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Leserbriefe LVZ-Leser schreiben zu Juwelenraub, Klimawandel und dem neuem Jahrzehnt
Leipzig Leserbriefe LVZ-Leser schreiben zu Juwelenraub, Klimawandel und dem neuem Jahrzehnt
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19:57 21.01.2020
Karikatur von Klaus Stuttmann. Quelle: Klaus Stuttmann
Leipzig

Zahlreiche Leserbriefe haben die Leipziger Volkszeitung zu verschiedenen Themen erreicht. Erneut veröffentlichen wir eine Auswahl davon.

Spalterische Ignoranz ist unerträglich

Zum Artikel „Die Geburt eines Jahrzehnts“ (21. Dezember): Imre Grimm philosophiert am Vorabend der neuen „20er“ über den Zeitgeist von Jahrzehnten: die 60er, die 70er, die 80er als „Derivate einer eigenen Erinnerung“. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen. Für Grimm sind die 60er „Vietnam, Jugendprotest, Rock, Woodstock, Freiheit, Sex und VW-Busse voller Hippies“. Für den Ostdeutschen sind sie wohl eher Mauerbau, Prager Frühling, Christa Wolfs „Geteilter Himmel“, 11. Plenum oder der erste olympische Medaillensegen in Mexico City.

Die 70er sind für Grimm deutscher Herbst 1977, Rudi Carell und Bonanzaräder, die 80er das „egozentrische Föhnwellenjahrzehnt, Wallstreet-Karrierismus und kalter Krieg mit Happy End“. Waren für die Ostdeutschen die 70er nicht primär Schlussakte von Helsinki, „Paul und Paula“ oder Biermann-Ausbürgerung, die 80er Gorbatschow, Perestroika und der 9. Oktober ’89 in Leipzig?

Ein geteiltes Land produziert halt geteilte Erinnerungen. So weit, so gut. Amerikaner haben auch andere Erinnerungen als die Russen. Entsteht aber nicht eine Schieflage, wenn in einem geeinten Land die einen Erinnerungen ausgebreitet, die anderen jedoch eingetütet werden? Ein Land, das die Hälfte seiner Erinnerungen verliert, ist arm dran. Wenn Imre Grimm Jahrgang 1937 wäre, könnte man ihm das nachsehen. Er hat halt die 60er im Westen erlebt. Grimm ist aber Jahrgang 1973. Er war zur Wende 16 Jahre alt, hat in den 90er-Jahren studiert und kennt die 60er nur aus der „erzählten Erinnerung“. Und das ist das Problem. Diese spalterische Ignoranz ist nicht peinlich, sie ist unerträglich. (Wolfgang Kleinwächter, 04158 Leipzig)

Sicherheit auf leichte Schulter genommen

Zum Juwelenraub in Dresden: Der Juwelenraub ist ja nun durch die angeblichen Angebote der Räuber wieder in die Medien gekommen. Bundesweit wird inzwischen das Grüne Gewölbe scherzhafterweise mit „McDrive“ verglichen, nur dass Diamanten statt des Hamburgers herausgereicht werden.

Aber neben all dem sollte nie vergessen werden, dass die Sicherheit des Grünen Gewölbes in eklatanter Weise vernachlässigt wurde: Fenstergitter aus einfachem Schmiedeeisen ohne einem zweiten Gitter aus hochfestem Stahl dahinter. Wahrscheinlich keine Kamera, die bereits signalisiert, wenn sich jemand an der Außenfassade zu schaffen macht. Fenster, die in Nullkommanichts aufgehebelt werden können. Hoffnungslos veraltete Kameras im Inneren. Ein Alarm, der bei einem privaten Wachdienst herauskommt und nicht parallel dazu bei der Polizei. Was private Wachdienste wert sind, hat man gesehen, als seinerzeit der Fuhrpark der Heeresoberschule abgefackelt worden ist. Und schließlich Vitrinen aus Sicherheitsglas, welches keins ist, und man muss befürchten, dass die anderen Vitrinen des Grünen Gewölbes aus ebensolchem minderwertigen Glas bestehen.

