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Lokales Botschafter für ein weltoffenes Leipzig
Leipzig Lokales Botschafter für ein weltoffenes Leipzig
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07:43 16.02.2019
50 Studenten, sechs Kursleiter, drei InterDaF-Funktionäre und ein Staatssekretär im Hof der Moritzbastei.
50 Studenten, sechs Kursleiter, drei InterDaF-Funktionäre und ein Staatssekretär im Hof der Moritzbastei. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ein paar von ihnen haben zum Abschied sogar Lerchen gebacken. 50 künftige Deutschlehrer aus elf Ländern haben ihre Sprachkenntnisse im Wintersemester in „InterDaF“-Kursen am Herder-Institut der Uni Leipzig vertieft – und viel über Stadtkultur und Stadtgesellschaft gelernt. Ihre Abschlusspräsentation schauten sich in der Moritzbastei nicht nur die InterDaF-Führungsriege und die Kursleiter an – sondern sogar Staatssekretär Uwe Gaul aus dem sächsischen Wissenschaftsministerium.

„Kunststadt, Musikstadt, Buchstadt, Wasserstadt?“ Die Moderatorin des Reigens, die 21-jährige Kolumbianerin Natalia Díaz, zählt gängige Attribute auf. „Leipzig hat viele kleine Theater“, ergänzt Co-Moderator Simón Zuñega, 24, aus Chile. Sogleich öffnet sich die Kleinstkunstbühne: Leibhaftige Ampelmännchen maßregeln einen allzu laxen Umgang mit der Signalfarbe Rot. Eine „Straßenüberquerungsgenehmigung“ wird gefordert. Aber nicht nur langen Wörtern und einer Liebe zu Regeln sind die Studenten in Leipzig begegnet: Der Mülltrennung und der Pünktlichkeit widmen sich weitere amüsante Szenen. Mit fairem Handel haben sie sich befasst. Und mit dem einstigen Schicksal und heutigen Backrezept der Leipziger Lerchen.

Praktizierte Völkerverständigung

Mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes oder selbst finanziert sind sie aus Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Russland, Simbabwe und Taiwan nicht nur für die Sprache gekommen. Sie sollten und wollten das Leben hier kennenlernen. Auf die Spur urbaner Kunst begaben sie sich: „Es ist schön, durch Plagwitz zu spazieren“, sagt Sidney Chivaraya, 23, aus Simbabwe. Sie besuchten ein Gewandhauskonzert und beschäftigten sich mit Bach, Mendelssohn, Wagner, dem Ehepaar Schumann. Sie trafen Flüchtlinge, die berichteten, dass die allermeisten Deutschen sie keineswegs anfeindeten, sondern unterstützten. Davon waren die Studenten überrascht.

„Es kann schwierig werden, wenn Kulturen aufeinandertreffen“, sagt der 25-jährige Argentinier Fernando Turri. „Aber wenn wir wollen, können wir uns alle verstehen.“ So sieht es auch der InterDaF-Vorsitzende Fritz König: „Wie lässt sich Völkerverständigung besser befördern, als indem man die Völker zusammenbringt?“ Staatssekretär Gaul verabschiedet die Studenten mit einer Bitte: „Tragen Sie in die Welt, dass wir weltoffen sind; dass wir uns freuen, wenn Sie wiederkommen und viele andere auch.“

Von Mathias Wöbking