Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Leserbriefe Steimle-Rauswurf beim MDR: Was die LVZ-Leser dazu sagen
Leipzig Leserbriefe Steimle-Rauswurf beim MDR: Was die LVZ-Leser dazu sagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:12 16.12.2019
Uwe Steimle, 1963 in Dresden geboren, wird für den MDR keine Sendungen mehr machen. Quelle: MDR/Axel Berger
Leipzig

Ein später Fall von DDR-Zensur oder berechtigte Reaktion des MDR? Der Rauswurf des bekannten Dresdner Kabarettisten Uwe Steimle (56) sorgt bei LVZ-Lesern weiter für große Erregung. Nachdem sich zunächst nur MDR-Kritiker zu Wort gemeldet hatten, gehen jetzt viele Leserzuschriften auch mit Steimle hart ins Gericht.

Keine Verpflichtung, Plattform zu bieten

Es gibt sie tatsächlich: LVZ-Leser, die den Verzicht des MDR auf die Weiterbeschäftigung befürworten – zum Beispiel mich und meinen Mann. Herr Steimle hat sich durch sein Auftreten und seine wiederholten Äußerungen in diversen Medien selbst in die „rechte Ecke“ beziehungsweise in die Ecke von Pegida und Reichsbürgern gestellt. Dazu passt seine selbstmitleidige „Opfer“-Selbstdarstellung, die er bei jeder Konsequenz auf seine Provokationen anstimmt. Hier einen Vergleich mit dem Schicksal russischer Journalisten oder Filmleuten, die für ihre Kritik in Haft genommen und abgeurteilt werden anzustellen,ist absurd. Herr Steimle darf weiter seine Meinung zu Gott und der Welt verkünden. Aber der MDR ist nicht verpflichtet, ihm dafür eine Plattform zu bieten. (Birgit Kolar, per E-Mail)

Die Zuschauer stehen hinter Steimle

Mich begeistern die vielen LVZ-Leser-Meinungen zum Rausschmiss von Uwe Steimle. Hoffentlich ist den Verantwortlichen des MDR bewusst, das sie mit dem Rausschmiss einen wundervollen und unterhaltsamen Kabarettisten verloren haben – und auch wir Zuschauer. Ich wünsche Herrn Steimle für die Zukunft alles Gute und er muss einfach erfahren, wie wir hinter ihm stehen. (Gabriele Horn, 04277 Leipzig)

Ossi-Querulanz in penetranter Weise

Ich gratuliere dem MDR zu seinem konsequenten Schritt, Herrn Steimles Vertrag auslaufen zu lassen. Ich erlebte ihn als Kommissar im Polizeiruf 110 in der Zeit zwischen 2003 und 2008 und wunderte mich schon nach der dritten oder vierten Folge, ob der Geduld des NDR. Er verkörperte den Nörgler schlechthin, was an sich noch tolerierbar gewesen wäre, wenn er nicht schon damals diese ich-bezogene Ossi-Querulanz in penetranter Weise zelebriert hätte. Der damalige Intendant baute ihm eine Brücke, indem er die Reihe „auslaufen“ ließ. Steimle gefiel sich weiter in seiner Rolle – damals noch als linker Sozialrevolutionär – und zog gegen den Sender zu Felde. Deutlich gesunkene Einschaltquoten – an der Stelle ein wahrhaftiges Indiz – ließen die Aktionen Steimles lächerlich erscheinen, als auch das natürliche Solidaritätsempfinden seiner Schauspielerkollegen(Kopfschütteln) gar nicht erst aufkommen. (Bernhard Kobus, 04159 Leipzig)

Stromlinienförmig, um Job zu behalten

Sofern es noch eines Beweises bedurft hätte, wie notwendig und berechtigt die von Uwe Steimle an den öffentlich-rechtlichen Medien geäußerte Kritik ist, so haben die Verantwortlichen des MDR diese Kritik durch den Hinauswurf von Steimle eindrucksvoll bestätigt. Was soll das allgegenwärtige Gerede über Presse- und Meinungsfreiheit, wenn bereits kleine Nadelstiche eines Kabarettisten ausreichend sind, um diesen mundtot zu machen? Mit seiner Entscheidung sendet der MDR eine verheerende Botschaft nicht nur an seine Zuschauer, sondern – was wohl auch beabsichtigt ist – an aktuelle und potenzielle Mitarbeiter und Freischaffende: Wer sich zukünftig nicht stromlinienförmig verhält, setzt seine Existenz aufs Spiel. Da bedarf es keiner Zensur, „das regelt der Markt“. (Dr. Klaus-Dieter Brzank, 04109 Leipzig)

Verklärung der DDR nervt schön länger

Ein Vertragspartner, hier der MDR, hat das Recht, einen Vertrag zu kündigen. Herr Steimle hätte auch kündigen können. Uns geht er schon länger auf den Geist, insbesondere mit seiner Verklärung bezüglich der „DDR“. Vielleicht liegt das an seiner familiären Prägung durch die Systemtreue der Familie?Interessant sind die reflexartigen Reaktionen einiger Leser. So bleibt unerwähnt, dass er Reichsbürgerparolen übernommen hat und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, also seinen Vertragspartner, öffentlich diskreditiert hat. Wenn das kein Kündigungsgrund ist. Schützenhilfe erfährt er jetzt aus einer bestimmten Ecke, siehe Petition aus Chemnitz – sehr entlarvend, und es spricht für die Entscheidung des MDR. (Maximillian Schmidt, 04317 Leipzig)