Anscheinend ist der Leiterin der Staatlichen Kunstsammlungen sowie dem Leiter des Grünen Gewölbes nicht bewusst, dass dieses Museum hinsichtlich seines materiellen Wertes weltweit wahrscheinlich nur noch von der Moskauer Rüstkammer übertroffen wird. Man hat den Eindruck, dass beide die Sicherheit des Grünen Gewölbes auf die leichte Schulter nahmen. Sie sollten beide ihren Hut nehmen. (Walter Schaffer, per E-Mail)

Versorgungssicherheit nicht gewährleistet

Zum Leitartikel „Woher kommt der Strom?“ (15. Januar): Der Leitartikel von Andreas Niesmann trifft genau das Problem. Man spricht nur über den Kohleausstieg und über Gelder, mit denen man neue Arbeitsplätze schaffen und die Infrastruktur verbessern will. Woher der Strom kommen soll, wenn 48 Prozent der herkömmlich erzeugten Energie wegfällt, plant niemand. Der Raum für Windräder ist erschöpft, weiterer Ausbau würde die Gesundheit der Menschen und Tiere unzumutbar gefährden und die Landschaften zerstören. Es scheinen sich hier keine Fachleute und Ökonomen durchzusetzen, nur die Ökopolitiker mit dem grünen Sozialismus haben das Sagen. Man gibt dann jedem eine Taschenlampe, da hat jeder Strom. Ohne Kraftwerke geht es nicht, die Versorgungssicherheit wäre nicht gewährleistet, und Michael Kretschmer hat recht, zusätzlich Atomkraftwerke neuer Bauart anzustreben. Die enormen Kosten dürfen nicht weiterhin auf das Volk abgewälzt werden! (Wolfgang Wiesner, 04821 Brandis)

Atomfrage nie wieder diskutieren

Zum Beitrag „Atomfrage immer wieder diskutieren“ (16. Januar): Ich bin enttäuscht vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der die Atomfrage immer wieder diskutieren will! Er hat sich offensichtlich mit der Frage der Atomenergie nicht ausreichend beschäftigt. Allein die CO2-Emissionen zu betrachten, ist sehr einseitig! Nicht nur der Betrieb der AKWs ist ein Risiko. Auch die Entsorgung der Kraftwerke nach Ende der Laufzeit verschlingt Milliarden, die dem Steuerzahler und der nachfolgenden Generation auferlegt werden. Herr Kretschmer sollte sich vor der eigenen Haustür schlau machen, was allein der Rückbau des Forschungsreaktors Rossendorf/Dresden gekostet hat und wie die Umwelt durch die Atommüllbeseitigung respektive -lagerung belastet wird. Pro AKW-Rückbau 15 Jahre Rückbauzeit und circa eine Milliarde Euro Kosten – das ist doch Wahnsinn und Verschwendung von Ressourcen.

Energiewende ist nicht nur emissionsfreie Stromgewinnung, sondern auch verstärkte Energieeinsparung. Letzteres gibt noch genügend Potenzial her! (Jörg Haubenreißer, 04249 Leipzig)

Feuerwerk der Turnkunst enttäuscht

Zum Artikel „Feuerwerk der Turnkunst“ (8. Januar): Wir sind Stammgäste beim Feuerwerk der Turnkunst und jedes Jahr in der Arena Leipzig dabei. Dieses Mal waren wir enttäuscht! Auf keinen Fall von den einzelnen Artisten und Turnern, sondern von den Gegebenheiten der Location und den Abläufen. Eigentlich war es immer üblich, dass eine Begrüßung des Präsidenten des Sächsischen Turn-Verbandes (STV) nach der Regionalgruppe gehalten wurde. Warum das ausgerechnet zum 30. Jahrestag der Gründung des STV nicht gemacht wurde, ist uns ein Rätsel. Gibt es da nichts zu feiern? Im Foyer der Arena ist man ja immer wieder daran erinnert worden. Das größte Problem war aber die kleine Aktionsfläche in der Arena, auf der sich das gesamte Programm abgespielt hat. Wir hatten Plätze im Block 16 – an der Stirnseite der Halle – und haben das Programm nur mühsam verfolgen können. Die Aktionsfläche war nicht einmal mittig in der Arena, sondern für uns am weitesten weg. Bei den Programmen in den Vorjahren wusste man nicht, wo man überall gleichzeitig hingucken sollte, überall spielte sich was ab. Dieses Mal war alles eng begrenzt. (Ralf Boskugel, per E-Mail)

