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Lokales Aufruhr um Sanierungspläne in baufälliger Fabrik
Leipzig Lokales Aufruhr um Sanierungspläne in baufälliger Fabrik
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18:01 09.05.2019
Auch Metallbildhauerin Franziska Anna Faust hat die Kündigung erhalten. Quelle: Foto: A. K.
Leipzig

Das Areal wirkt wie aus der Zeit gefallen. In der Nachbarschaft schicke Immobilien und hier, im Hinterhof der Connewitzer Kochstraße 124, ein unsaniertes Refugium für Künstler und Lebenskünstler. Doch die Kreativen sehen ihre Idylle bedroht, was in der linken Szene für beträchtlichen Aufruhr sorgt. Eine neue Hausverwaltung forderte sie per Aushang auf, innerhalb weniger Tage das Grundstück zu beräumen. Angeblich seien Holzbuden, An- und Aufbauten ungenehmigt errichtet worden. „Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden wir unberechtigt errichtete Bauten vom Grundstück auf Ihre Kosten entfernen lassen“, heißt es in der Mieterinformation.

Das betroffene Areal umfasst ein bewohntes Vorderhaus sowie Ateliers, Werkstätten und Garagen im hinteren Bereich. „Jetzt wurden Container auf den Hof gefahren und schon angefangen, abzureißen“, berichtete Metallbildhauerin Franziska Anna Faust der LVZ. „Seit etlichen Jahren habe ich einen Mietvertrag, nun bekam ich die Kündigung, das ist eine Katastrophe. Es stehen hier eine Kunstinstallation und Skulpturen von mir, wie soll ich das innerhalb von ein paar Tagen beräumen?“

Szene solidarisiert sich

Via Twitter rief die Landtagsabgeordnete und Stadträtin Juliane Nagel (Linke) zur „Solidarität“ auf. „Das Vereinshaus, für das es einen Mietvertrag gibt, ist bedroht.“ Am frühen Donnerstagmorgen waren Leute aus der linken Szene in der Kochstraße, da zu diesem Termin wieder Bautrupps erwartet wurden. „Das nächste Projekt in Leipzig-Connewitz gerät in die Mühlen der Verwertungslogik“, monierte auch Linken-Stadtrat Adam Bednarsky, der sich am Donnerstag etwa eine Stunde bei Betroffenen informierte. „Man muss derartige Dinge ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken, weil das alles keine Einzelfälle sind“, sagte er. „Das passiert in dieser Stadt tagtäglich. Viele sind davon betroffen. Man muss solchen Eigentümern ein Achtungszeichen setzen und ihnen klar machen, dass sie nicht einfach tun und lassen können, was sie wollen.“ Er räumte ein, dass das Objekt teilweise baufällig ist. Entscheidend sei aber, was nach einer Investition damit geschieht.

Das steht aber offenbar noch gar nicht fest, sagt zumindest der neue Eigentümer. Bei ihm handelt es sich um den bekannten Gastronomen Henrik Dantz (Milchbar Pinguin, Café Barfusz, Mückenschlösschen). „Das gesamte Areal wird renoviert“, sagte er am Donnerstag auf LVZ-Anfrage. „Es gibt noch kein konkretes Nutzungskonzept, aber es wird hier Wohnungen und wahrscheinlich auch Gewerberäume geben.“ Zunächst habe man aber das Grundstück von Sperrmüll und Bauschutt beräumen sowie eingestürzte Garagen zurückbauen müssen. „Es ist als Eigentümer meine Pflicht, für Sicherheit zu sorgen“, so Dantz. „Ich hafte schließlich dafür, wenn einem Mieter dort etwas passiert.“ Die Räumungsaufforderung an die Mieter habe auch brandschutztechnische Ursachen gehabt. „Ganze Hausflure waren vollgestellt, Keller vermüllt“, schilderte der Gastronom. „Einige Mieter haben dann auch für Ordnung gesorgt und Fluchtwege freigemacht.“ Nur im hinteren Bereich sei die Sicherheitsfrage nach wie vor ein Thema.

Eigentümer setzt auf Deeskalation

Nun will Dantz zunächst deeskalieren. Man habe in der Kochstraße einen schlechten Start gehabt, woran aus seiner Sicht beide Seiten nicht ganz unschuldig seien. „Jetzt haben wir die Bauarbeiter erst einmal abgezogen und wollen, dass sich die Situation beruhigt und wir durch Kommunikation alles ordentlich klären“, sagte er. Dazu gehöre auch, dass man sich bemühen wolle, für Künstler wie Metallbildhauerin Faust, deren Mietvertrag für eine Garage fristgerecht gekündigt worden sei, notfalls andere Möglichkeiten zu finden. „Zunächst müssen wir aber das gesamte Areal sichten“, so Dantz, „das war bisher nicht möglich.“

Von Frank Döring

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