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Lokales Amt spricht von „Naturkatastrophe“ – Leipzig fehlt eine Milliarde Liter Wasser
Leipzig Lokales Amt spricht von „Naturkatastrophe“ – Leipzig fehlt eine Milliarde Liter Wasser
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19:55 22.08.2018
Orte sichtbarer Dürre und Wasserarmut: der Johannapark am Rande der City (oben) sowie der halb leere Silbersee-Stausee in Lößnig (links). Quelle: Fotos:
Leipzig

Die kurzen Sommergewitter in den letzten Tagen reichen bei weitem nicht aus, um die Dürre-Schäden in Leipzig zu beheben. Das erklärte das Amt für Stadtgrün und Gewässer auf LVZ-Anfrage. „Damit sich die leeren Teiche wieder füllen und die Wiesen erholen, bräuchte es eine anhaltende, längere Niederschlagsperiode“, so Amtsleiter Rüdiger Dittmar. „Ein paar Tage Regen reichen da nicht.“

Regendefizit von 260 Litern pro Quadratmeter

Seit Ostern seien im Stadtgebiet keine nennenswerten Niederschläge registriert worden. „Durch aktuelle Tiefbauarbeiten – unter anderem in Grünau – sehen wir, dass die Böden bis in eine Tiefe von drei Metern komplett ausgetrocknet sind“, erläuterte Gerald Biehl als Sprecher des Amtes. Infolge der nun schon lang anhaltenden Dürre bestehe aktuell ein Niederschlagsdefizit von rund 260 Litern pro Quadratmeter. Allein für die 400 Hektar öffentliche Grünflächen bedeute dies, dass mehr als eine Milliarde Liter Wasser fehlen. „Es ist schlichtweg eine Naturkatastrophe, die wir akzeptieren müssen. Selbst wenn so eine Stadt wie Leipzig alle verfügbaren Ressourcen bei Technik, Personal und Wasser einsetzen würde, wäre das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, erläuterte der Sprecher.

Bürger sollen Straßenbäume gießen

Die Kommune, Wasserwerke, Freiwillige Feuerwehren und Stadtreinigung richteten ihr Hauptaugenmerk nach wie vor auf den Schutz noch junger Bäume und Sträucher, die ein geringes Wurzelvolumen haben. Die Bürger seien weiterhin aufgerufen, beim Gießen der insgesamt 56 500 Straßenbäume in Leipzig zu helfen – jeder bräuchte eigentlich 50 bis 150 Liter Wasser pro Woche. „Rasenflächen in Größenordnungen zu bewässern, macht einfach keinen Sinn. Der Aufwand rechtfertigt den Nutzen nicht. Es werden Nachsaaten erfolgen müssen“, so Biehl.

Kommune lässt kein Gras mehr mähen

Berichte von LVZ-Lesern wie Roland Lennig aus Heiterblick, dass selbst jetzt noch völlig vertrocknete Wiesen durch Fachfirmen gemäht würden, könnten sich nur auf private Flächen beziehen, hieß es bei der Stadtreinigung. Im Auftrag der Kommune werde seit Wochen nicht mehr gemäht. Eine Ausnahme bildeten nur Flächen, bei denen Gehölze stark aus dem Boden drücken. Deren Verbreitung solle gestoppt werden, erläuterte ein Sprecher.

Teiche in Ortsteilen am Stadtrand fast leer

Nach fast fünf Monaten Trockenheit weisen die meisten Teiche und Seen in Leipzig nur noch Niedrigstände auf oder sind gänzlich versiegt. Besonders drastisch sei die Lage bei den Teichen in den Ortsteilen am Stadtrand. Ebbe herrsche aber zum Beispiel auch im vorderen Rosentalteich, der keinen Zufluss hat und verdunstet ist. Oder im Erholungspark Dölitz/Lößnig, wo sich der Stausee – nach einer Reparatur von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 – eigentlich seit dem Frühjahr allmählich wieder füllen sollte. „Das hatten wir im April so mitgeteilt, nicht ahnend, dass es seitdem keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben hat“, berichtete Biehl. Die nun leeren Gewässer müssten sich und zwar hoffentlich bald auf natürliche Weise wieder füllen. Der Anglerverband Leipzig sei ständig im Einsatz, um Fische zu retten. Nur in den Teichen mit vorhandenen Pumpstationen – wie an der Anton-Bruckner-Allee oder im Johannapark – werde der normale Wasserstand weiterhin gewährleistet.

Schadenshöhe steht erst im nächsten Frühling fest

Die Schadenshöhe könne erst im Frühjahr 2019 bestimmt werden, sagte Biehl weiter. „Dann werden wir sehen, welche Bäume nicht mehr ausschlagen und wo die Wiesen nicht zu retten sind.“ Gras sei ursprünglich ein Wüstengewächs und erhole sich schnell, erklärte die Stadtreinigung. Das Problem sei eher, dass stark genutzte Böden (wie in Parks) sich in langen Dürrezeiten extrem verfestigen können. Dann gehe es nicht mehr darum, dass der Grassamen für 500 Quadratmeter etwa 80 Euro kostet. Vielmehr müssten Bodenschichten aufwendig aufgelockert oder vollständig ausgetauscht werden.

Von Jens Rometsch

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