahrung als Ergotherapeutin. „Neben dem Clownerie-Handwerk braucht es viel Sensibilität und Empathie. Ein guter Bühnenclown ist nicht gleich ein guter Gesundheitsclown.“

„Es ist immer ein kleines Stück Magie dabei“

Denn bei ihren Einsätzen geht es den Clowns nicht primär ums Quatsch machen. Sie singen, tanzen, hören zu – und können Menschen erreichen, die andere schon aufgegeben haben.

So wie die demente Mutter, die auf einmal anfängt mitzusingen und sich zu bewegen, wenn „Schuld war nur der Bossanova“ angestimmt wird; ihrem Sohn stehen anschließend die Tränen in den Augen. „Ich habe sie noch nie so tanzen sehen“, sagt er ergriffen. Oder der Patient, der mehrere Schlaganfälle verkraften musste und nach einer Rock-Session mit Liedern von den Rolling Stones ein einziges Wort raus bringt: „Schön.“ In der Tür sitzt die Mutter fassungslos in ihrem Rollstuhl: „Das ist mein Sohn, der spricht eigentlich nicht mehr.“

„Es ist immer ein kleines Stück Magie dabei“, sagt Rechlin über die Auftritte der Leipziger Clowns. „Unser Programm hängt von den Bedürfnissen der Menschen ab: Weinen, Dinge rauslassen oder Leichtigkeit reinbringen. Manchmal genügt es, eine Hand zu halten. Schmerz darf da sein.“ Das Einsatzgebiet beschränkt sich dabei nicht nur auf einzelne Patienten-Zimmer. „Wir spielen dort, wo wir die Menschen treffen: Das kann auch im Flur oder im Aufenthaltsraum sein. Wir versuchen die gesamte Atmosphäre zu beeinflussen und für alle da zu sein, auch für das Personal.“

Viel ehrenamtliche Arbeit

Meist bekommt der Verein Anfragen von Kliniken und Heimen; manchmal gehen die Clowns auch auf Einrichtungen zu und fragen, ob Interesse an einem Engagement besteht. „Clowns & Clowns“ wird vor allem durch Spenden finanziert – die Auftraggeber zahlen zudem einen finanziellen Beitrag, die Kosten für die Arbeit des Vereins können dadurch aber kaum gedeckt werden. Die Honorare entsprechen keinem marktüblichen Künstlerhonorar, das alle Clowns aufgrund ihrer professionellen Ausbildung einfordern könnten. „Das Training, die Fortbildungen und unsere Einsätze bei offiziellen Anlässen machen wir alle ehrenamtlich“, sagt Rechlin.

Die Gohliserin steckt voller Energie. Wenn sie von ihren Einsätzen erzählt, fliegt meist eine ihrer Hände in der Luft herum, oft springt sie auf und stellt Szenen nach. „Ich musste lernen, meine Energie und mein Tempo bei den Einsätzen als Gesundheitsclown runterzufahren“, sagt sie über sich. Und noch etwas hat sie gelernt: „Ich habe durch die Besuche innere Grenzen überschritten, zum Beispiel eigene Ängste in Bezug auf den Tod wahrzunehmen. Es gibt dann regelmäßig ,Schluck-Momente’.“

Wie neulich in einem Altenheim, als sie merkt, dass einer ihrer Lieblingsbewohner gestorben ist. Auf einem Bild ist der Verstorbene zu sehen, wie er Rechlin in den Arm nimmt. Eine Erkenntnis aus ihrer Arbeitet lautet: „Am Ende des Lebens ist es wichtig, seinen inneren Frieden zu machen.“ Ihr Lieblingsbeispiel ist ein Feuerwehrmann, der kurz vor seinem Tod voller Glück auf sein Leben blickte. „Für mich ist es ein Riesenwunsch, am Ende meines Lebens mal so zufrieden zu sein.“

Von Maximilian König

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