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Lokales 90 Jahre alter Garagenhof wird zum Oldtimer-Zentrum
Leipzig Lokales 90 Jahre alter Garagenhof wird zum Oldtimer-Zentrum
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11:01 02.11.2018
Im hinteren Hof, der jetzt überholt wird, sind neben Stahltüren von 1929 (links) auch Holztore aus DDR-Zeiten (rechts) zu sehen. Und ein Porsche 911, Baujahr 1970. Quelle: Foto: privat
Leipzig

Schon vor 90 Jahren herrschten in Leipzig einige Nöte, die auch heute vielen Einwohnern nicht ganz fremd sind. Gemeint ist die Frage: Wo stelle ich mein Auto ab? Wie elegant das Problem einst gelöst wurde, lässt sich nun in Gohlis-Mitte bestaunen. Dort steht einer der ältesten Garagenhöfe Deutschlands. Er wird jetzt komplett denkmalgerecht instandgesetzt.

Verkehrskathedrale unter Denkmalschutz

Zwei riesige Kastanien säumen die Einfahrt in der Wilhelm-Plesse-Straße 21. Umringt von Mehrfamilienhäusern befindet sich dort – im Hof eines geschlossenen Wohnkarrees – die über 2000 Quadratmeter umfassende Verkehrskathedrale. „Der vordere Teil mit dem ersten Hallenkomplex ist bereits nach den Vorgaben der Denkmalpflege fertiggestellt“, berichtet Architekt Ulrich Kalkof vom gleichnamigen Architekturbüro aus Leipzig. Die Wände der symmetrisch angeordneten Bauten wurden gereinigt, das historische Kleinpflaster in der Einfahrt unter Betonflicken hervorgeholt, repariert und ergänzt. Auch kamen Bretterbuden aus DDR-Zeiten weg, die das Gesamtbild störten.

40 Garagen mit „Luftturm-Groß-Tankstelle“

Kalkof erzählt, dass die Nord-Garagen Baugesellschaft den Komplex 1928 und 1929 in zwei Abschnitten errichten ließ. Jede der 40 Garagen bekam damals sogar eine Heizung implantiert – alle mit Zentralheizungsanschluss.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten eine glasbedachte Waschhalle, elektrische Waschmaschine, Wagenpflege, eine Ladestation sowie „Luftturm-Groß-Tankstelle“ zur Ausstattung des Komplexes. Des Weiteren sollten auch noch Etagen mit Wohnungen über den Dächern errichtet werden, dazu kam es nicht mehr.

Stattdessen wurden im Krieg die gläsernen Belichtungsdreiecke in den Hofüberdachungen zerstört, später nicht wieder aufgebaut. Alles verkam mit der Zeit.

Nächstes Frühjahr soll alles fertig sein

Durch neue, private Eigentümer und den verantwortlichen Architekten Ulrich Kalkof wird dem neunzig Jahre alten Garagenkomplex jetzt frisches Leben eingehaucht. Die Sanierungsarbeiten im zweiten Innenhof, wo es auch Doppelgaragen gibt, haben gerade begonnen und sollen im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Das architektonische Highlight seien freilich jene Stahlfachwerkkonstruktionen, die die Höfe zwischen den Garagen überspannen, erklärt der Fachmann. Mit massiven Steineisendecken halten sie den Regen von den Toren fern. Vorgeschrieben wurden diese Dächer 1928 von der Baubehörde, um „eine Beeinträchtigung der Nachbarschaft“ zu vermeiden.

Noch zwei Werkstattflächen frei

Die mit 3,20 Meter erstaunlich hohen Garagen sollen nach den Vorstellungen der Eigentümerin – der Leipziger Firma GHG Investment – nun zu einem Zentrum für besondere Fahrzeuge werden. „Sie werden bevorzugt an Besitzer von Old- und Youngtimern vermietet“, erläutert Kalkof. „Mit Unterstützung der Classic Lounge in der Arno-Nitzsche-Straße fanden sich schon die ersten Nutzer. Künftig wird der Hof außerdem zwei Werkstattflächen für passendes Gewerbe bieten.“

Von Jens Rometsch

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