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Lokales Archäologen hoffen auf Sensation am Leipziger Flughafen
Leipzig Lokales Archäologen hoffen auf Sensation am Leipziger Flughafen
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20:42 19.08.2019
Karina Gephardt vom Landesamt für Archäologie fertigt Handzeichnungen von den Bodenprofilen auf dem neuen Grabungsfeld am Leipziger Flughafen an. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Ein seltsames Bild ist jetzt an der Radefelder Allee zu sehen. Direkt zwischen dem Porsche-Werk und dem Flughafen Leipzig-Halle türmen sich endlos lange Reihen von riesigen Maulwurfshügeln auf. „Hier entsteht eines der drei größten Grabungsfelder Sachsens“, erklärte Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie am Montag vor Ort. „Untersuchungsgebiete von ähnlichen Ausmaßen haben wir sonst nur bei den geplanten Tagebauaufschlüssen im Leipziger Südraum und in der Lausitz.“ Für die Fachleute erscheinen die 130 Hektar in der Gemarkung Lützschena aber besonders verheißungsvoll. „Hier ganz in der Nähe hatten wir 2005 immerhin das älteste Holzbauwerk Mitteleuropas entdeckt.“

Thomas Westphalen zeigt auf einem Höhenprofil, welche Flächen rings um den Leipziger Flughafen die Archäologen in den letzten Jahrzehnten schon untersuchen konnten. Sie sind mit grüner Farbe markiert. „So viel gebaut wie hier wurde sonst nirgendwo in Deutschland“, meint er. Quelle: Dirk Knofe

Ganz in der Nähe – dort steht heute das DHL-Luftfrachtzentrum. Westphalen schätzt, dass die Entfernung bis zu den gelben Hallen zwei Kilometer beträgt. Bei den archäologischen Untersuchungen vor dem Bau des Frachtzentrums war ein 7100 Jahre alter Holzbrunnen zum Vorschein gekommen – ein Überbleibsel der ersten sächsischen Bauern aus der Jung-Steinzeit. Als wissenschaftliche Sensation beim „Befund Nr. 1188“ galt vor allem, dass die Eichenhölzer der Brunnenwand in einer Tiefe von drei bis sieben Metern sehr gut erhalten waren, ebenso der Inhalt mit vielen Zeugnissen der Linienband-Kultur. Da der 2,30 Meter breite Brunnen dort im Grundwasser stand, überdauerte er die Jahrtausende. Er wurde dann in einem einzigen, 90 Tonnen schweren Block komplett aus dem Lehmboden geschnitten, auf einen Schwerlasttransporter geladen und zur Erforschung (die Jahre dauerte) in das Landesamt nach Dresden gebracht.

Boden bis zu zwei Meter tief komplett ausgetrocknet

Seit Mai 2019 wird nun das neue Grabungsfeld im Auftrag des Flughafens erst einmal grob gescant, so Kathrin Balfanz, die die Arbeiten vor Ort leitet. „Sechs Baggerfahrer und zwölf Mitarbeiter des Landesamtes sind dabei im Einsatz“, erzählte die 53-Jährige. „Zunächst legen wir ein Suchschnittraster auf 25 Prozent der Flächen an.“ Dabei werde der Mutterboden des bisherigen Getreidefeldes in breiten Streifen etwa 50 Zentimeter tief abgetragen – und die Erde nebenan aufgehäuft. Aus dem so freigelegten Raster erkennen die Fachleute normalerweise gut, wo sich größere Bauwerke im Untergrund befinden könnten. Der Regenmangel der letzten Jahre habe die Arbeit aber erschwert. „Bis zwei Meter tief ist der Boden komplett ausgetrocknet. Die möglichen Fundstellen zeichnen sich hier nicht mehr wie früher dunkel ab, sondern sind jetzt ebenfalls sehr hell. Das hatten wir noch nie.“

Kathrin Balfanz ist sich sicher, dass an dieser Stelle archäologisch interessante Dinge im Boden schlummern. Wegen der extremen Trockenheit des Bodens zeichnen sich die möglichen Fundorte nicht mehr dunkel ab, wie das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Quelle: Dirk Knofe

Dennoch konnten die Archäologen schon Stellen markieren, an denen sie Vorratsgruben und Gräber aus der Spät-Steinzeit (vor 5000 Jahren) und aus der Bronze- sowie Eisenzeit (vor 3000 Jahren) vermuten. Bis zum Jahresende soll etwa die Hälfte des künftigen Industriegebiets erkundet sein. Die Grabungen dauern voraussichtlich bis Ende 2021. „Wir nehmen uns zuerst die Flächen vor, die der Flughafen am schnellsten braucht“, erläuterte Balfanz. Wegen der gewaltigen Ausmaße des Gebietes setze das Landesamt auch auf zuverlässige Hobbyforscher, die einige Bereiche mit Erdsonden ablaufen. Wie berichtet, will der Flughafen auf der 130 Hektar großen Fläche perspektivisch einen „Business Park Airport Ost“ errichten.

Kostenlose Führungen am 8. September

„Es würde uns nicht überraschen, wenn wir hier etwas Ähnliches finden wie den berühmten Brunnen“, zeigte sich Abteilungsleiter Westphalen optimistisch. „Aber es haut uns auch nicht um, wenn wir diesmal etwas weniger Glück haben.“

Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September 2019 lädt das Landesamt von 11 bis 14 Uhr vor Ort zu kostenlosen, öffentlichen Führungen ein.

Von Jens Rometsch

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