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Lokales Am Friedrich-List-Platz entsteht ein großes „Hotel für Dinge“
Leipzig Lokales Am Friedrich-List-Platz entsteht ein großes „Hotel für Dinge“
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09:02 26.03.2019
So sehen die Abteile beim Marktführer MyPlace-Selfstorage aus.
So sehen die Abteile beim Marktführer MyPlace-Selfstorage aus. Quelle: Foto: privat
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Leipzig

Am Eingang der Eisenbahnstraße sind jetzt zwei riesige rote Kräne zu sehen. Bestimmt entsteht hier noch ein Hotel, ein Büro- oder Wohnhaus, dürften viele Passanten glauben, die an der Großbaustelle vorübergehen. Doch in Wahrheit wird der 130 Meter lange Fünfgeschosser, der zwei Flügel an der Mecklenburger und Rosa-Luxemburg-Straße erhält, eine andere Funktion haben. Er soll als „Hotel für Dinge“ dienen, erklärt Nikolaus Lovrek von der Firma MyPlace-Selfstorage aus Wien.

Einzelhandel und Bäckerei im Erdgeschoss

„Im Juni oder Juli eröffnen wir unseren ersten Standort in Leipzig“, sagt Lovrek. „Mit 1000 Abteilen auf rund 5600 Quadratmetern Lagerfläche wird es dann nahe der City ausreichend Platz für allerlei Schätze und Habseligkeiten der Leipziger geben.“ Im Erdgeschoss ziehen ein größerer Einzelhandel und eine Bäckerei samt Café ein. „Das belebt den Standort am Friedrich-List-Platz. Der Besuch des Lagerabteils lässt sich so praktisch mit alltäglichen Besorgungen verknüpfen.“

1000 Lagerboxen wird das 130 Meter lange Selfstorage-Gebäude am Friedrich-List-Platz umfassen. Die Ein- und Ausfahrt für Anlieferungen per Auto oder Kleinbus befindet sich in der Rosa-Luxemburg-Straße 35. Quelle: André Kempner

Geschäftsidee stammt aus den USA

Die Firma MyPlace-Selfstorage wurde vor 20 Jahren in Wien gegründet – griff damals eine Idee aus den USA auf, wo es Mietlagerräume für Privatkunden schon seit den 1960er-Jahren vielerorts gab. Mit aktuell 46 Standorten in Deutschland, der Schweiz und Österreich habe man sich zum Marktführer im deutschsprachigen Raum emporgearbeitet, erklärte Firmenchef Martin Gerhardus jüngst zum Jubiläum. „Früher hatte man seine Sachen einfach in Kellern oder Dachböden verstaut, war meist ein Leben lang in einem einzigen Unternehmen oder zumindest in nur einer einzigen Stadt beruflich tätig.“ Doch heute seien die meisten Menschen viel mobiler, wechselten öfter den Job, die Stadt oder auch die Familienkonstellationen. „Das hat den Bedarf nach unserer Dienstleistung genährt“, so Gerhardus, dessen Firma nun 165 Beschäftigte zählt.

Videoüberwachung, Nummerncode und Wachdienst

Die Abteilgröße in dem Neubau reicht von einem bis zu 50 Quadratmetern. Für eine Mietgebühr, die bei sieben Euro pro Woche beginnt und von der Flächengröße abhängt, erhält der Kunde rund um die Uhr Zugang zu seinem Lagerraum und bei Bedarf einmalig bei Vertragsschluss einen Transporter kostenlos gestellt. Eine Zugangskontrolle per Nummerncode, Abteilschlüssel, Alarmanlage, Videoüberwachung und ein Wachdienst sorgten dafür, dass nichts von den Schätzen wegkommen kann – gleich ob Möbel, Autoreifen oder Playmobil-Sammlung, erläutert Lovrek. „In unserem Büro vor Ort kann man noch weitere Dienstleistungen nutzen: etwa eine Paketannahme organisieren, eine Versicherung abschließen oder Verpackungsmaterial erhalten.“

Bereits seit 2010 existiert die SelbstLagerBox eines Leipziger Unternehmens in der Ludwig-Hupfeld-Straße 16. Sie hat noch eine Filiale in der Nähe des Kohlrabizirkus und will in diesem Jahr einen neuen Standort „im Leipziger Süden“ eröffnen. Quelle: André Kempner

Fassade soll nicht wie bei einem Lagerhaus wirken

Die Fassade des Gebäudes wird nicht wie ein Lager wirken, sagt Robby Stamm, dessen Leipziger Ingenieurbüro die Bauarbeiten betreut. „Die Stadtplaner haben viel Wert auf ein ansprechendes Äußeres mit einer gläsernen Spitze gelegt. Auch die städtebauliche Lösung ist gelungen. Der östliche Teil der Rosa-Luxemburg-Straße erhält damit erstmals ein Entree.“

An der Rackwitzer Straße 56 gibt es seit 2012 eine „Lagerbox“ mit ähnlichen Serviceangeboten – sie gehört zur ältesten deutschen Kette aus Frankfurt/Main.

Leipziger Vorreiter hat ebenfalls neue Pläne

Vorreiter in Leipzig war indes die „SelbstLagerBox“ der Firma Store Unit GmbH. Sie startete 2010 ihr erstes Hotel für Dinge im Hupfeld-Center an der Ludwig-Hupfeld-Straße 16 in Leutzsch. Später kam eine Filiale am Kohlrabizirkus (An den Tierkliniken 42) hinzu. „Wir waren vor neun Jahren die Pioniere in Leipzig und haben den Bildungsauftrag seitdem tapfer vor uns hergetragen“, lacht Inhaber Mathias Ihle. Die neue Konkurrenz aus Wien sehe er ganz gelassen. „Eine Stadt mit fast 600 000 Einwohnern kann locker noch einen Großen vertragen. Zudem nützt es auch uns, wenn das Selfstorage-Angebot dadurch bekannter wird.“ Auch Ihles Firma möchte weiter wachsen, noch 2019 „einen weiteren Standort im Leipziger Süden“ eröffnen.

Von Jens Rometsch