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Lokales „Alle verstehen sich – bis zum Tod“ – LVZ-Leserforum zum Thema Erbe
Leipzig Lokales „Alle verstehen sich – bis zum Tod“ – LVZ-Leserforum zum Thema Erbe
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18:49 07.11.2017
Gaben beim LVZ-Leserforum Tipps und Ratschläge zum Thema Erbe & Testament: Susann Sperling (Verbraucherzentrale Sachsen), Notarin Annika Schwenk und Notarin Cornelia Jänicke (von links). Moderiert wurde der Abend im Gewandhaus von LVZ-Vizechefredakteur André Böhmer (rechts).
Gaben beim LVZ-Leserforum Tipps und Ratschläge zum Thema Erbe & Testament: Susann Sperling (Verbraucherzentrale Sachsen), Notarin Annika Schwenk und Notarin Cornelia Jänicke (von links). Moderiert wurde der Abend im Gewandhaus von LVZ-Vizechefredakteur André Böhmer (rechts). Quelle: André Böhmer
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Drei Vorträge und jede Menge Fragen aus dem Publikum: Das LVZ-Leserforum zum Thema Erben und Testament stieß auf großes Interesse. Die Notarinnen Cornelia Jänicke und Annika Schwenk sowie Susann Sperling von der Verbraucherzentrale Sachsen standen rund 90 Minuten Rede und Antwort. Und danach ließen sich Leser noch ganz persönlich beraten Wie brisant in einer Familie das Thema nach einem Sterbefall werden kann, brachte Notarin Schwenk in ihrem Vortrag auf den Punkt: „Alle verstehen sich – bis zum Tod.“ Wir dokumentieren die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist ein Berliner Testament?

Ein Berliner Testament ist eine Ausprägung eines gemeinschaftlichen Testaments, das Sie gemeinsam mit Ihrem Ehegatten errichten. Sie setzen sich darin gegenseitig als Erben ein und bestimmen einen Schlusserben, meist eines Ihrer Kinder.

Mein Ehemann ist verstorben. Kann ich als Überlebende ein zwischen mir und meinem Mann bestehendes gemeinsames Testament ändern?

Das ist abhängig davon, ob im Testament eine Abänderungsvereinbarung getroffen wurde. Sie müssten prüfen lassen, ob Sie in Ihrem Testament verfügt haben, dass der Überlebende das Testament abändern beziehungsweise ein neues Testament aufsetzen kann. Wenn eine solche Öffnungsklausel fehlt, ist es nicht möglich, das Testament zu ändern.

Wer ist denn überhaupt pflichtteilsberechtigt?

Einen Anspruch haben nur Ehegatten und Abkömmlinge. Das sind hier sowohl Kinder, wobei eheliche und uneheliche gleichgestellt sind, aber möglicherweise auch Enkel. Diese treten an die Stelle eines vorverstorbenen Kindes. Hinterlässt ein Erblasser keine Abkömmlinge, haben auch dessen Eltern einen Pflichtteilsanspruch. Nicht berechtigt sind dagegen Geschwister, Nichten, Neffen, Cousins und Cousinen.

Wie hoch ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist ein Anspruch auf Zahlung von Geld und richtet sich gegen die Erben. Er beträgt die Hälfte dessen, was dem gesetzlichen Erben am Nachlass zugestanden hätte.

Bis wann nach dem Tod des Erblassers gibt es den Pflichtteil?

Ein Pflichtteilsanspruch muss vom Berechtigten bei den Erben geltend gemacht werden. Er unterliegt einer dreijährigen Verjährungsfrist. Diese beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem der Berechtigte Kenntnis vom Erbfall und seiner Enterbung hatte oder hätte haben müssen. Nach der Frist kann der Anspruch nicht mehr durchgesetzt werden.

Gibt es Möglichkeiten, den Pflichtteil zu reduzieren?

Ja. Mit einem Testament bestimmen Sie als Erblasser den Kurs und was mit Ihrem Erbe passieren soll. Ansprüche von Kindern können durch eine vorausschauende Nachlassplanung erheblich vermindert werden. Beispielsweise kann der Wert des zu vererbenden Vermögens dadurch herabgesetzt werden, dass bereits zu Lebzeiten Teile des Vermögens an Kinder verschenkt werden. Lebt der Erblasser nach einer solchen Schenkung noch mindestens zehn Jahre, ist das verschenkte Vermögen bei der Berechnung des Pflichtteilsanspruchs, außer bei Ehegattenschenkungen, nicht mehr zu berücksichtigen.