Zusammenhalt der beiden Ostvereine

Zur Fußball-Bundesligapartie RB Leipzig gegen Union Berlin: Es ist ausgesprochen unverständlich, wie es dazu kommen konnte, dass die Fans von Union für das Spiel gegen RB Leipzig eine Viertelstunde eine Blockade planen. Einen Zusammenhalt der beiden Ostvereine stellt man sich anders vor. Der schnelle Aufstieg von der Gründung des Vereins bis in die erste Bundesliga ist bewundernswert – und natürlich gehören dazu auch die richtigen Sponsoren. Neid und Missgunst dürfen sich im Fußball nicht breitmachen, und der Verband sollte den Verein bestrafen, indem ein bis zwei Heimspiele auf fremdem Platz absolviert werden müssen. Natürlich wird sich RB durch solche Machenschaften nicht beeinflussen lassen und die richtige Antwort im Spiel geben. Wer denkt, so den Ausgang des Spiels für seinen Verein zu begünstigen, muss davon ausgehen, dass es gerade umgekehrt der Fall sein kann. (Wolfgang Teske, 04299 Leipzig)

Leipziger sollte Glaskugel befragen

Zum Artikel „Haaland & Kohle, Rangnick & Ibra, 11Freunde & Ende“ (2. Januar): Die kleine Unterschrift lautete „Wie läuft die Rückrunde der Fußball-Saison?“ War die Glaskugel ein RB-Werbegeschenk oder gibt es keinen Fußball außerhalb RB in der Region? Dies ist das erste Mal, dass alles Interessante in und um Leipzig weggelassen wurde: Steigt Lok auf? Hält Chemie die Klasse? Legt Inter den Grundstein zum neuen Stadion? Hält Markkleeberg die Klasse? Steigt Markranstädt auf? Interessiert dies Ihre Leser nicht mehr? Und Platz wäre gewesen, wenn man die drei Bilder weggelassen hätte. Und #GABFAF wäre nicht nur ein Lippenbekenntnis. Vielleicht schreibt mal ein Leipziger den Blick in die Glaskugel 2021. (Gerd Lindner, 04416 Markkleeberg)

Anmerkung der Redaktion: Unser Autor Guido Schäfer ist Leipziger mit Leidenschaft.

Kritik an Rezension zum Gregorian-Konzert

Zum Artikel „Akustischer Höllenparcours“ (11. Januar): Ich gehörte am 9. Januar zu den circa 1500 „überraschend Begeisterungsfähigen“, die zum Gregorian-Konzert in der Arena waren und ich fand die Kritik dazu sehr anmaßend und überheblich. Das geht schon bei obigem Ausdruck los: Wieso sind Besucher, die sich Karten für eine – welcher Art auch immer gearteten – Veranstaltung kaufen, „überraschend begeisterungsfähig“? Wenn mich die Veranstaltung nicht interessiert, gehe ich nicht hin. Wenn sie mich interessiert, besteht auch die wenig überraschende Möglichkeit, dass ich „begeistert“ bin. Ich muss ja nicht von Berufs wegen hin wie Ihr Musikkritiker…

Nun wissen alle einigermaßen Musikinteressierten aus Leipzig und Umgebung, dass die Arena nicht unbedingt ein akustischer Reinst-Raum ist. Das liegt aber im Charakter dieser Halle begründet, nicht an den handelnden Akteuren. In einem Veranstaltungsort, wo vom Bundesliga-Handball über Volksmusik, vom Wrestling-Kampf bis zum Rockkonzert alles stattfindet, was sich der moderne Mensch zur Unterhaltung erdacht hat, höre ich nun mal keine Stecknadel fallen, gehen Höhen in der Tiefe des Raumes verloren und manchmal erwischt man sogar einen Platz, wo alle Miseren auf einmal vorkommen.

Dort dann eine Rezession zu verfassen, nach deren Lesen man als Besucher des Konzertes das Gefühl hat, dass man sich für den Besuch und noch mehr für die Begeisterung regelrecht schämen müsste, halte ich schlicht und einfach für verfehlt. (Mirko Riedel, 04279 Leipzig)

Dank an die Musikalische Komödie

Zum Artikel „Revolution und Liebe zwischen Wien und Hollywood“ (13. Januar): Leipzig versteht sich zu Recht als Musikstadt. Zum einen durch die enorme Vielfalt des Angebotes, zum anderen durch die Pflege des künstlerischen Schaffens. Die Musikalische Komödie hat sich in der zurückliegenden Zeit der Pflege ihres Markenkerns verschrieben und dabei Beachtliches ans Tageslicht befördert. Es begann mit „Prinzessin Nofretete“ und endete am zurückliegenden Wochenende mit der konzertanten Aufführung von Sigmund Rombergs 1928 entstandener Operette „The New Moon“ – in der deutschen Fassung „Neumond“.

