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Lokales ADAC fordert mehr Messstellen in der Stadt
Leipzig Lokales ADAC fordert mehr Messstellen in der Stadt
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10:01 27.02.2019
Die Messstation in der Lützner Straße in Leipzig in eine von nur dreien in der Stadt, deren Werte für ganz Leipzig maßgeblich sind. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Jetzt macht auch der Allgemeine Deutsche Automobil-Club Sachsen (ADAC) gegen den neuen Luftreinhalteplan der Stadt Leipzig mobil: Der Club fordert die Stadtverwaltung auf, nach München zu schauen. Dort hat die Kommune zusätzlich zu den vom Land installierten fünf Luftüberwachungssystemen noch 20 eigene Messstellen für Stickstoffdioxid aufgestellt. Bei diesem Nachmessen wurde festgestellt, dass auf vermeintlich überbelasteten Straßenzügen die Werte eingehalten werden.

Messstandorte ungünstig gewählt“

Für Helmut Büschke, Sachsens ADAC-Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik, ist so ein Nachmessen in Leipzig noch zwingender als in München. Denn an der Pleiße ist schon seit längerem bekannt, dass das zentrale Messgerät „Am Hallischen Tor“ nicht korrekt aufgestellt ist. Auch die Stadt hat inzwischen eingeräumt, dass der Messstandort – einer von insgesamt dreien, die der Freistaat Sachsen im Leipziger Stadtgebiet unterhält – nicht den EU-Vorgaben entspricht, weil er zu dicht an der Kreuzung steht (die LVZ berichtete). „Auch der Messstandort in der Lützner Straße ist ungünstig gewählt“, kritisiert Büschke. „Dort gibt es nur einen geringen Abstand zum Fahrbahnrand und eine hohe Bebauung – und das treibt die Messwerte nach oben. Die Berechnung der Schadstoffwerte für das Stadtgebiet erfolgt jedoch vor allem auf Basis dieser beiden Stationen.“ Der ADAC-Vorstand fordert deshalb: „Die Stadt Leipzig sollte wie München durch eigene Messungen prüfen, ob die tatsächliche Belastung mit der berechneten Belastung übereinstimmt, bevor sie verkehrsbeschränkende Maßnahmen in Kraft treten lässt.“

München hat mit eigenen Stationen Fehler aufgedeckt

Mit seinen 20 eigenen Messstellen hat München inzwischen nachgewiesen, dass die Luft im Stadtgebiet „deutlich besser ist als vielfach angenommen und vom Freistaat 2017 berechnet wurde“, hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) öffentlich erklärt. Danach sei in den Wohngebieten, in denen sich die Städter dauerhaft aufhalten, die Luft gut. Auch an vielen Straßenabschnitten werde der gesetzliche Jahresgrenzwert für NO2 eingehalten. Allerdings sind die Werte an Münchens stark verkehrsreichen Straßenabschnitten – insbesondere am Mittleren Ring – noch zu hoch.

Um dies zu ändern, hat auch München einen Masterplan zur Luftreinhaltung beschlossen. Ziel der 127 Maßnahmen ist dort aber vorrangig, die Attraktivität der umweltfreundlichen Verkehrsarten wie U-Bahn, Tram und Bus sowie des Radverkehrs deutlich zu steigern. Gleichzeitig wird die Verkehrswende hin zur vor Ort emissionsfreien Elektromobilität intensiv forciert.

Stadt soll eigene Fuhrparks auf E-Mobilität umrüsten

Die Stadt geht dabei mit gutem Beispiel voran und stellt unter anderem ihre Fahrzeugflotte auf E-Antriebe um und baut die öffentliche Ladeinfrastruktur mit bis zu 1100 Ladepunkten bis Ende 2019 deutlich aus. Außerdem wird ab 2020 die erste Buslinie mit E-Fahrzeugen im Regelbetrieb sein.

Büschke fordert deshalb jetzt von der Stadt Leipzig ebenfalls, bei der Verkehrswende stärker voran zu gehen. Sie sollte den Fuhrpark des Rathauses komplett auf E-Mobilität umrüsten und anschließend auch die Fahrzeugparks der städtischen Verkehrsbetriebe sowie der kommunalen Stadtreinigung komplett auf die neue Technik umstellen. „Leipzigs grüner Verkehrspolitik wird es auch mit den jetzt geplanten neuen Verkehrsbeschränkungen nicht gelingen, das Auto aus der Stadt zu drängen“, prophezeit der ADAC-Experte. „Es werden nur weitere Staus und noch schlechtere Luft verursacht. Der Zuzug von neuen Einwohnern wird dieses Problem noch verschärfen.“

Tempo 30 bringt nichts“

Wie berichtet, will Leipzig unter anderem in der Wundtstraße noch in diesem Jahr stadteinwärts eine Fahrspur streichen. An der Kreuzung Karl-Tauchnitz-Straße ist eine neue Ampelschaltung vorgesehen, um weniger Fahrzeuge in Richtung Floßplatz durchzulassen. Von Norden soll ein Wegfall der Linksabbieger-Spur am Martin-Luther-Ring dafür sorgen, dass die Harkortstraße weniger Autos aufnehmen muss. Außerdem soll in Teilen der Jahnallee und der Berliner Straße Tempo 30 verfügt werden.

Auch diese geplanten Geschwindigkeitsreduzierungen würden die Luft nicht verbessern, prophezeit ADAC-Mann Büschke und führt als Beleg einen Test an, bei dem der ADAC den Schadstoffausstoß verschiedenster Pkws bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten ermittelt hat. Das Ergebnis: Tempo 30 führt nicht zu einer Senkung des Schadstoffausstoßes. „Dieser lässt sich durch das Installieren moderner Ampeln und Leitsysteme erreichen, die den Verkehr mit einer grüne Welle flüssiger machen“, so der Vorstand. Die Stickoxid-Emissionen ließen sich dadurch um mehr als 30 Prozent verringern.

Rathaus: Eigene Stationen sind nicht notwendig

„Der jahrelang politisch motivierte Rückbau von Straßen beziehungsweise die Reduzierung von Fahrspuren zur Anordnung von Radfahrstreifen führt zu einer Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse bis hin zu Staus“, warnt Büschke. Notwendig sei das Gegenteil. „Die Stadt Leipzig muss endlich auch mehr für die Vermeidung von Halts an Ampeln und für die Einführung einer modernen Anforderungssteuerung tun, die den Verkehrsfluss entsprechend des Verkehrsaufkommens steuern.“

Die Stadtverwaltung hält von zusätzlichen Messungen nichts. Begründet wird dies im Umweltamt damit, dass die Kommune ohnehin für die Fortschreibung des Luftreinhalteplans zuständig sei. Es gebe keinen Grund, die Luftschadstoffmessungen und Luftschadstoffberechnungen des Freistaates Sachsen anzuzweifeln, heißt es. Gegen die vom Land festgestellte nicht zulässige Belastung von Stickstoffdioxid und Feinstaub müsse die Stadt vorgehen.

Von Andreas Tappert

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