Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Aggressivität im Straßenverkehr steigt – Polizei kündigt in Leipzig mehr Kontrollen an
Leipzig Lokales Aggressivität im Straßenverkehr steigt – Polizei kündigt in Leipzig mehr Kontrollen an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:47 04.07.2019
Eine neue Beschilderung an der Todes-Kreuzung Jahnallee/Cottaweg weist unübersehbar auf die Unfallgefahren an dieser Stelle hin.. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

103 Unfallschwerpunkte gibt es derzeit in Leipzig. Doch mit neuen Straßenmarkierungen, Beschilderungen und Signalanlagen allein lässt sich die Verkehrssicherheit offenbar nicht mehr verbessern. „Uns bereitet die steigende Aggressivität im Straßenverkehr besondere Sorge“, sagte am Donnerstag Frank Gurke von der Polizeidirektion bei der Vorstellung des Berichtes der Verkehrsunfallkommission für das Jahr 2018. Er kündigte mehr Verkehrskontrollen an. Die Stadt will eine Verkehrssicherheitskampagne starten und damit „Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme“ im Straßenalltag befördern, so der Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes, Michael Jana.

2018 gab es in Leipzig 14 Verkehrstote – sechs waren Radfahrer

„Die Situation ist weiterhin bedrückend“, sagte Jana. Zwar gehen die Unfallzahlen in Leipzig seit Jahren zurück, nicht aber die Anzahl der bei Unfällen getöteten oder verletzten Personen. „Der Radverkehr ist einer der Schwerpunkte in der Stadt“, hob Polizeibeamter Gurke hervor. Nahezu jeder Zweite der im vergangenen Jahr verunglückten Menschen war ein Radfahrer. Insgesamt haben 2018 auf den Straßen Leipzigs 14 Personen ihr Leben verloren (2017 waren es neun). Sechs davon waren Radfahrer. Unter den 384 Schwerverletzten (als solche gelten Personen, die für mindestens 24 Stunden in einem Krankenhaus aufgenommen wurden) befanden sich 143 Radfahrer, 810 unter den 2108 Leichtverletzten. Von den 1397 an Unfällen beteiligten Radfahrern waren 547 alleinige Verursacher und 100 Mitverursacher. Oft kollidierten Radfahrer mit abbiegenden Autos und Lastwagen.

Polizei beklagt steigende Aggressivität

Als eine der Ursachen sieht die Polizei die Zunahme der Verkehrsdichte durch das anhaltende Bevölkerungswachstum. „Die Situation wird unübersichtlicher“, sagte Gurke, „die Art der Verkehrsmittel zunehmend heterogener.“ Neben Fahrrädern sieht man immer häufiger auch E-Bikes und S-Pedelecs auf der Straße, die bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreichen. Gerade erst zugelassen wurden E-Scooter. Und mit denen, so der Polizeibeamte, gebe es zum Beispiel in Berlin bereits schwere Unfälle.

Die Probleme verstärkten sich durch eine „schwindende Normenakzeptanz“. Viele Verkehrsteilnehmer hielten sich nicht mehr an Regeln. Sie interessiere nur der eigene Vorteil. Das treffe auf alle gleichermaßen zu. Fußgänger laufen bei Rot über die Straße, Radfahrer ignorieren die Fahrtrichtung, Autofahrer hupen ihren Vordermann an, wenn der nicht schnell genug bei Grün über die Ampelkreuzung fährt. Gurke: „Uns als Polizei bereitet die steigende Aggressivität im Straßenverkehr besondere Sorge.“ Verkehrsordnungswidrigkeiten würden zu häufig als Kavaliersdelikte angesehen. „Sie sind in vielen Fällen aber Ursache für schwere Verkehrsunfälle“, sagte er. Der angelaufene personelle Verstärkung der Polizei werde zu mehr Verkehrskontrollen führen. Auch Beamte, die zur Ermittlung von Straftaten im Einsatz seien, würden künftig stärker bei Verkehrsdelikten einschreiten.

