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Lokales Junge Ärztin aus Leipzig wird bei Instagram zur Influencerin
Leipzig Lokales Junge Ärztin aus Leipzig wird bei Instagram zur Influencerin
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11:40 02.07.2019
Julia Kwasniak vor der Bibliothek in der Liebigstraße in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Julia Kwasniak atmet durch. Endlich liegt die Klausurenphase hinter ihr. „Donnerstag Pharma, Freitag Mibi “, zählt sie die Themen (Pharmazie und Mikrobiologie) der letzten beiden Arbeiten auf. Mitten im Lernstress ist sie mit Kopfschmerzen aufgewacht, die sie mit „NSAIDs“ (Nichtsteroidales Antirheumatikum) in den Griff bekommt. Aber: „Der Tag vergeht, und in den vergangen fünf Stunden habe ich ungefähr 45 Minuten wirklich gelernt.“ Die bestandenen Klausuren feiert sie schließlich am Wochenende mit 20 000 anderen Medizinstudenten auf einem Thüringer Flugplatz.

Das alles kann man wissen, ohne Kwasniak zu kennen. Auf ihrem Profil im sozialen Netzwerk Instagram dokumentiert sie ihren Studienalltag – inklusive der geläufigen Abkürzungen. Mehr als 13 000 Nutzer folgen ihrem Account „juleunddiemedizin“. Für ihre Tätigkeit hat sie einen eigenen Hashtag kreiert: #Medfluencerin. Eine Mischung aus ihrem Fachgebiet Medizin und dem Begriff des Influencers. Also jenen Mitgliedern von sozialen Netzwerken, denen besonders viele andere Nutzer folgen und die deshalb eine große Reichweite besitzen („to influence“, englisch für „beeinflussen“).

„Es ist auch mein Kummerkasten“

Vor zwei Jahren erstellte Kwasniak den Account, „um ehrlich zu zeigen, wie das Medizinstudium ist“, erzählt sie in einem Café in der Innenstadt. Denn das perfekte „Mediziner-Leben“, mit dem sich einige ihrer Kommilitonen öffentlich brüsteten, gebe es nicht: „Keiner sitzt von 8 bis 24 Uhr am Schreibtisch und schreibt immer Einsen.“ In der Scheinwelt der sozialen Medien möchte sie authentische Einblicke in das Medizinstudium gewähren – und so Studieninteressierte aufklären und sich mit anderen „Medis“ austauschen.

Einmal in der Woche erscheint ein Post von ihr, daneben schreibt sie längere Beiträge auf einem Blog. Mal berichtet Kwasniak über ihre Famulatur (Praktikum) in der Kardiologie, ihren „Präpkurs“ (Anatomiekurs) oder das Physikum (Staatsexamen in der Medizin). Aber auch Motivationsprobleme, Zweifel am Studium und wie es sich anfühlt, durch eine Prüfung zu rasseln, schildert sie. Angefangen hat sie ihre Alltagsdokumentation, weil sie „etwas loswerden wollte“ und um das Studium zu verarbeiten: „Es ist auch mein Kummerkasten.“

Fragen zum Studium – und Heiratsanträge

Die Mischung aus fachlichen und privaten Einsichten kommt bei ihrem Publikum gut an. „Ich hoffe sehr, diese Art von Ärzten ersetzt in der nahen Zukunft die vielen gelangweilten Götter in Weiß“, schreibt eine Nutzerin unter einen von Kwasniaks Beiträgen; einer von durchschnittlich mehr als 50 Kommentaren pro Posting. Daneben bekommt sie 20 bis 30 Nachrichten pro Woche mit Fragen zum Studium und ihrem Alltag – Heiratsanträge waren auch schon dabei. „Solche Nutzer werden von mir direkt geblockt. Sonst bekommt jeder eine Antwort.“

Dieses Beispiel-Bild von Julia Kwasniaks Instagram-Account zeigt die Medizin-Studentin mit Arztkittel und Stethoskop. Quelle: Julia Kwasniak

Die Liebesbekundungen muten auch deshalb etwas komisch an, weil die 22-Jährige selbst gar nicht auf den von ihr geteilten Fotos zu sehen ist. Zwar gibt es Bilder von ihr in Arztkittel und Krankenhaus-Kleidung – von ihrem Gesicht ist aber höchstens mal ein rot bemalter Mund zu sehen. Die meisten Aufnahmen zeigen ihren Schreibtisch oder ihr Bett aus der Vogelperspektive, darauf Lehrbücher oder Laptop und oftmals eine Kaffeetasse. Setzt sie auf Geheimniskrämerei, um den Account interessanter zu machen?

Kritik an der Optik

„Für mich ist die Anonymität ein Schutz – ich möchte nicht die im Jahrgang sein, die jeder erkennt“, sagt sie. Zudem gehe es im Medizin-Studium durchaus konkurrenzbetont zu. Kwasniak will nicht, dass jeder sehen kann, durch welche Klausur sie gefallen ist. Und: „Es gibt auch Leute, die finden das nicht so super, was ich mache.“ Vor allem die Gestaltung ihrer Bilder ruft Kritik hervor: Zu glatt, zu perfekt, nicht realitätsgetreu. Tatsächlich wirken die Fotos allesamt arrangiert. Stethoskop und Notizbücher sind stets akkurat in Szene gesetzt – der durchschnittliche Schreibtisch eines Studenten sieht anders aus. Die stylischen Hochglanz-Fotos stehen im Kontrast zu den ehrlichen Texten über ihren Alltag.

Beispiel-Bild vom Instagram-Account von Julia Kwasniak. Quelle: Julia Kwasniak

„Natürlich sind das gestellte Bilder, das ist nicht das echte Leben“, sagt die Sechst-Semesterin selbst. „Aber es macht mir Spaß, mir ein Bildkonzept zu überlegen. Und ich will ja selbst schöne Fotos auf Instagram sehen. Sonst würde ich niemanden erreichen, und es würde nicht so gut funktionieren.“ Dass sie gerne noch mehr Follower sammeln, vielleicht sogar einmal Geld mit ihrem Account verdienen würde, daraus macht sie kein Geheimnis. Drei bis vier Stunden benötigt sie für die Vorbereitung eines Posts, dazu beantwortet sie stundenlang Mails. „Wenn mir jemand dafür Geld anbieten würde, fände ich es schön.“ Verlage schicken ihr bereits Fachbücher kostenlos zu, ab und zu stellt sie Pflege-Produkte vor. Gefallen ihr bestimmte Lernutensilien, fragt sie den Hersteller an, ob sie das Produkt kostenfrei bekommt, um es auf ihrem Account zu präsentieren.

Aktuell hat die gebürtige Bambergerin die Hälfte ihres sechsjährigen Studiums absolviert. Danach könnte sie sich vorstellen, in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) zu arbeiten – und auch später als Ärztin den Account weiterzuführen. Hauptberuflich will sie aber nicht Influencerin sein. „Das Studium steht bei mir an erster Stelle. Ich will Ärztin werden und nicht Bloggerin.“

Von Maximilian König

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