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Lokales Alleinerziehende Mutter: Wer suchet, der findet nicht
Leipzig Lokales Alleinerziehende Mutter: Wer suchet, der findet nicht
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22:00 14.02.2017
Noch immer auf der Suche nach einem Kita-Platz in der Südvorstadt: Cynthia Friedrichs (32) mit Tochter Pola (1). Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Ein kleiner Stoff-Hase und ein halbes Brötchen genügen, um die kleine Pola zufriedenzustellen. Sie ist eines dieser Kinder, die eher ruhig sind, lieber die Nähe ihrer Mama suchen, anstatt die Umgebung zu erkunden. Schließlich verbringt das 16 Monate alte Mädchen auch den ganzen Tag mit der Mutter. Ein glückliches Leben, aber auch ein entbehrungsreiches. Denn Cynthia Friedrichs ist alleinerziehend, hat ihren Job als Regisseurin und Autorin am Theater der jungen Welt und am Centraltheater vor der Geburt aufgegeben, um sich um ihre Tochter zu kümmern.

Nun möchte sie ins Berufsleben zurück, wieder Geld verdienen, auch und besonders für ihr Kind. Seit einem halben Jahr befindet sie sich deshalb auf einer Odyssee, die viele junge Eltern kennen: Ein Kita-Platz in der Südvorstadt muss her – auch damit die kleine Pola mit anderen Kindern lernen und spielen kann.

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In einem Schreiben an die LVZ berichtet Friedrichs von der verzweifelten Suche nach einem Betreuungsplatz. Den Bedarf dafür hatte sie im April 2016 fristgemäß sechs Monate vor dem gewünschten Betreuungstermin angemeldet. Von den fünf Wunsch-Kitas sagten prompt zwei ab, die übrigen haben sich bis jetzt nicht gemeldet. Nun hat Friedrichs die Sache selbst in die Hand genommen, sucht täglich auf dem Internetportal der Stadt nach spontan frei gewordenen Plätzen – ohne Erfolg.

Im September meldete sich die 32-Jährige auf Anraten von Bekannten bei Juniko.de an. Das Webportal kümmert sich um die Kommunikation mit dem Jugendamt und hilft, falls nötig, den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Kita-Platz gerichtlich durchzusetzen. Bisher bekam die junge Mutter aber lediglich Angebote für eine Tagespflegeperson. Friedrichs besteht jedoch auf einer Kindertagesstätte.

Laut Rechtsanwalt Steve Winkler ist Tagespflege aber auch keine Übergangslösung: „Ist jemand versorgt, rutscht er in der Prioritätenliste des Jugendamtes ganz nach unten. Wer eine Kita möchte, dem kann aber keine Tagespflege aufgezwungen werden.“ Die Priorisierung anhand der Lebensumstände der Eltern ist ohnehin ein Problem: Sie erfolge nach unklaren Kriterien, eine juristische Diskussion sei unmöglich, so Winkler.

Friedrichs befindet sich in einem Teufelskreis: Ohne Kita-Platz kein Job und ohne Job keine hohe Priorität beim Jugendamt. „Für die Stadt bin ich wohl einfach nicht relevant genug“, so die gebürtige Göttingerin. Die Folge: „Ich muss mich rund um die Uhr um meine Tochter kümmern, kann ihr aber nichts bieten.“

Nun kam es zum Gespräch zwischen Friedrichs, Rechtsanwalt Steve Winkler und Juniko-Geschäftsführerin Mandy Rost. Letztere konnte für Klarheit in dieser so verworrenen wie komplizierten Angelegenheit sorgen. Jetzt soll es in doppelter Hinsicht weitergehen: Eine Verzögerungsrüge wird, so die Hoffnung, für mehr Druck bei der Stadt sorgen, ebenso wie der Antrag auf ein Eilverfahren. Allein die Aussicht auf ein langwieriges Verfahren hätte bisher immer eine Lösung herbeigeführt. Das macht aber auch Winklers Arbeit nicht einfacher, denn ohne Referenzurteile sei es schwer, konkret zu argumentieren.

Für Cynthia Friedrichs und vor allem Pola erscheint die Aussicht auf einen Kita-Platz in der Südvorstadt nun aber wieder etwas heller – hoffentlich kommt diese Geschichte bald zu einem Happy End.

Von Christian Neffe