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Lokales 50.000 Euro – 20 Projekte: Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ fördert Vereine
Leipzig Lokales 50.000 Euro – 20 Projekte: Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ fördert Vereine
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13:40 03.12.2017
Sylvia Mlinarczik und Gerald Ruppert von den Sonntagclowns im Gewandhaus.
Sylvia Mlinarczik und Gerald Ruppert von den Sonntagclowns im Gewandhaus.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Schwere Krankheit bringt Dunkelheit, Traurigkeit. Da braucht es jemanden, der Licht bringt und Freude. Die Sonntagsclowns machen das. Sie sind einer von 20 Vereinen, die ihre Arbeit am Sonnabend im Gewandhaus vorgestellt haben.

Die Sonntagsclowns besuchen die jüngsten Patienten in der Uniklinik Leipzig (UKL). Gerald Ruppert hat die Truppe vor 17 Jahren gegründet. Heute sind die acht Clowns nicht nur in Leipzig unterwegs, sondern auch in Kinderkliniken in Wurzen, Bitterfeld, Naumburg, Zeitz, Annaberg-Buchholz und Weimar. Da wird gezaubert, Musik gemacht, es gibt Artistik, da entstehen Ballontiere. Was ein Klinikclown noch können muss? „Vor allem improvisieren“, erzählt Sylvia Mlinarcsik.

Zum Benefizkonzert am Samstagabend im Leipziger Gewandhaus wurde Geld für die Stiftung "Leipzig hilft Kindern" gesammt.

 Sie ist Buchhalterin im Zoo und seit zwei Jahren bei den Sonntagsclowns. 50 Kinder bekommen in einer zweistündigen Clownsschicht am UKL ein bisschen Licht ans Krankenbett. „Das ist nachhaltig“, sagt Vereinschef Ruppert. „Hinterher hat sich die Stimmung im Zimmer geändert“, ergänzt Mlinarcsik, „viele wollen einen gar nicht mehr loslassen. Und man bringt die Eltern mit nach vorne - die sind ja irgendwie mit krank.“

. Uta- Beate Mutz (l.) und Christiane Bräutigam (r.) vom Projekt „Klassik für Kinder“ im Gewandhaus. Quelle: Foto: André Kempner

Manchmal ist es umgekehrt: Die Eltern sind wirklich krank - und die Kinder leiden mit. Dann hilft das „Friesennest“ des Vereins „Haus Leben“. Im Gewandhaus haben Vize-Vorsitzende Michaela Bax und Geschäftsführer Andreas Habicht ein Bild aufgestellt. „Das zitternde Haus.“ Das Gebäude wird in seinen Grundfesten erschüttert, die Wolken weinen. Ein achtjähriges Mädchen hat es gemalt, ihre Mutter hat Krebs. „Häuser malen sie oft, weil sie für die Kinder eigentlich ein sicherer und verlässlicher Ort sind“, erzählt Bax.

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Individuelle Angebote stellt das Friesennest zur Verfügung. Psychologische Betreuung, Freizeit- und Kunstkurse. Auf einem Wut-Parcours können die Kinder ihren Frust darüber ablassen, dass es ausgerechnet ihre Familie treffen musste. Oft werden sie sonst durch Aggressionen in der Schule auffällig, benötigen später psychotherapeutische Hilfe. Das „Friesennest“ setzt deshalb früh an, will solchen Entwicklungen vorbeugen, aber die Kassen zahlen dafür nichts. Vor kurzem ist eine neue Gruppe mit zehn Kindern entstanden. Kinder aus unterschiedlichen Situationen. Bei zweien ist die Mutter gestorben. „Die anderen verstehen, dass es so auch ausgehen kann“, erklärt Habicht. „Die Gruppe ist für die Kinder sehr hilfreich“, hat Michaela Bax beobachtet. Sie treiben Sport, gehen spazieren, backen Pizza, kriegen den Kopf frei.

Andreas Habicht und Michaela Bax vom „Friesennest“ des Vereins „Haus Leben“ im Gewandhaus. Quelle: Foto: André Kempner

Etwas zu lernen gibt es in einem Projekt der Leipziger Notenspur - mit dem Entdeckerpass „Jüdischen Musikern auf der Spur“. Eine Broschüre für Kinder ab acht Jahren und eine interaktive Reise durch die jüdische Musikkultur. Es gibt Wissenswertes über die Künstler sowie über verschiedene Gebäude, wie Julia Reinboth berichtet, die das Projekt im Rahmen ihres Bundesfreiwilligendienstes begleitet hat. Die Israelitische Religionsgemeinschaft hat mitgearbeitet, Lehramtsstudierende steuerten Texte bei, Waldorfschüler verschiedene Bilder. Zur Jüdischen Woche wurde das Heft vorgestellt, drei Schulen haben schon Interesse signalisiert.

Andere Impulse setzt das Lernpaten-Projekt des Villa-Vereins. „Wir vermitteln Ehrenamtliche, die sich für Geflüchtete zwischen 6 und 26 einsetzen wollen“, erklärt Janne Dörge. „Wir wollen für mehr Chancengleichheit sorgen.“ Es geht um besseres Deutsch, um Nachhilfe - auch im weiteren Sinne. „Viele suchen Kontakt zu Deutschen, um deutsch zu sprechen und die Stadt kennenzulernen“, sagt Christina Streit.

73 Patenschaften sind seit Januar entstanden. Die Paten sind zwischen 18 und 78. „Ihnen gibt das auch viel“, hat Dörge beobachtet. Der Austausch bereichert, der Blick über den Tellerrand. „Wir suchen dringend weitere Paten“, erklärt Streit. Voraussetzung: zwei Stunden Zeit die Woche, mindestens ein halbes Jahr.

Janne Dörge (l.) und Christina Streit von den Villa-Lernpaten im Gewandhaus. Quelle: Foto: André Kempner

„Klassik für Kinder“ heißt ein Projekt der Evangelisch-Reformierten Kirche zu Leipzig. Das Musikfestival sei die einzige Veranstaltung dieser Art in Leipzig und auch deutschlandweit einzigartig, sagte die musikalische Leiterin Christiane Bräutigam. Im vergangenen September ging das Festival wieder über die Bühne - mit Opern- und Kirchenmusik, mit neuer und sinfonischer Musik, mit einem Kinder-Kompositions-Wettbewerb und zahlreichen Workshops. Hilfe in schwierigen Situationen, Präventionsangebote, kulturelle und musische Bildung - die von der Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ geförderten Projekte sind vielfältig. Aber es gibt halt auch viel zu tun.

Von Björn Meine