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Lokales Alles nackt: Unverpackt-Läden in Leipzig
Leipzig Lokales Alles nackt: Unverpackt-Läden in Leipzig
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06:19 21.08.2019
Kaffeebohnen zum Zapfen: Veronika Drefke im Unverpackt-Laden in der Josephinenstraße 12. Quelle: André Kempner
Leipzig

Beim Thema Plastik-Vermeidung winken viele ab: „Ein Einzelner kann eh nichts bewirken“, heißt es pauschal. Doch die aktuelle Entwicklung zeigt: Gibt es immer mehr Einzelne, die Produkte mit Verpackung meiden, muss die Industrie reagieren. Wie leicht oder schwer das Eindämmen von Kunststoff im Alltag ist, testet LVZ-Redakteur Mark Daniel im eigenen Zwei-Personen-Haushalt. Im fünften Teil geht’s um Unverpackt-Läden und hilfreiche Apps.

Der Aufenthalt in einem Unverpackt-Laden ist unweigerlich gekoppelt mit einem sauguten Gewissen. Wer hier einkauft, macht besonders viel richtig. Denn alles ist nackt. Egal ob Nudeln, Hülsenfrüchte, Nüsse, Shampoo, Seife, Öle, Gemüse und Obst – alles kann in mitgebrachte oder dort gekaufte Mehrweg-Behälter gefüllt werden. Logischerweise wird das in Verpackungen angeliefert, aber immerhin in 25-Kilo-Säcken, Mehrweg-Behältern oder Pfandeimern.

Waren aus regionaler Produktion

Regelrecht alteingesessen in der Nachhaltigkeits-Szene ist der Laden „Einfach unverpackt“ in der Südvorstadt, seit 2016 von Christin Neubert und Pierre Mischke betrieben. Die Regal-Inhalte kommen aus individueller und oft regionaler statt aus jener Massen-Produktion, die Discountern ihren teilweise irrsinnigen Konkurrenzkampf ermöglicht. Daher liegen die Preise zum Teil auf Bioladen-Niveau, oft aber auch darunter.

Das Geschäft ohne Plastiktüten

Bald vier Unverpackt-Läden in Leipzig

Nicht jeder kann sich einen regelmäßigen Einkauf in Unverpackt-Läden leisten, trotzdem wächst ihre Anzahl analog zum Problembewusstsein. Mischke und Neubert werden Anfang September eine Schleußiger Filiale eröffnen, in der Könneritzstraße 95. Im selben Monat zieht in Plagwitz Konkurrenz nach: Das Team von „Lieber lose“ baut momentan die Räume in der Weißenfelser Straße 22 um.

„Missionieren bringt nichts“

Bereits im Juni hat „Locker lose“ von Veronika Drefke und Kristin Zettl in Reudnitz eröffnet. „Wir haben kaum Werbung betrieben, trotzdem wächst der Kundenstamm schnell“, konstatiert Drefke. Der Geschäftsname steht auch für das Credo der beiden jungen Frauen: „Wir bieten locker Möglichkeiten an, und jeder entscheidet für sich, wie konsequent er in Sachen Verpackungsvermeidung sein möchte. Drängendes Missionieren bringt nichts.“ Übrigens: Wer für den Einkauf in der Josephinenstraße 12 eigene Behälter oder Beutel vergessen hat (wie ich mal wieder), kann sich kostenlos bei einer Auswahl gebrauchter Gläser bedienen.

Noch nicht überall angekommen

Vier Unverpackt-Läden also hat Leipzig ab September – in jenen Stadtteilen, in denen vor allem junge, umweltbewusst denkende Leute leben und die Mieten nicht allzu hochgeschossig sind. Im eher gesetzten, hipsterarmen Nordwesten oder Gohlis ist der Trend noch nicht angekommen. Auf meinem Weg zur Arbeit liegt jedenfalls kein Unverpackt-Laden.

Hilfreiche App

Nicht zu unterschätzen sind auch virtuelle Mittel, der Kunststoff-Flut zu begegnen. Mit der App „CodeCheck“ kann man via Smartphone Produkte auf Inhaltsstoffe überprüfen. Sie klärt darüber auf, ob das Erzeugnis beispielsweise Mikroplastik, Nanopartikel oder besagtes Palmöl enthält. Dazu gibt’s Vorschläge für bessere Alternativen. Wir haben’s getestet – funktioniert perfekt.

Tipps von Gleichgesinnten

Mit der App „Replace Plastic“ scannt man ebenfalls Barcodes; hier mit dem Ziel, dem Anbieter mitzuteilen, dass man sich das Produkt ohne die schädigende Verpackung wünscht. Gleichgesinnte findet man auf der Facebook-Seite „A cleaner world“, hier gibt man sich gegenseitig eine Menge hilfreicher Tipps. Und, na klar, spezielle Seiten zum Thema gibt’s im Internet fast wie ... Müll im Meer.

Mehr zur Serie „Plastikvermeidung“

Teil 1: Wie vermeide ich Plastik im Alltag? Ein Selbstversuch

Teil 2: Kunststoff kommt uns nicht in die Tüte

Teil 3: Die Daily Soap und ein Iltis-Problem

Teil 4: Wischen possible – wie man Reinigungsmittel selber macht

Von Mark Daniel

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