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Lokales 83 Prozent Wasser der besonderen Art
Leipzig Lokales 83 Prozent Wasser der besonderen Art
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18:14 14.09.2018
Was macht eigentlich ein MRT-Gerät? Professor Harald Möller erklärt’s. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Gehirn eines Menschen besteht zu 83 Prozent aus Wasser. Doch es ist das einzige natürliche Gewebe, das Sätze versteht. Bei Schimpansen reichen die Synapsen nur für ein Wort am Stück. Dummerweise prasseln auf die Menschen mittlerweile aber so viele Informationen ein, dass sie Algorithmen erschaffen. Deren Aufgabe: den 83 Prozent Wasser und sonstigem Zellmaterial vorzugsweise Sätze durchzugeben, die schon tausendfach durchgegluckert sind.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat am Freitag den 160. Geburtstag ihres Namensgebers und das 70-jährige Bestehen des Verbunds bundesweit mit dem ersten Max-Planck-Tag gefeiert. Drei der 83 Institute liegen in Leipzig. In 25 Vorträgen erläuterten die Wissenschaftler dort rund 1000 Elft- und Zwölftklässlern aus Stadt und Region, was sich hinter den komplizierten Namen ihrer Forschungseinrichtungen verbirgt.

Zum Beispiel macht sich der Physiker Harald Möller am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften die 83 Prozent zu Nutze, erklärt er den Schülern. Wasserstoffkerne haben die Eigenschaft, sich zu bewegen. Man spricht von „Kernspin“. Wenn man ein magnetisches Feld drumherum legt, wird mit Hilfe eines Resonanzmessers sichtbar, was im Gehirn passiert. Seit knapp zwei Jahren besitzt das Institut das MRT-Gerät „Connectom“, weltweit einer der drei besten Hirn-Scanner. Doch Möller genügt eine einfache Apparatur, um den Gymnasiasten das Prinzip zu veranschaulichen. „Denken ist schon irgendwie anstrengend“, sagt er in müde Gesichter. Auch das ist messbar: Obwohl das Gehirn nur zwei Prozent des Körpergewichts einnimmt, verbraucht es zwanzig Prozent der verfügbaren Energie.

„Sprache ist das, was den Menschen ausmacht“

Wie sie Möllers Messmethoden einsetzt, erläutert Direktorin Angela D. Friederici zwei Stockwerke weiter unten. Ihre jüngsten Probanden sind erst vier Tage alt. 3000 Neugeborenen-Schreie hat ihr Team untersucht. Die Satzmelodie ihrer Muttersprache haben die Kinder schon vor der Geburt gelernt, kam heraus: Französische Säuglinge betonen beim Plärren eher das Ende, deutsche Babys aber eher den Beginn. „Sprache ist das, was den Menschen ausmacht“, sagt Friederici. Was sich im Gehirn tut und wo genau, wenn aus Schreien Wörter und aus Wörtern Sätze werden, erforscht sie weiter mit ihren Mitarbeitern.

Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie nimmt die Urzeit in den Blick, in denen die Sprachfähigkeit entstanden sein muss. Am Freitag haben die Schüler dort erfahren, welche Rückschlüsse die Beobachtung von Schimpansen im Dschungel auf die frühe Menschheitsgeschichte erlaubt. Was den Menschen heute umtreibt, ist zur gleichen Zeit im Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften das Thema. Mit Formeln und Computern sucht Sven Banisch Antworten auf die soziologische Frage, wie sich Wissen und Meinungen verbreiten.

Die Algorithmen von sozialen Netzwerke und Suchmaschinen verstärken die natürliche Neigung, dass sich der Mensch am liebsten mit Seinesgleichen umgibt, erklärt er. „Da habt ihr sicher mehr praktische Erfahrung als ich.“ Weil aber niemand endlos reale und virtuelle Freundschaften sammeln und pflegen kann, „sind wir mehr denn je gefordert, selbst zu entscheiden, wie viel Andersdenkende wir an uns heranlassen“, findet Banisch. Die Auswahl den Algorithmen zu überlassen, wäre fraglos eine Verschwendung. Und zwar von 83 Prozent Wasser der besonderen Art.

Von Mathias Wöbking

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