Doch auch wenn der Erblasser schon vorher verstirbt, reduziert eine vorgenommene Schenkung die Pflichtteilsansprüche. Denn der Wert des verschenkten Vermögens wird im Zeitraum von zehn Jahren jährlich um ein Zehntel abgeschmolzen. Verstirbt ein Erblasser sechs Jahre nach einer Schenkung, werden vom verschenkten Gegenstand nur 40 Prozent zum Ansatz gebracht. Schenkung kann sich also lohnen. Zudem besteht die Möglichkeit, durch Anordnung einer sogenannten Vor- und Nacherbfolge die Ansprüche von Pflichtteilsberechtigten zu verhindern.

Was gehört alles zum Nachlass?

Der Nachlass umfasst alles, was sich zum Zeitpunkt des Todes im Eigentum des Erblassers befindet. Dazu gehören Grundstücke, Barvermögen, Wert¬papiere, Hausrat, Autos, Kunstgegenstände und weiteres Vermögen, aber auch Schulden. Lebensversicherungen gehören dann zum Nachlass, wenn kein Bezugsberechtigter benannt ist.

Ich bin nach dem Testament als Erbe eingesetzt worden. Inzwischen habe ich erfahren, dass der Erblasser Schulden hinterlassen hat. Was kann ich tun?

Sie haben die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Dabei gilt das Prinzip: Alles oder nichts. Die Ausschlagungserklärung kann zur Niederschrift vom Nachlassgericht oder schriftlich vor einem Notar aufgenommen werden. Entscheidend ist, dass diese Erklärung innerhalb der Ausschlagungsfrist (sechs Wochen) beim zuständigen Nachlassgericht eingegangen sein muss.

Wie errichte ich handschriftlich ein Testament, damit es auch anerkannt wird?

Grundsätzlich gibt es folgende Formvorschriften: Ein Testament muss vom Erblasser von Anfang bis Ende mit der Hand geschrieben und – am besten mit Vor- und Familiennamen – unterschrieben sein. Zudem sollte das Datum und der Ort der Erklärung angegeben werden. Bei gemeinschaftlichen Testamenten schreibt ein Ehegatte das Testament mit der Hand und beide Ehegatten unterschreiben. Oftmals jedoch sind handschriftliche Testamente auslegungsbedürftig, da sie nicht juristisch eindeutig formuliert sind. Es empfiehlt sich daher, vor der Errichtung des Testaments eine rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Wollen Sie ganz sicher gehen, sollten Sie Ihr Testament durch einen Notar erstellen und beurkunden lassen.

Mein Mann und ich haben in zweiter Ehe eine Tochter. Ich habe in diese Ehe ein Haus mitgebracht. Mein Mann hat aus erster Ehe zwei Söhne. Haben diese nach seinem Tod Anspruch auf mein Haus?

Die Antwort hängt vor allem davon ab, wer von Ihnen zuerst versterben sollte. Verstirbt Ihr Mann vor Ihnen, hat die Immobilie, die in Ihrem Alleineigentum steht, mit der Erbfolge nach Ihrem Mann nichts zu tun. Sollten Sie jedoch vor Ihrem Ehemann versterben und dieser durch Gesetz oder Testament Ihr Erbe werden, erhält er auch etwas von Ihrer Immobilie. Dies bedeutet wiederum, dass die Söhne Ihres Mannes nach dessen Tod ebenfalls von Ihrer Immobilie profitieren werden.

Entweder werden sie (Mit-)Erben nach dem Vater oder ein den Söhnen zustehender Pflichtteilsanspruch erhöht sich, da der Wert des Pflichtteils auf Grundlage des Nachlasses ermittelt wird, zu dem auch das vom Ehemann ererbte Haus zählen würde. Dieses Risiko können Sie jedoch durch eine lebzeitige Übertragung oder eine geschickte Testaments¬gestaltung umgehen. Über die jeweiligen Vor- und Nachteile sollten Sie sich beraten lassen.

Muss ich als Erbe die Onlinekosten, die durch einen Vertrag zustande kommen und auch nach dem Tod des Erblassers weiterlaufen, zahlen?

Auch wenn Ihnen die Zugangsdaten fehlen, sind Sie prinzipiell verpflichtet, die Kosten zu zahlen. Denn auf den Erben als Gesamtrechtsnachfolger gehen auch die vom Erblasser abgeschlossenen Verträge über und Verträge sind einzuhalten. Allerdings besteht die Möglichkeit zur Kündigung.

Notiert von Karen Arnold

www.notarkammer-sachsen.de