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Leserbriefe Neuer Name für die Arndtstraße – so reagieren LVZ-Leser
Leipzig Leserbriefe Neuer Name für die Arndtstraße – so reagieren LVZ-Leser
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10:12 18.02.2020
Kleine Straße, große Wirkung: Der Name Arndtstraße erhitzt die Gemüter – selbst über Leipzig hinaus. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Zu den Beiträgen „Arndtstraße wird umbenannt – Grund sind rassistische Äußerungen des Schriftstellers / Neuer Name: Hannah-Arendt-Straße“ und „Gegen die Umbenennung der Arndtstraße formiert sich Widerstand / Online-Petition gestartet“ haben uns viele Zuschriften erreicht. Hier eine Auswahl.

Es gibt wohl keine wichtigeren Themen?

Ich bin in der Arndtstraße geboren, ab 1940 in die 3. Grundschule in der Arndtstraße 54–60 gegangen. Leider wurde diese Schule, wie viele andere Gebäude auch, beim Großangriff auf Leipzig am 3./4. Dezember 1943 total zerstört. Lange Jahre hat es gedauert, ehe der Trümmerberg, der einmal meine Schule war, verschwand. Auf dem ehemaligen Schulgelände entstand später ein Wohnblock (Genossenschaft Reichsbahn). Nach dessen Fertigstellung im Jahr 1958 bezogen wir überglücklich unsere Neubauwohnung, in der ich heute noch lebe. Die vielen geleisteten Aufbaustunden in der Genossenschaft haben sich gelohnt. Die Damen und Herren Stadträte frage ich, ob sie keine wichtigeren Themen im Kopf haben, als die Arndtstraße umzubenennen, die seit 150 Jahren diesen Namen trägt? Ich bin gegen diese Umbenennung. Rita Fiedler, 04275 Leipzig

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Das sollten Stadträte den Menschen zutrauen

Ich protestiere gegen die Umbenennung der Arndtstraße. Ernst Moritz Arndt ist als Dichter und Freiheitskämpfer gegen die französische Fremdherrschaft während der Völkerschlacht bei Leipzig bekannt. Die Arndtstraße ist in einem Straßenkomplex gelegen, der weitere Freiheitskämpfer der Völkerschlacht ehrt. Andt war laut Wikipedia ein nationalistischer, demokratischer Schriftsteller, Historiker und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Seine Äußerungen zum Judentum sind aus der Zeit heraus und mit unserem heutigen demokratischen Verständnis zu bewerten. Und das sollten die Stadträte den Menschen von heute zutrauen. Sigrid Richter, per E-Mail

Karsten Albrecht hat recht

Da will wohl jemand seine Daseinsberechtigung nachweisen. Stadtrat Karsten Albrecht von der CDU hat recht, wenn er die Frage stellt, ob mit jeder Neuzusammensetzung des Rates die Geschichte neu zu bewerten sei. Müssten dann nicht auch Namen wie Scharnhorststraße und so weiter geändert werden? Dieter Lindig, 04425 Taucha

In der Schule galt er als respektables Vorbild

Ernst Moritz Arndt war ein Schriftsteller, der mit seinen patriotischen Schriften den Befreiungskampf gegen die napoleonischen Besatzer unterstützte. Später, nachdem der Wiener Kongress die deutsche Kleinstaaterei zementierte, trat er mutig für die Einheit Deutschlands ein, was ihn für 20 Jahre seine Professur kostete. Mir wurde er in der Schule neben Scharnhorst, Gneisenau, Fichte und anderen als respektables Vorbild vermittelt. Umso unverständlicher erscheint es, dass politische Gremien wie die Ratsversammlung der Stadt Leipzig bei den Forderungen eifernder Wichtigtuer, vaterlandsloser Gesellen und Polittrophäenjäger einknicken und den damals zeitgemäß verständlichen Inhalt seiner Schriften auf die aktuellen politischen Verhältnisse und Beziehungen projiziert sehen wollen. Bei unseren europäischen Nachbarn Frankreich und Polen mit ihrem nationalen Selbstbewusstsein wäre ein solcher Verrat an ihren historischen Helden undenkbar. Die Causa Arndt ist kein Einzelfall in Zeiten von „political correctness“. Sie bewirkt, dass liberale Bürger in die Arme der AfD getrieben werden. Der Vorschlag von Stadtrat Thomas Kumbernuß nach Würdigung der Historikerin Hannah Arendt könnte wohl auch in einer Straße in den geplanten neuen Stadtvierteln real werden. Roland Brückner, 04288 Leipzig

