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Lokales Hufe, Hüte, Häppchen und nebenbei neuer Wettumsatz-Rekord
Leipzig Lokales Hufe, Hüte, Häppchen und nebenbei neuer Wettumsatz-Rekord
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22:32 01.05.2019
Extra Hüte gekauft: Zehn Buchhalterinnen von VW aus Chemnitz machten einen „Brigadeausflug“ auf die Rennbahn in Leipzig. Quelle: Fotos: Andre Kempner
Leipzig

Pferde sehen, Wetten abschließen (mit und ohne Ahnung), Freunde treffen, schicke Kleider ausführen, Promis erspähen, Bowle, Prosecco oder Bier trinken, den Frühling und den Feiertag im Grünen genießen – rund 18 000 Menschen verbrachten den 1. Mai beim Aufgalopp im Scheibenholz. Mit Ferngläsern und Handys im Videomodus verfolgten sie insgesamt acht Rennen. Die Tribüne war ausverkauft, auch die Logenplätze vorn an der Brüstung (200 Euro) und die Champions-Tickets (140 Euro), beide einschließlich Büffet und Getränken.

Sonniges Wetter, spannende Galopprennen, aufregende Pferdewetten locken 18 000 Besucher an

Fünf Euro gesetzt und 15 gewonnen

Wegen langer Schlangen an den Wettschaltern verschoben sich die späteren Rennen. Mit knapp 196 000 Euro wurde ein Rekord-Wettumsatz verzeichnet. „Gut gelaunte Menschen, positive Stimmung, endlich Sonne – ich bin jedes Jahr hier, für mich ist das immer der Start in den Frühling“, erzählte ARD-„Brisant“-Moderatorin Kamilla Senjo, die gleich im ersten Rennen fünf Euro gesetzt und 15 Euro gewonnen hatte. Sie ließ sich dabei von Freunden beraten. Eine andere Methode wählte Radiomoderatorin Freddy Holzapfel – sie und ihre Familie setzten auf die Pferde mit den schönsten Namen. Leider gab es dann auch gleich Tränen bei Tochter Wilhelmine, weil „ihr“ Pferd Letzte geworden war.

Hündchen in der Handtasche

Radiomoderatorin und Model Louisa Noack (Latenight-Talkshow „Let’s talk about sex“) trug gleich zwei Handtaschen bei sich: In einer saßen ihre Minihündchen Lou und Tiny. Soko-Leipzig-Kommissarin Melanie Marschke wurde im Gedränge gesichtet, ebenso wie RB-Trainer Ralf Rangnick, der auf der Tribüne Selfie-Wünsche erfüllte. Das Hauptrennen des Nachmittags fand zugunsten der Ralf-Rangnick-Stiftung statt. Die Spielerstars Timo Werner, Yussuf Poulsen oder Lukas Klostermann wuselten mit Freundinnen mal hier und mal dort herum, aßen Eis, kosteten vom Büffet. Es gab kleine gesunde Häppchen: Spinat- und Tomatensalat, Frittata mit Spargel, gebeizten Lachs, Hähnchen-Nuggets, Süßkartoffel-Tomatensuppe.

Verletzung vorm Zieleinlauf

Thriller-Autor Marcus Hünnebeck erlebte seine Premiere im Scheibenholz. Als Pferdenarr kennt er die Rennbahnen in Hamburg oder Baden-Baden, aber auf der Leipziger war er noch nie. Der 47-Jährige, der seit Kurzem in Leipzig wohnt, kam mit seiner Frau, Sachbuchautorin Kirsten Wendt-Hünnebeck, sowie mit seinem Leipziger Zahnarzt und dessen Frau. Zahnarzt Torsten Richter ist auch Pferdebesitzer und Freizeitreiter. Den Galopprennsport betrachtet er ohne Bauchschmerzen: „Pferde sind Spitzensportler. Klar, dass sie das nicht ewig machen können. Aber wenn sie artgerecht gehalten und nicht überfordert werden, ist es völlig okay, Sport ist ihre natürliche Bewegungsform.“ Just in dem Moment, als er mit der LVZ darüber sprach –im zweiten Rennen –verletzte sich kurz vorm Zieleinlauf ein Pferd. Der Jockey sprang sofort herunter, eine Tierärztin eilte herbei und bandagierte. Das Pferd konnte schließlich auf seinen eigenen vier Beinen den Hänger zum Abtransport besteigen.

Protest von Tierschützern

Genau solche Vorfälle sind es, weshalb sich auch diesmal junge Demonstranten vor dem Haupteingang versammelt hatten. Mit Transparenten wie „Tiere sind keine Sportgeräte“ oder „Egal wie viel Geld Sie heute verlieren, den höchsten Preis zahlen die Pferde“ kritisierten sie den Galoppsport. Einige blockierten mit Fahrrädern die Zufahrt zum Gelände.

Wirbelwind und Exclusive Potion gewannen

Das wertvollste Rennen des glanzvollen Tages bei wie so oft am 1. Mai besten äußeren Bedingungen um den Großen Preis der Leipziger Grundschulen ging erwartungsgemäß an den in Bremen von Pavel Vovcenko trainierten brandheißen Favoriten Wirbelwind. Mit diesem diktierte Tommaso Scardino zeitig das Tempo und ließ bis zum Ziel keinen Gegner zu nahe kommen. Immerhin hielt sich der aus Tschechien angereiste Dominique als Zweiter ordentlich und blieb sicher vor Zaro.

Wenig später konnte Tommaso Scardino erneut aufs Siegertreppchen klettern. Da holte sich der junge Reiter auch den zweiten Ausgleich III um den Preis der Mehl-Mülhens-Stiftung. Aus dritter Position in der Zielgeraden schwungvoll gebracht, gewann der in Mannheim stationierte Exclusive Potion sicher gegen die immer brav nach vorn laufende Kareless und den aus Polen stammenden Wahaab. Krass enttäuschte die Leipziger Hoffnung Mister Bean als Letzter. „Im Moment habe ich keine Erklärung,“ so ein geknickter Trainer Marco Angermann. Dafür lief sein zweiter Starter Fritz im letzten Rennen als Zweiter so gut wie noch nie.

Von seiner achtköpfigen Besitzergemeinschaft mit Stefan Laskowski an der Spitze wurde der Sieg von Legacy besonders stürmisch gefeiert. Denn es war nach längerer Abwesenheit des Galoppklubs Leipzig gleich ein souveräner Sieg im Preis der Leipziger Gießer. „Das gleiche Rennen haben wir mit Pyreanen Mucic bereits vor fünf Jahren gewonnen“, sagte Laskowski und jubelte bei der Siegerehrung. Legacy wird in Dresden von Claudia Barsig trainiert. Gute Nachrichten für den Trainingsstandort Scheibenholz kamen aus Hannover. Da konnte der von Trainer Marco Angermann in toller Form gehaltene Mockingjay seinem Berliner Sieg einen weiteren hinzufügen. Erneut saß Wladimir Panov im Sattel.

Von Kerstin Decker/Jens Sorge

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