MDR nie aus Schuhen des DDR-TV erwachsen

Die „Affäre Steimle“ offenbart das Demokratieverständnis und die Toleranzschwelle der Verantwortlichen des MDR. Man braucht sich nur mal die Mitglieder der Fernsehräte und deren Parteizugehörigkeit anschauen, da weiß man Bescheid. Am Ende ist der MDR wahrscheinlich nie aus den Schuhen des DDR-Fernsehens heraus gewachsen, anders kann ich mir diese Entscheidung nicht erklären, mit der man sich keinen Gefallen getan hat. So etwas hätte man eleganter, weitsichtiger, toleranter und demokratischer lösen können. Zweifellos macht der MDR in vielen Facetten ein ansprechendes Programm, mit so einer Geschichte stellt man das eigene Image selbst in Frage und beschädigt es nachhaltig. (Karsten Dörfl, 04668 Parthenstein)

Steimle wird nicht mundtot gemacht

Ich kann die Sichtweise der Leser, die sich äußerten, durchaus nachvollziehen. Schon Rosa Luxemburg sagte: Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden. Von daher kann und darf ein Herr Steimle sich so äußern wie er das tut, und das hält dieses Land, diese Demokratie und auch der MDR aus. Kein Frage. Herr Steimle wird ja nicht mundtot gemacht, er kann auf jedem anderen Kanal in diesem freien Land, dass sich daran nicht stört, frei kommunizieren. Ohne Angst vor Repressalien. Das hätte ein Herr Steimle bis 1989 nicht gekonnt. Das höre ich in seinem Kabarett aber nicht. Wenn ich Steimle höre, dann höre ich nur noch Jammern. Der Osten ist abgehängt, der Westen hat den Osten über den Tisch gezogen, die Politiker machen alles falsch. Genau hier schalte ich ab. Und ich glaube, das tun nicht wenige. Und genau hier finde ich die Entscheidung des MDR richtig. (Mario Schneider, 04420 Markranstädt)

Ist der MDR doch dem Staat genehm?

Mit großer Freude habe ich die Stellungnahmen der vielen Leser zum Fall Uwe Steimle gelesen. Es kann nicht sein, dass es kleinen politischen Minderheiten gelingt, den Massen etwas zu diktieren. Der MDR ist ein öffentlicher Sender und wird durch unsere Beiträge finanziert. Da muss er auch auf seine Beitragszahler hören. Oder ist er doch dem Staat genehm? Ich habe das Gefühl, hier wird wieder ein Fehler gemacht und das Volk verärgert. Aber vielleicht will man das. Hoffentlich gibt es noch ein paar vernünftige Menschen, die dieses Dilemma berichtigen. (Karl-Heinz Solluntsch, 04824 Beucha)

Abgetakelte Weststars werden alimentiert

Mit Uwe Steimle verschwindet einer der letzten Ostdeutschen mit eigener Meinung aus dem Programm des MDR. Dafür alimentiert dieser MDR weiter abgetakelte „Weststars“ wie Bernhard Brink und Kim Fischer. Als der „sächsische“ Staatssekretär und Regierungssprecher Johan-Adolf Cohausz im Jahr 2011 den MDR zuerst als staatsfern, dann als staatsnah und zum Schluss wieder als staatsfern einstufte, amüsierte sich die halbe Republik darüber. Der staatsferne Kabarettist Steimle wird für seine Sicht auf den MDR mit Bildschirmverbot bestraft. Wenn es denn noch eines Beweises der Staatsnähe des MDR bedurft hätte, so wurde er hiermit geliefert. Das erinnert an DDR-Zeiten. (Manfred Meyer, 04416 Markkleeberg)

Meinungsfreiheit ist nicht mehr gewünscht

Es ist schade, dass der MDR Spitzen eines Kabarettisten zum Anlass nimmt, Sendungen wie „Steimles Welt“ aus dem Programm zu nehmen. Dies ist schon eine starke Zäsur, vergleichbar mit O. F. Weidling zu DDR-Zeiten. Man merkt allgemein immer mehr, das die so viel zitierte Meinungsfreiheit gar nicht gewünscht ist. Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kraft durch Freunde“ hat wahrlich einen anderen Sinn, als dass was hinein gedeutet wird. Politische Satire ist nicht mehr gewünscht beziehungsweise wird man einfach in bestimmte Lager gruppiert. Schade, dass gerade ein heimatverbundener Kabarettist mit sächsischen Dialekt beim Heimatsender nicht mehr ankommt. Zum Glück gibt’s noch genug Bühnen, die auf Herrn Steimle warten, und Internetshows sind auch möglich. Das MDR braucht man nicht, um seine Meinung kund zu tun. (Olaf Noack, per E-Mail)

Er ist wie er ist – das macht ihn so beliebt

Warum lässt man Herrn Steimle nicht einfach machen? Es weiß doch jeder, dass es nicht ins seinem Sinn ist, jemandem schaden zu wollen. Er ist wie er ist, sonst würde doch nicht so beliebt sein. Man konnte sich entspannt zurücklehnen und die Sendung auf sich wirken lassen. (Irmela Aurig, 04552 Borna)

Steimles Einsichten passen nicht ins Bild

Es ist rührend, bei Steimles Besuchen mitzuerleben, wie verzweifelt viele im Osten versuchen, sich ihren kapitalistischen „goldenen“ Käfig schönzugucken und durch dörfliche Kameradschaft und Projekte, die kein Geld oder teures Material kosten, Lebenssinn und eine befriedigende Aufgabe zu finden. Steimles Welt, die Welt der kleinen Leute, die ehrlich arbeiten und Bewundernswertes in ihren Nischen leisten, obwohl sie überall kämpfen müssen, passt nicht ins Bild der Erfolgspropaganda eines prosperierenden demokratischen Staates, der sich als strahlendes Vorbild für Demokratie und Freiheit über alle anderen Staaten und Kulturen der Welt belehrend erhebt. (Kornelia Mücksch, 04435 Schkeuditz)

Von LVZ