„Kleingeist“ begreift „großen Geist“ nicht

Es ist interessant zu erfahren, wessen Geistes Kind die 31 Mitglieder des Leipziger Stadtrates sind, die für die Umbenennung der Arndtstraße gestimmt haben. Kennen diese Leute denn überhaupt Ernst Moritz Arndt, das Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, den großen demokratischen Schriftsteller und Historiker, einen der bedeutendsten Freiheitskämpfer gegen die Napoleonische Fremdherrschaft? Wahrscheinlich nicht. Oder sie sind so kleingeistig, dass sie große Persönlichkeiten der deutschen Geschichte schon gar nicht mehr begreifen? Bei Wikipedia steht geschrieben: „Inwieweit seine Äußerungen zum Judentum als antisemitisch zu bewerten sind, ist umstritten.“ Wenn man dann noch erfahren darf, dass in München eine „Expertenkommission“ Namen von Straßen und Plätzen infrage stellt, die nach Christoph Kolumbus, Gustav Stresemann, Robert Koch, Otto von Bismarck, Erich Kästner, Arthur Schopenhauer, Heinrich Schliemann etc. benannt sind, muss man sich zweifellos die Frage nach der geistigen Zurechnungsfähigkeit solcher Leute stellen. Es ist bekannt, dass der „Kleingeist“ den „großen Geist“ nicht begreift. Dass einige Leute, die eine Stadt oder ein Land regieren wollen, bereits ein Niveau erreicht haben, dass sie gar nichts mehr begreifen, ist höchst bedauerlich und jetzt schon gefährlich. Dr. med. Lothar Markus, per E-Mail

Man könnte die Reihe unendlich fortsetzen

Richard Wagner, der im Jahr 1813 in Leipzig am Brühl geboren wurde, war nicht nur ein begnadeter Musiker, er war auch ein glühender Antisemit. Neben Wagner war Ernst Moritz Arndt ein Waisenknabe. Wagner tat sich nämlich 1850 mit dem Aufsatz „Das Judentum und die Musik“ hervor. Dass dies nicht nur eine kurze geistige Verwirrung war, wird dadurch belegt, dass er 19 Jahre später eine überarbeitete und verschärfte Version des Textes herausbrachte, die Sätze enthielt wie diesen: „Hören wir einen Juden sprechen, so verletzt uns unbewusst aller Mangel rein menschlichen Ausdrucks in seiner Rede.“ Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität hat bereits 2018 ihren Namen verloren und firmiert seither unter „Universität Greifswald“. Während der Vorsitzende der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft, Karl-Ewald Tietz, damals davor warnte, Arndt aus dem Kontext seiner Zeit herauszulösen, artikulierte der Potsdamer Historiker Jörg Echternkamp, genau wie Thomas Kumbernuß und Bert Sander, es gehe nicht um „Arndt in seiner Zeit“, sondern um „Arndt in unserer Zeit“. Damit hatte sich das platteste aller Argumente durchgesetzt, denn der Ansatz von Echternkamp folgt keiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise, sondern ist von zutiefst postfaktischer Natur. Und was heißt das nun für Wagner? Konsequenterweise müsste der Stadtrat die Werke des Meisters auf den Index setzen, das Wagner-Denkmal schleifen, die Bronzeplakette an seinem Geburtshaus demontieren und die Richard-Wagner-Straße umbenennen. Vielleicht in Richard-Strauss-Straße? Das geht leider auch nicht, denn Richard Strauss war zur Zeit des Nationalsozialismus Präsident der Reichsmusikkammer. Außerdem widmete er dem Generalgouverneur des besetzten Polen, Hans Frank, aus Dankbarkeit einen Kanon. Der hatte die Strauss’sche Villa vor der Einquartierung von Flüchtlingen bewahrt. Hans Frank war einer der finstersten Spießgesellen Adolf Hitlers und wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet. Und noch ein letztes Beispiel: Karl Marx, gottgleicher Apologet der Linken und selbst jüdischer Herkunft, beschimpfte Ferdinand Lassalle als „Jüdel“ und „jüdischen Nigger“. Man könnte die Reihe unendlich fortsetzen. Michael Awischus, 04289 Leipzig

„Bilderstürmerei“ hatten wir schon mal

Die Mitglieder des Leipziger Stadtrates sollten aufpassen, dass es nicht zu einer neuen „Bilderstürmerei“ aus ideologischen Gründen kommt. Das hatten wir schon mal. Zu DDR-Zeiten. Geschichte hat und hatte schon immer positive und negative Seiten. Deshalb bitte eine Aufarbeitung ohne ideologische Eiferer! K.-H. Busch, 04155 Leipzig

Soll jeder auf Linie gebracht werden?

Als Ossi wurde und wird mir immer erzählt, dass wir in einem freien Land leben und jeder seine eigene Meinung haben darf. Das ist scheinbar nicht so. Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass jeder Bürger „auf Linie“, auf Mainstream gebracht werden soll. Das hatten wir doch schon mal! Wie kann der Stadtrat eine historische Persönlichkeit, die der Frankfurter Nationalversammlung angehörte und gegen Napoleon kämpfte, so entehren? Wollen wir in Zukunft auch Martin Luther aus unserer Gesellschaft verbannen? Klaus Siebeneichner, 04347 Leipzig

Von lvz

Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus bewegt die LVZ-Leser. 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee fordern sie, das Gedenken an die Ermordeten auch in Zukunft wachzuhalten. Auch in der DDR sei an die jüdischen Opfer erinnert worden, heißt es in Zuschriften.

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