Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Immer mehr Müll an Seen in und um Leipzig
Leipzig Lokales Immer mehr Müll an Seen in und um Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:33 19.06.2019
Natur erleben?Der Anglerverband Leipzig stöhnt über den Müll an seinen Gewässern, die auch zum Baden genutzt werden, wie hier am Werbener See. Quelle: Anglerverband Leipzig
Leipzig

„Vielleicht wäre es das Beste, das ganze Zeug einfach liegen zu lassen. Dann kommen irgendwann keine Leute mehr, die in dem Dreck liegen wollen.“ Friedrich Richter vom Anglerverband Leipzig hat die Nase gestrichen voll. Täglich geht eine Hiobsbotschaft nach der anderen in der Anglerzentrale in Engelsdorf ein:

Da wird an den Schönauer Lachen wild gefeiert, werden Berge von Flaschen liegen gelassen. „Und das Ordnungsamt ruft uns an, dass wir das Feiern beenden sollen“, wundert sich Richter. Die Lachen gehören zwar dem Verband, „aber um Zäune in der Landschaft aufstellen zu dürfen, müssten wir erst einen aufwändigen Bebauungsplan aufstellen lassen“, erläutert er. Davon abgesehen, dass Zäune teuer sind – und ohnehin niemanden vom Baden und Feiern abhalten würden. „ Wir haben als Verband gut 60 Schranken zu unseren Gewässern aufgestellt“, sagt Richter. Die Folge: „Die Schlösser werden geknackt. Rund 50 müssen wir jedes Jahr erneuern lassen. Macht 2000 Euro.“

An den Schönauer Lachen im Leipziger Westen finden regelmäßig große, illegale Partys statt. Hier das Ergebnis eines „Festes“. Quelle: Anglerverband Leipzig

An der Kiesgrube Kleinpösna räumen die Angler monatlich auf. „Die Zufahrt ist immer im Sommer an den Wochenenden trotz Parkverbot zugeparkt“, berichtet Richter. Die Badenden kommen zuhauf, zahlen nichts, aber lassen Berge von Unrat zurück. „Wir haben mal versucht, Badebereiche und Angelbereiche mit Schildern zu trennen“, erzählt Richter. „Das hat niemanden interessiert.“

Vor dem Naturbad Südwest Großzschocher legen Unbekannte regelmäßig Berge von Bauschutt ab – vor einer Schranke, die der Verband hat aufstellen lassen, weil die Berge früher am Ufer des Sees landeten.

An den Seen im Umland ist es genauso schlimm. Richter nennt die Wochenenden am Haselbacher See eine Katastrophe. „Müll in Unmengen, alle Straßen sind trotz Parkverbot zugeparkt.“ Am Harthsee bei Borna sei eigens vor Himmelfahrt noch Müll gesammelt worden. Richter: „Hat keinen Sinn, Himmelfahrt und Pfingsten sind vorbei, der Müll ist wieder in Unmengen da, die Badegäste beschweren sich bei uns, dass wir den Müll wegräumen sollen, den sie selber hinterlassen haben.“ Ähnliches weiß er auch vom Werbener See und der Kiesgrube Eilenburg zu berichten.

Diesen Müllberg fanden Angler beim Frühjahrsputz am Naturbad Südwest in Großzschocher vor. Quelle: Anglerverband Leipzig

Die Petrijünger räumen mindestens zweimal im Jahr an ihren Gewässern auf, an einigen besonderen auch öfter. „Man kann den Anglern nicht noch mehr zumuten. Schließlich zahlen sie dafür, dass sie dort angeln dürfen“, findet Richter. Nur an den wenigsten Gewässern habe der Anglerverband auch Einnahmen durch Badende – wie etwa am Haselbacher See im Südraum, wo eigens ein Parkplatz gebaut wurde.

60.000 Euro kostet der Müll an einem See

Am Kulkwitzer See und am Cospudener See hat Betreiber Chris Conrad seit Jahren Erfahrungen mit dem Müllsammeln. Er glaubt inzwischen an ein typisch sächsisches Problem. „In anderen Regionen Deutschlands ist das mit dem Müll weniger schlimm“, so sein Eindruck. „Ich komme mir hier inzwischen vor wie in Indien. Alles wird einfach fallen gelassen.“ Allein am Kulkwitzer See habe die Müllentsorgung im Vorjahr rund 60 000 Euro gekostet, erzählt er. „Und am Cossi wird es nicht weniger gewesen sein“, so Conrad.

Müllmengen nehmen deutlich zu

Genaue Zahlen über die Unmengen von Müll, die jährlich an den Seen eingesammelt und entsorgt werden müssen, liegen nicht vor. Die Große Kreisstadt Markkleeberg hatte im Frühjahr zum Saubermachen aufgerufen. Dabei listete Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD) die im vergangenen Jahr entsorgten Müllmengen auf. Danach hatte die Kreis-Kommune über ihre Seeentwicklungsgesellschaft EGW auf der Markkleeberger Seite des Cossis – dem schmaleren Strand im Osten – 21,44 Tonnen Müll beräumt; außerdem noch 25,22 Tonnen Müll am Markkleeberger See. Dem allgemeinen grünen Gewissen zum Trotz war dies ein deutlicher Anstieg: „Im Jahr davor waren es noch 17,65 und 18,25 Tonnen Müll“, hatte Schütze erklärt. Das ergibt ein Müll-Plus um mehr als ein Viertel.

Von Jörg ter Vehn

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Gärtner-Kollektiv Ackerilla und die Genossenschaft Kulturland wollen 15 Hektar Land bei Taucha sichern. Dort möchten die Organisatoren ab Herbst eine solidarische Landwirtschaft betreiben. Dafür werben sie nun um Unterstützung. Am 21. Juni gibt es im Rittergut Schloss Taucha mehr Informationen.

19.06.2019

Der Lehrbetrieb ist bereits im Gange. Offiziell feiert die HTWK ihre neue Fakultät „Digitale Transformation“ aber erst am Mittwoch mit Gästen aus Politik und Wirtschaft. Es wird wohl einer der letzten öffentlichen Auftritte von Gesine Grande als Rektorin sein. Zwei Wochen zuvor war sie beim Versuch gescheitert, eine zweite Amtszeit zu erlangen.

19.06.2019

Stadtwerke wollen Fernwärmevertrag mit dem Kohlekraftwerk Lippendorf bis 2030 verlängern

19.06.2019