Wer ist Sigmund Romberg? Liest man seine Vita, erkennt man schnell, dass er keine unbedeutende Persönlichkeit des Musiktheaterbusiness seiner Zeit ist. Als Liebhaber des Musiktheaters genießen es meine Frau und ich, derartige bisher unbekannte Werke erleben zu dürfen – zumal wenn es sich hierbei um ein musikalisches Feuerwerk handelt.

Die Theaterverantwortlichen müssen sich dabei jedes Mal die Frage gefallen lassen, ob es derartiger „Ausgrabungen“ bedarf. Unsere Meinung ist ja. Zeigt es doch immer wieder, welch unentdeckte Schätze in den Archiven lagern. Sie bereichern das Repertoire ungemein und verdeutlichen, dass sein Umfang deutlich größer ist als das, was allgemein landauf, landab auf dem Spielplan steht. Dank an die Musikalische Komödie, dass wir diesen Abend erleben durften. (Ingeborg Wendler und Stephan Mücke, 04229 Leipzig)

Amerikanisches Völkerrecht

Zum Konflikt USAIran: Wenn es noch eines weiteren Beweises für gesetzloses, völkerrechtswidriges Handel der USA bedurfte, so war es die hinterhältige Ermordung des iranischen Generals Soleimani. Der Drohnenmord mit zahlreichen zivilen Opfern ist wohl auch eine Art zur Durchsetzung des „amerikanischen Völkerrechts“. Wo leben wir eigentlich? In einer „freiheitlichen, heilen Welt“, in der Amerika und seine Vasallen alle Schurkereien begehen können! Unsere „freien und objektiven“ Medien „empören“ sich, aber geben die angeblichen Vergehen des Getöteten zu bedenken. Diese „Vergehen“ sind Folgen der amerikanischen Aggressionspolitik. Sie bestehen in der Hilfe für die von der „freien Welt“ überfallenen Staaten. Die Toten sind Opfer amerikanischer Aggressionspolitik. (Dieter Huber, 04720 Gadewitz)

Vorfahrt für ÖPNV und Bahnverkehr

Zum Thema Verkehrswende: Wer über Verkehrswende redet, sollte auch im realen Leben den ÖPNV und Bahnverkehr nicht blockieren oder auch unattraktiv machen. Die StVO muss endlich so geändert werden, dass Busse und Straßenbahnen innerhalb von Kommunen die Vorfahrt gegenüber dem Kfz haben, das aber auch Erweiterungsprojekte von Straßenbahnen nicht durch oft übertriebene Lärmschutzklagen behindert werden. Weiterhin sollten alle Personen sowie Kfz-Nutzer, die den ÖPNV und Bahnverkehr durch unerlaubten Aufenthalt in Gleisanlagen oder Bahnübergängen behindern oder blockieren, viel stärker in Haftung genommen werden als bisher. (Ralf Kuke, 99097 Erfurt)

Gegen den Willen der Wähler

Zum Interview „Atomfrage immer wieder diskutieren“ mit Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (16. Januar): Im Artikel ist zu lesen: „Diese Offenheit und das Bewusstsein für die Fehlbarkeit von Entscheidungen unterscheidet uns von den Grünen, die ihre Überzeugungen zum Maß aller Dinge machen und mit einer großen Selbstgewissheit durchsetzen wollen.“ Wenn er weiß, dass die Grünen so und nicht anders ticken, warum nimmt er sie dann in sein Kabinett? Warum dürfen sie dann ganz selbstverständlich mitregieren und zwar mit ganzen 8,6 Prozent der Stimmen gegen den ausdrücklichen Willen der sächsischen Wähler? (Karin Keil, 04158 Leipzig)

Berichterstattung hysterisch überdreht

Zur Meldung „,Klimahysterie‘ ist ,Unwort des Jahres‘“ (15. Januar): Wie zu erwarten, hat die Jury auch für 2019 ein politisch korrektes Urteil gefällt. Wenn aber ein deutscher Nachrichtensender die Ankunft von Greta Thunberg in New York stundenlang zelebriert, als hätte gerade Kolumbus Amerika entdeckt, ist das nicht hysterisch überdreht? Auch wenn „Fridays for Future“-Mitorganisatorin Luisa Neubauer sich binnen kürzester Zeit zur Ober-Aktivistin emportwittert und in keiner einschlägigen Talkshow fehlt, hat das hysterische Züge. Ebenso wie die Einladung des Siemens-Chefs an die Umweltfrau in den Aufsichtsrat. Das geht neuerdings offenbar ohne Berufsabschluss. Klimahysterie – ein Unwort? Von wegen! (Raymond Wänke, 04288 Leipzig)

Von LVZ

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