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Lokales An der Alten Messe stehen 140 Kindergarten-Plätze leer
Leipzig Lokales An der Alten Messe stehen 140 Kindergarten-Plätze leer
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07:01 22.05.2019
In der Curiestraße an der Alten Messe ist für zwölf Millionen Euro ein Neubau entstanden, den sich nun die Förderschule Thonberg und eine kommunale Kita teilen. Die 140 Kindergarten-Plätze in der ersten Etage bleiben aber seit Wochen ungenutzt. Grund ist offenbar ein Personalmangel bei der Stadt Leipzig. Quelle: Jens Rometsch
Leipzig

Eigentlich könnte Leipzig stolz sein auf das, was hier beim Bau von Kindertagesstätten gewuppt wurde. Bis Ende 2019 soll es im Stadtgebiet 34 500 Betreuungsplätze geben. Das wären rund 8000 mehr als Anfang 2015. Doch die Personaldecke wuchs nicht ebenso schnell mit.

Neubau für zwölf Millionen Euro

In der Curiestraße hat die städtische Entwicklungsgesellschaft LESG jüngst einen schicken Neubau für zwölf Millionen Euro fertiggestellt. Den teilen sich – durchaus zukunftsweisend – die Schule Thonberg (mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) und eine neue kommunale Kita. Deren Krippe mit 45 Plätzen arbeitet seit März im Erdgeschoss, ist voll ausgelastet. Die Förderschule mit 80 Kindern nutzt seit Ende April das zweite und dritte Obergeschoss, erhielt unter anderem eine sporttaugliche Aula, eine Lernküche, eine Kinderwerkstatt, sogar einen Brennofen für Ton-Kunstwerke.

140 Kindergarten-Plätze versauern

Doch der erste Stock steht seit Wochen leer – obwohl er von den Schlafkissen bis zu Möbeln oder Spielsachen komplett bestückt ist. In dieser Etage sollte eigentlich längst der Kindergartenbereich mit 140 Plätzen arbeiten. Dafür fehle es aber leider an Personal, war jüngst bei einem Rundgang zu hören. „Ich bin empört, dass hier 140 Plätze versauern, während viele Eltern suchen“, erklärte Linken-Stadträtin Margitta Hollick bei dem Rundgang. Sie hatte sich – ebenso wie Katharina Krefft (Grüne), Karsten Albrecht (CDU), Siegfried Schlegel (Linke) und Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) – besonders für die Erweiterung der Pausen-Freiflächen für die Förderschule eingesetzt. Ein schwieriges Unterfangen, weil das ganze Neubauensemble innerhalb einer Straßenbahnwendeschleife an der Alten Messe unterkommen musste.

Noch keine Betriebserlaubnis

Auf Nachfrage der LVZ im Sozialdezernat gab es einige Tage später eine schriftliche Antwort, die viele Fragen offen ließ. Einerseits hieß es, zur Eröffnung des Kindergartenbereichs fehle noch die Betriebserlaubnis des Landesjugendamtes. Diese werde aber „in Kürze erwartet“. Danach wolle die Kommune die 140 Plätze schrittweise belegen. „Die Grundabsicherung des Personals im Kindergartenbereich Curiestraße wird von Fachkräften aus den Bestandseinrichtungen abgedeckt, die Interesse an einem Wechsel in die neue Einrichtung gezeigt haben.“ Heißt das, es ist alles in Butter?

An der Curiestraße in Leipzig ist dieser Neubau für eine Kombination aus Förderschule und Kita entstanden. Das erste Obergeschoss mit 140 voll ausgestatteten Plätzen für Kindergarten-Kinder steht jedoch seit Wochen leer. Quelle: André Kempner

In Reichelstraße 70 Plätze ungenutzt

Andererseits teilte das Dezernat im selben Schreiben mit, dass in neuen kommunalen Einrichtungen in der Reichelstraße 3 und 5 derzeit 70 Kita-Plätze frei seien. „Auch hier sind die freien Plätze jedoch nicht nur durch fehlendes Personal bedingt.“ Heißt das, teilweise aber schon?

Betreuer reichen nur für „eine erste Gruppe“

Stadträtin Hollick bohrte bei Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) nach. Sie erhielt eine Auskunft, laut der es bisher nur für „eine erste Gruppe“ in der Curiestraße „eine personelle Lösung“ gibt. Hollick vermutet, das Landesjugendamt konnte noch gar keine Betriebserlaubnis erteilen, weil die Stadt dafür erst genug Betreuungspersonal nachweisen müsste. Das Leipziger Jugendamt sei für alle ungenutzten Plätze verantwortlich. Der Stadtrat habe dieses Amt schon 2017 aufgefordert, sich um mehr Kita-Personal zu bemühen. Damals sei berechnet worden, dass bis ins Jahr 2019 zusätzlich etwa 1100 Betreuer vonnöten sind.

Viele Mitarbeiter beklagen sich bei GEW

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) häufen sich in letzter Zeit Klagen von Mitgliedern über eine immer löchrigere Personaldecke, so die Leipziger Kreisvorsitzende Ines Hartman. Bei Schwangerschaften oder längeren Erkrankungen werde von der Kommune oft nicht mehr oder erst sehr spät nachbesetzt, die Zahl der Überlastungsanzeigen von Mitarbeitern steige. Zumal für neue Kitas noch qualifiziertes Personal aus den bestehenden Häusern abgezogen werde.

Eine Fensterecke in der bislang ungenutzten Etage mit 140 Kita-Plätzen an der Curiestraße. Quelle: Jens Rometsch

Stadt weiß nichts von Problemen bei freien Trägern

Auch alle freien Träger hätten längst den Personalmangel als Hauptproblem, sagte Matthias Heinz von der Kindervereinigung Leipzig am Dienstag. Hingegen erklärte das Sozialdezernat in seiner Antwort an die LVZ: „Seitens der freien Träger liegen uns keine Problemanzeigen vor.“

“Spürbare Entspannung“ nach den Sommerferien

Bleibt zu hoffen, dass eine weitere Antwort des Dezernates an die LVZ stimmt: „Nach Abgang der Schulanfänger im September wird es eine spürbare Entspannung der Bedarfslage geben. Neue Einrichtungen gehen bis Ende des Jahres bzw. im 1. Quartal 2020 ans Netz, so dass davon ausgegangen wird, dass dann eine wohnortnahe Betreuung für die Kinder unserer Stadt sichergestellt sein wird.“

Von Jens Rometsch

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