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Ausfall von Benefizveranstaltungen: Leipziger Elternhilfe für krebskranke Kinder – die Lage ist ernst

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17:01 16.05.2021
Die Arbeit der Elternhilfe für krebskranke Kinder in Corona-Zeiten: Die Reha-Sportgruppe trifft sich im virtuellen Raum. Immer montags melden sich die Sporttherapeuten Gleb und Markus (unten rechts) von Station bei den Kindern und Jugendlichen, die gerade daheim sind.
Die Arbeit der Elternhilfe für krebskranke Kinder in Corona-Zeiten: Die Reha-Sportgruppe trifft sich im virtuellen Raum. Immer montags melden sich die Sporttherapeuten Gleb und Markus (unten rechts) von Station bei den Kindern und Jugendlichen, die gerade daheim sind. Quelle: Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V.
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Drei junge Menschen, deren Gesichter hinter medizinischen Masken zu verschwinden drohen, lächeln in die Kamera. Der Fotograf hält fest, wie Nicole (11), Tobias (5) und Raphael (11) im Sportraum der Kinderonkologie des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) um körperliche Fitness ringen. Den Kids fällt das Training nicht gerade leicht, auch wenn fröhlich dreinblickende Augen etwas anderes vermuten lassen. Nicole, Tobias und Raphael haben Krebs – und der hat sie unübersehbar gezeichnet. Im Kampf gegen ihre Tumorerkrankungen wissen sie sich begleitet und getragen von ihren Familien, aber auch von den Therapeutinnen und Therapeuten, Psychologinnen und Psychologen der Leipziger Elternhilfe für krebskranke Kinder. Der eingetragene Verein ist seit Beginn der Pandemie geforderter denn je. Dabei ging es ihm selbst schon deutlich besser.

Musik hilft - das weiß auch Therapeutin Juliane Kirchner (links). Quelle: Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V.

Corona hat im vergangenen Jahr wichtige Einnahmequellen versiegen lassen. Nahezu alle Benefizveranstaltungen der Elternhilfe und Spendenaktionen von Dritten zugunsten des 1990 gegründeten Vereins mussten 2020 abgesagt werden. Und dieser Negativtrend setzt sich fort. Auch in diesem Jahr runter vom Veranstaltungsplan: die GRK Golf Charity Masters. Das von Steffen Göpel etablierte Promi-Turnier half in jüngerer Vergangenheit regelmäßig dabei, ein gutes Viertel des Elternhilfe-Jahresetats einzuspielen. „Die erneute Absage schmerzt uns sehr“, gesteht Sporttherapeut und Fundraiser Markus Wulftange. Dennoch ist der 54-Jährige nicht ohne Hoffnung. „Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung und die finanziellen Hilfen von 40, 50 treuen Unterstützern haben uns in der Pandemie bislang einigermaßen über die Runden kommen lassen. Die Kampagne ,Krebs macht keine Pause‘ ist glücklicherweise angenommen worden“, konstatiert der frühere Fußballprofi (VfB Leipzig/VfL Osnabrück). So habe von den 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern niemand in Kurzarbeit geschickt werden müssen.

Krebspatient Raphael (11) auf dem Ergometer im Sportraum. Quelle: Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V.

Ein solcher Schritt hätte den Kranken, deren Eltern und Geschwistern sicher sehr weh getan. Die Corona-Situation hat die seelischen Leiden der kleinen Krebspatienten verschärft. Denn nach wie vor darf nur ein Elternteil die Besuchszeiten der kinderonkologischen Station in Anspruch nehmen. Gänzlich ausgeschlossen ist die Anwesenheit von Schwestern und Brüdern, Omas und Opas, Freundinnen und Freunden. „Wir werden also gebraucht“, sagt Kristin Paarmann, Öffentlichkeitsarbeiterin bei der Elternhilfe. „Die Notwendigkeit der Betreuung durch unsere Sport-, Musik- und Kunst-Therapeutinnen und -Therapeuten, unsere Erlebnispädagoginnen und -pädagogen ist in der Pandemie größer geworden. Wir springen für die ein, die nicht da sein dürfen“, sagt die 42-Jährige.

Tobias (5) trainiert auch. Quelle: Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V.

Darüber hinaus gilt es Ansprechpartner für oft verunsicherte und verängstigte Erwachsene zu sein. „Unsere digitalen Treffs sind stark frequentiert, auch wenn allen Präsenzveranstaltungen lieber wären. Die Väter tun sich mit den virtuellen Runden ohnehin schwerer. Dafür nutzen sie eher die Geräte im Sportraum, um Aggressionen abzubauen und Frust loszuwerden“, sagt Christa Engelhardt-Lohrke. Die 39-Jährige aus dem Bereich Ambulante Psychosoziale Nachsorge koordiniert die Geschwisterarbeit des Vereins. Die existenziellen Sorgen und Nöte seien von den Angehörigen schon unter normalen Umständen nur schwer zu ertragen. „Jetzt kommt auch noch Corona dazu“, eine weitere Belastung in einer brutalen Ausnahmesituation. Ein Drittel der Elternpaare entzweie sich über die Krankheit des Kindes. „Im Jahr der Chemotherapie halten sie noch zusammen, doch dann wird die Entfremdung sichtbar.“ Auch hier, sagt Christa Engelhardt-Lohrke, bemühe sich die Elternhilfe um Beistand.

Nicole (11) weiß sich zu helfen. Quelle: Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V.

Immerhin zwei gute Seiten habe die Zeit, in der die AHA-Regel das Leben eines Landes bestimmt, berichtet Sporttherapeut Wulftange: „Erstens: Unsere jungen Patienten schämen sich nicht mehr für den Mundschutz, den sie häufig tragen müssen. Denn jetzt tragen alle anderen ja auch Mundschutz. Das erleichtert sie.“ Und zweitens könnten die Kids „plötzlich wie selbstverständlich“ am Homeschooling ihrer Klassen teilnehmen. „Das ging vorher gar nicht.“

Was weitergehen soll, ist die komplexe Hilfe, die die Elternhilfe den von Krebs betroffenen Familien zukommen lassen möchte. Und dafür braucht sie selbst Hilfe. „Wir sind froh über jedes noch so kleine Zeichen“, sagt Wulftange.

Hoffen auf die Großzügigkeit der Leipzigerinnen und Leipziger: Kristin Paarmann, Christa Engelhardt-Lohrke und Markus Wulftange (von links) von der Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig. Quelle: Christian Modla

Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V., Philipp-Rosenthal-Straße 21, 04103 Leipzig; E-Mail info@elternhilfe-leipzig.de; Bankverbindung: Volksbank Leipzig, IBAN: DE25 8609 5604 0320 0933 33, Kennwort: Krebs macht keine Pause

www.elternhilfe-leipzig.de

www.krebsmachtkeinepause.de

Von Dominic Welters