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Lokales Was kann man noch glauben, Pfarrer Wolff?
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24 gute Tage - Leipzigs Pfarrer Christian Wolff und die Auseinandersetzung mit dem Glauben

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10:53 07.12.2020
Pfarrer i.R. Christian Wolff in Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Leipziger Pfarrer im Ruhestand, Christian Wolff, sagt, das Gottvertrauen bleibt unzerstörbar – ganz egal, wie schwierig eine Situation auch scheinen mag.

Was kann man noch glauben, Pfarrer Wolff?

“‘Ich glaube nichts mehr.’ Das ist mir schon des Öfteren entgegengeschleudert worden. Verbittert wird noch nachgeschoben: ‚schon gar nicht, was Politiker sagen und in den Medien verbreitet wird.’ Kein Wunder: Menschen, die so denken, haben es in Krisenzeiten besonders schwer. Ihnen fehlt das Wichtigste: Vertrauen. Sie suchen nach Verlässlichkeit, greifen aber ins Leere. Dafür schenken sie ganz viel Unsinnigem Glauben.

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Schon als Kind habe ich gelernt: Du musst (an) nichts glauben – außer an Gott. Ihm kannst du vertrauen. Das war und ist für mich tröstlich, befreiend, Ängste mildernd.

Denn wenn ich meinen Glauben auf Gott allein konzentriere, ist alles andere keine Glaubensfrage mehr – sondern eine Angelegenheit der Vernunft, des Menschenverstandes, des kritischen Abwägens. Dieser Glaube geht mir nicht verloren, wenn ich Verlusterfahrungen ausgesetzt bin oder der Glaube an mich selbst ins Wanken gerät.

Denn das Gottvertrauen bleibt unzerstörbar: Gott hat mich ins und zum Leben berufen und nimmt mich am Ende in Ehren an.

Darum kann ich auch Weihnachten feiern – unabhängig davon, was um mich herum geschieht, ob die Welt aus den Fugen gerät oder ein lieber Mensch mich verlassen hat. Gott kommt mit der Geburt Jesu abseits aller Corona-Schutzmaßnahmen und schenkt jedem Menschen neues Vertrauen. Das kann ich glauben und mich in diesem Vertrauen anderen zuwenden. Was für ein Glück!“

Christian Wolff

ist 71 Jahre alt, war von 1992 bis zu seinem Ruhestand 2014 Pfarrer an der Thomaskirche Leipzig. Er gründete die Initiative „Willkommen in Leipzig - eine weltoffene Stadt der Vielfalt”, die sich gegen Legida stark macht.

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Von Christian Wolff