Ein Drittel der Unfallschwerpunkte entschärft

Das alles soll dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Unfallschwerpunkte auszuschalten. Als Unfallschwerpunkt gilt ein Ort, an dem entweder fünf Unfälle des gleichen Typs binnen eines Jahres passieren oder fünf Unfälle mit Personenschaden innerhalb von drei Jahren registriert werden. Bei 36 von den insgesamt 103 festgestellten Unfallschwerpunkten in Leipzig wurden bereits verkehrsorganisatorische Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählt unter anderem die Einführung von Tempo 30 und Parkverbot am Straßenrand in der inneren Jahnallee. Denn Unfälle von Radfahrern mit parkenden Autos, bei denen sich plötzlich Türen öffnen, zählten dort zu den Hauptunfallursachen. Derzeit prüft die Stadt außerdem ab Funkenburgstraße einen Radfahrstreifen auf der Jahnallee zu markieren. Weitere Schwerpunkte, bei denen die Kommission tätig geworden ist:

Kreuzung Felsenkeller: Dort stürzten häufig Radfahrer, die in der Käthe-Kollwitz-Straße ein schräg verlaufendes Straßenbahngleis überqueren müssen. „Es wurden kleine Rillen in die Schienen eingefräst, sodass die Vorderräder besser Halt finden“, erläuterte Thomas Schulze, Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde.

Lützner Straße/Endersstraße: Weil die Rotfärbung der Radspur keine bessere Wahrnehmung durch Linksabbieger bewirkte, wird Autofahrern nun durch ein elektronisches Wechselverkehrszeichen der querende Radverkehr signalisiert. Funktioniert. Allerdings kostet die Anschaffung des Signals 10 000 Euro, die jährliche Unterhaltung 5000 Euro.

Jahnallee/Cottaweg: Nach einem tödlichen Verkehrsunfall und mehren Unfällen mit verletzten Radfahrern wurde nun ein Hinweisschild angebracht, das die Unfallgefahr an dieser Kreuzung für Rad

In Höhe der „Tankbar“ wird Radfahrern jetzt mit einem Zusatzschild signalisiert, dass dieser Radweg in stadteinwärtiger Richtung nicht befahren werden darf. Das Verbot wird bislang häufig missachtet. Quelle: André Kempner

- und Autofahrer signalisiert. Außerdem hängt jetzt in Höhe der „Tankbar“ ein Warnschild über dem Radweg, das Radfahrern anzeigt, dass sie diesen Weg in stadteinwärtige Richtung nicht befahren dürfen.

Gohliser Straße/Nordplatz: Weil dort zwischen 2016 und 2018 bei zehn Verkehrsunfällen mittlerweile acht Radfahrer verletzt wurden – in der Regel durch abbiegende Autos – soll der Radweg auf der Kreuzung rot markiert werden. Außerdem wird die Rechtsabbiegespur von der verlängerten Roscherstraße am Nordplatz auf die Gohliser Straße entfernt. Alle Sowohl Rechts- als auch Linksabbieger müssen sich künftig auf einer Spur hintereinander an der Kreuzung einfädeln, sodass sie freie Sicht auf die querende Radspur haben. Wenn die Leipziger Verkehrsbetriebe ihre Haltestelle am Nordplatz neu gebaut haben, soll der Kreuzungsverkehr durch eine Lichtsignalanlage geregelt werden.

Von Klaus Staeubert

Der Berufungsprozess um den Anschlag auf Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) endete am Donnerstagabend mit einem Freispruch. Für das Landgericht Leipzig überwogen die Zweifel.

04.07.2019

Die Hobby-Winzer am Störmthaler See dürfen die Rebstöcke auf ihren Parzellen stehen lassen. Zwei Pächter die gegen den Freistaat geklagt hatten, bekamen Recht. Eine Genehmigung für diesen Weinanbau sei nicht nötig.

04.07.2019
Lokales 3000 Gäste in Leipzig erwartet - Freie Fahrt fürs Louis-Braille-Festival

Rund 3000 Gäste werden von Freitag bis Sonntag beim Louis-Braille-Festival in Leipzig erwartet. Unter anderem wird auf dem Leuschnerplatz gefeiert. Passend dazu hat die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde das erste Blindenmobil für den Raum Leipzig/Halle präsentiert.

04.07.2019