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Lokales Anwohner verärgert – Rathaus hat kein Geld für den Bayrischen Platz
Leipzig Lokales Anwohner verärgert – Rathaus hat kein Geld für den Bayrischen Platz
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10:09 13.06.2019
Verschlissen und unattraktiv – am Bayrischen Platz wurde seit Jahren kaum etwas verändert. Die notwendige Neugestaltung verschiebt sich immer mehr. Quelle: Christian Modla
Leipzig

2008 kündigten Leipzigs Verkehrsplaner an, den Bayrischen Platz in den Jahren 2010/11 umzugestalten. Die Ankündigung kam damals von der Leiterin des Verkehrs- und Tiefbauamtes, die inzwischen längst in Rente ist. Auch der damalige Baubürgermeister ist schon lange nicht mehr im Amt – doch am Bayrischen Platz wurde nichts umgestaltet. Jetzt machen Anwohner Druck, weil ihnen die verschlissenen Fahrspuren immer mehr Lärm bescheren. Die Stadt habe ihnen versprochen, den wichtigen Kontenpunkt im Jahr 2018 umzugestalten, argumentieren sie. Die Planer im Rathaus widersprechen.

„Sie haben uns alles Mögliche versprochen“

„Wir haben alles versucht, aber offenbar interessieren unsere Probleme niemanden“, ärgert sich Wolfgang Freitag aus der Windmühlenstraße 35. Der heute 78-Jährige schreibt bereits seit dem Jahr 2006 Petitionen an den Stadtrat sowie an das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt. Auch an sämtliche Baubürgermeister hat er Schreiben versandt, in denen er die zunehmende Lärmbelastung für die Anwohner schildert. Einige Stadträte waren auch vor Ort. „Sie haben uns alles Mögliche versprochen“, berichtet Freitag. „Aber geschehen ist nichts.“

Oder besser: fast nichts. Denn im Jahr 2015 gab es zu den Lärmproblemen eine Einwohnerversammlung. Dort wurde den Anwohnern von einem Vertreter des Verkehrs- und Tiefbauamtes eine „angestrebte Bauzeit im Sommer 2018“ in Aussicht gestellt. Frühestens dann seien die fehlenden Finanzen verfügbar und die Karl-Liebknecht-Straße umgestaltet, deren Straßenbahngleise damals noch desolater waren als die am Bayrischen Platz.

LVB planen Umbau der Gleisanlagen

„Wir haben inzwischen viel Papier bekommen, aber Papier ist ja bekanntlich geduldig“, schildert Freitag die Lage. Erreicht hat er allerdings, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) aktiv wurden. Sie haben in der Windmühlenstraße einen „schlagenden Schienenstoß“ schleiftechnisch instand gesetzt und an anderen Stellen mit ihrem Schienenschleifzug Riffel an den Gleisen beseitigt, die Lärm verursachten. Im Jahr 2020 würden auch noch einmal die lockeren Gleise festgelegt, haben die Verkehrsbetriebe den Anwohnern versprochen. „Die LVB würden bei uns auch gern ihre Schienen mit Gummi ummanteln und so die Schwingungen dämpfen, die ins Erdreich übertragen werden“, hat Freitag in Erfahrung gebracht. „Ein Rasenbett ist ebenfalls zwischen den Gleisen vorgesehen – ähnlich wie es schon in der Grünewaldstraße vorhanden ist. Aber das alles ist nur möglich, wenn die Stadt gleichzeitig den grundhaften Ausbau der benachbarten Fahrbahnen vornimmt.“

Doch im Rathaus wird das Projekt auf eine immer längere Bank geschoben. Im derzeit gültigen „Mittelfristigen Investitionsprogramm im Straßen- und Brückenbau 2013 bis 2020“ rangiert der Bayrische Platz nur auf Position 30. Wegen der Dringlichkeit anderer Vorhaben – zum Beispiel abgängiger Brücken sowie Straßen mit Gleisen in deutlich schlechterem Zustand – seien derzeit keine Mittel für den Bayrischen Platz verfügbar, heißt es im Rathaus.

Von Rang 30 auf Platz 66 der Prioritätenliste

Gleichzeitig arbeiten die Bauplaner des Rathauses schon an einer Fortschreibung des Mittelfristprogramms. In diesem neuen Papier, das den Zeitraum 2020 bis 2024 umfasst, rückt der Platzumbau sogar noch weiter nach hinten: auf Position 66 von 86 Maßnahmen. Wenn es dabei bleibt, könnten die Anwohner mit einer Umgestaltung in den Jahren 2024 bis 2025 rechnen, heißt es auf LVZ-Nachfrage.

Bis dahin müsste die Verwaltung aber die abgeschlossene Vorplanung aus dem Jahr 2012 sowie die im Dezember 2015 vom Stadtrat beschlossene Vorzugsvariante für den Umbau noch einmal überprüfen, weil sich inzwischen die Verkehrprognosen verändert haben. Noch wichtiger ist allerdings, dass es in den Jahren 2021/2023 gelingt, die notwendigen Millionen im Stadthaushalt bereitzustellen und entsprechende Fördermittel zu akquirieren. Der Ausgang ist offen.

Von Andreas Tappert

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