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Lokales Auch Roboter haben Wünsche: Digital-Staatssekretär Brangs in der HTWK
Leipzig Lokales Auch Roboter haben Wünsche: Digital-Staatssekretär Brangs in der HTWK
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18:45 19.07.2018
Spielzeug mit Zukunft: Jens Wagner, Leiter des Roberta-Regio-Zentrums, Schüler und Dezibot-Entwickler Anton Jacker, HTWK-Rektorin Gesine Grande und Digital-Staatssekretär Stefan Brangs (von links) mit drei Robertas und dem Fußball-Weltmeister „Captain Awesome“, der mittlerweile leider Invalide ist. Quelle: André Kempner
Leipzig

Am Ende seines Besuchs ringt sich der Staatssekretär dann doch zu einer konkreten Zusage durch: „Erarbeiten Sie ein Konzept, wie wir mit Roberta ganz Sachsen erreichen, und dann treffen wir uns wieder und überlegen, wie wir das finanziert kriegen.“ Zuvor hat sich Sachsens Digital-Beauftragter Stefan Brangs in der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) anderthalb Stunden lang über das Roboter-Mädchen und zwei ihrer Brüder informiert. Seit Montag ist der SPD-Politiker auf Digital-Tour durch den Freistaat. Am Donnerstag führte ihn der Weg nach Leipzig, wo er sogar selbst ein kleines Computerprogramm schreiben durfte, um dem Lego-Roboter Leben einzuhauchen.

Wie berichtet, beherbergt die HTWK seit Ende April Sachsens erstes Roberta-Regio-Zentrum, an dem Pädagogen zu Roberta-Lehrern ausgebildet werden, um das Wissen im Unterricht an ihre Schüler weiterzugeben. Das Projekt des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme mit Sitz in Sankt Augustin läuft schon seit 2002. Der Freistaat war zuletzt das einzige Bundesland ohne eigenes Roberta-Regio-Zentrum gewesen. Dass eine Hochschule die Lücke füllte, versteht sich keineswegs von selbst. „Wir sehen uns in einer Scharnierposition gegenüber den Schulen“, erklärt HTWK-Rektorin Gesine Grande dem Politiker und spricht von einer „Basisarbeit, bevor die jungen Leute zum Studium zu uns kommen“.

Indes steht die Finanzierung des Zentrums nur noch für das laufende Jahr. Mit einem Projektbudget von 320 000 Euro hatten die Fachkräfteallianzen Leipzig, Nordsachen und vom Landkreis Leipzig die Gründung ermöglicht. Das Geld stammte zu 90 Prozent aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium, in dessen Dienst auch Brangs steht. „Aber was wir jetzt brauchen, ist Nachhaltigkeit“, gibt Rektorin Grande zu bedenken.

„Eine niedrige sechsstellige Summe pro Jahr, das wäre ein Traum“

Noch deutlicher wird Jens Wagner, der das Roberta-Regio-Zentrum im Rahmen seiner HTWK-Professur in (theoretisch) lediglich einer Stunde pro Woche leitet, als er Brangs geradezu eine Wunschliste präsentiert. Eigene IT-Ausrüstung sowie die Finanzierung einer administrativen Teilzeit- und einer pädagogischen Vollzeitstelle stehen unter anderem darauf. Momentan helfen zwei Mitarbeiter mit zusammen 22 Stunden in der Woche Wagner bei der Roberta-Arbeit. „Eine niedrige sechsstellige Summe pro Jahr, das wäre ein Traum“, schlägt er dem Staatssekretär vor.

Brangs hat freilich keinen Geldkoffer mitgebracht: „Ich kann Ihnen jetzt keine Zusage geben“, antwortet er. „Unsere Finanzmittel sind endlich. Und es gibt in Sachsen viele gute Vorhaben. Aber wir wissen, dass es ein wichtiges Thema ist.“ Was man halt als Politiker so sagt, wenn man sich nicht festnageln lassen will.

Wobei Wagner neben Roberta zwei weitere Roboter-Projekte in seine Rechnung einkalkuliert. Zum einen das Nao-Team der HTWK, das vor wenigen Wochen bei der Robocup-Weltmeisterschaft in Montreal den Titel errang. Zum anderen haben vier Leipziger Gymnasiasten mit Wagner in zwei Jahren einen Miniroboter namens „Dezibot“ entwickelt, dessen bildungspolitischer Nutzen nicht zuletzt in seinem Preis liegen könnte: Während ein kickender Nao-Roboter mit rund 5000 Euro und Roberta mit etwa 600 Euro zu Buche schlagen, ist ihr kleiner Bruder bewusst so einfach konzipiert, dass ein Exemplar lediglich zehn Euro kostet.

Die HTWK als Keimzelle

Kommende Woche sind die Nachwuchsforscher zu einer wissenschaftlichen Konferenz nach Las Vegas eingeladen, um ihren Dezibot dem Fachpublikum zu präsentieren. Zwar besteht Informatik-Lehrerin Ines Steinbach von der Werner-Heisenberg-Schule darauf, dass nach den Sommerferien erst mal das Abitur Priorität genießt. „Aber danach“, kündigt der 17-jährige Anton Jacker an, „wollen wir eine Firma gründen und richtig loslegen“.

Auf Schüler wie ihn könne die Begeisterung für die Robotertechnik in ganz Sachsen ausstrahlen – „mit der HTWK als Keimzelle, wir kümmern uns gern um Konzept und Umsetzung“, schlägt Grande Brangs am Ende seines Besuchs vor. Und der Politiker zeigt auf einmal, dass er der Leipziger Robotik doch nicht nur unverbindlich Bedeutung beimisst. Zumindest steht jetzt die Zusage für ein zweites Treffen.

Die nächste Roberta-Basis-Schulung für Lehrer aller Jahrgangsstufen findet am 6./7. September an der HTWK Leipzig statt. Teilnahme kostenlos – es gibt noch freie Plätze. Anmeldung: roberta.htwk-leipzig.de/termine/

Von Mathias Wöbking

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