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Lokales Aids-Rate in Malawi gesunken – dank Hilfe aus Leipzig
Leipzig Lokales Aids-Rate in Malawi gesunken – dank Hilfe aus Leipzig
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11:27 03.01.2017
Bei den Präventionsangeboten des Leipziger Vereins in Dörfern Malawis herrscht oftmals auch Andrang bei den zugleich durchgeführten freiwilligen Tests.
Bei den Präventionsangeboten des Leipziger Vereins in Dörfern Malawis herrscht oftmals auch Andrang bei den zugleich durchgeführten freiwilligen Tests. Quelle: privat
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Leipzig

Es gibt Leute, die die Schlagzeilen nicht gerade suchen. Die engagieren sich einfach. Nur ab und an, da möchten sie schon mal gern davon berichten. „Weil alle, die uns unterstützen, natürlich auch erfahren sollen, was dank ihrer Hilfe wieder gewachsen und geworden ist“, sagen beispielsweise Christina (47) und Torsten Klein (46) – mit Blick auf ihren Förderverein Aids-Hilfe-Malawi. Mit dessen Gründung 2007 hatte sich das Leipziger Mediziner-Ehepaar auf die Fahnen geschrieben, die in dem zentralafrikanischen Land stark verbreitete Infektionskrankheit zu bekämpfen. Wobei sie seither immer wieder auf den Beistand vieler Leipziger, aber auch überregionaler Spender bauen konnten. „Besonders zu erwähnen ist da das bereits jahrelang bestehende Engagement des Outdoor-Ausrüsters ,Tapir‘ in Leipzig, des Rotary-Clubs Leipzig und des Lions-Clubs Haldensleben“, merkt Christina Klein an.

Regelmäßig, wie auch dieses Jahr, setzen sich die Kleins und ihre Mitstreiter in den Flieger und kümmern sich um laufende Projekte vor Ort: Das ist in erster Linie die Gesundheitsstation in Chenyama, nahe dem Malawi-See. Den massiven Ziegelbau mit Behandlungsräumen und Platz für Schulungen, in Form einer Mütterberatung etwa, unterhält der Verein mit allem Drum und Dran zum Beispiel aus Spendengeldern. Sachmittel steuert zum Teil das zuständige Distriktkrankenhaus bei. „Inzwischen haben wir dort fünf ausgebildete Mitarbeiter stationiert, sogenannte Home Based Care Worker, die Bewohner in ihren Hütten aufsuchen und eine Grundpflege durchführen. Reichlich 100 Personen werden so derzeit betreut“, sagt Christina Klein. Nachgeschaut werde zum Beispiel, ob HIV-positive Kinder regelmäßig ihre Medikamente einnehmen; ob betagte Menschen, die keine Kinder mehr haben und krank sind, Hilfe benötigen und dergleichen mehr.

„Sehr froh sind wir, dass sich unsere Kinderprojekte – speziell unsere Vorschuleinrichtung – so gut entwickeln. Dort werden mittlerweile 170 Waisen und Halbwaisen betreut und regelmäßig gesundheitlich gecheckt. Wir konnten vier einheimische Betreuungskräfte einstellen und haben es geschafft, dass die Kinder einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommen. Denn Unterernährung ist in dem Land nach wie vor ein Problem.“ Das alles zu finanzieren, würden auch immer wieder Schüler und Lehrer des Leipziger Kepler-Gymnasiums helfen, sagt Christina Klein.

In diesem Jahr sei für die Vorschule auch ein kleines Küchengebäude gebaut worden. Bislang hätten Frauen der Umgebung das Essen für die Kinder in ihren Hütten gekocht und dann zur Schule transportiert, was zum einen umständlich und zum anderen auch hygienisch problematisch war. „Komplett ließ sich das mit Fördermitteln der Stiftung Nord-Süd-Brücken finanzieren“, freut es die Kleins und ihre Mitstreiter noch immer.

Des Weiteren fahre nach wie vor ein von den Leipzigern organisiertes Team von HIV-Testern in Malawi unermüdlich Dörfer ab, um Präventionsangebote zu unterbreiten. Eine besondere Zielgruppe dafür seien die Heranwachsenden. „Von den 17 Millionen Einwohnern des Landes ist immerhin ein Großteil unter 15 Jahre alt“, weiß Christina Klein. „Die Präventionsangebote für Kinder sind spielerisch aufbereitet. Entsprechende kleine Theaterstücke kommen allerdings auch bei den Älteren gut an. Und am Ende kann sich, wer es möchte, auch einem freiwilligen HIV-Test unterziehen. Die dafür genutzten sogenannten Testkits sowie die gegebenenfalls erforderlichen HIV-Medikamente werden über den Bill und Melinda Gates Fond finanziert.“

Worauf die 76 deutschlandweiten plus 14 Vereinsmitglieder in Malawi ein bisschen stolz sind: „Als wir 2007 hier antraten, um für den Kampf gegen Aids einen Beitrag zu leisten, waren zwölf Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. Aktuell sind es fünf Prozent!“, erzählt Torsten Klein. Ganz sicher sei eine intensive Präventionsarbeit dafür ein Grund. Und die hatte nicht zuletzt der Leipziger Förderverein maßgeblich in Malawi mit angeschoben. Er trug zudem dazu bei, dass bislang fast 6000 Menschen auf eine HIV-Infektion getestet wurden.

„Zugleich ist der Rückgang der Zahl von HIV-Infizierten aber auch der Tatsache geschuldet, dass es inzwischen mehr kostenlose Therapiemöglichkeiten für die Menschen in Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, gibt“, betont Torsten Klein. „Und erhalten Betroffene eben die richtigen Medikamente, können sie auch virusfrei werden und die Krankheit nicht mehr übertragen.“

Förderverein Aids-Hilfe Malawi; E-Mail aids-hilfe-malawi@gmx.de; www.aids-hilfe-malawi.gmx.de. Spendenkonto bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank; IBAN: DE62 3006 0601 0007 0033 15; BIC: DAAEDEDDXXX.

Von ANGELIKA RAULIEN