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Lokales Auwald in Gefahr – schwere Störungen in Leipzigs Klimaanlage
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Auwald in Gefahr – schwere Störungen in Leipzigs Klimaanlage

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14:24 24.08.2020
Der Leipziger Auwald säumt die Ufer an der Mündung der Nahle in die Neue Luppe. Der 5700 Hektar große Auwald gilt als einzigartig in Europa. Allerdings ist es um das Landschaftsschutzgebiet nicht gut bestellt, dem Auwald fehlt das Wasser. Wenn auch über weitere Jahrzehnte die Überschwemmungen des Gebietes ausbleiben, wird sich der Wald stark verändern. Der Kanal Neue Luppe, ab 1934 angelegt, zieht sehr schnell, sehr viel Wasser aus Leipzig ab. Quelle: dpa
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Leipzig

Der Leipziger Auwald kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen. Praktisch alle Umweltvereine kümmern sich um das 5700 Hektar große Landschaftsschutzgebiet. Die Stadt, das Land und der Bund geben Geld oder basteln an Konzepten. Denn um Leipzigs große Klimaanlage, die als einzigartig in Europa gilt, ist es nicht zum Besten bestellt. „Der Auwald ist ein sehr gut durchmischter Wald. Er ist auch sehr naturnah. Aber er ist kein Auwald mehr. Er ist ein gut durchmischter Laubwald“, sagt René Sievert, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Sachsen. Das Problem: Dem Auwald fehlt das Wasser.

Gut für den Hochwasserschutz, schlecht für Flora und Fauna

Die größte Beeinträchtigung des Auwalds, der im Sommer zur Kühlung der Großstadt einen Beitrag leistet, stammt aus der Nazi-Zeit und heißt Neue Luppe. Das ist ein tief liegender Kanal zwischen hohen Deichen, der sehr schnell sehr viel Wasser aus Leipzig abtransportiert. 1934 lud der Reichsarbeitsdienst zum Spatenstich. Die Neue Luppe ist gut für den Hochwasserschutz, aber schlecht für das Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebiet Leipziger Auwald. Denn seit Jahrzehnten wird das Areal nicht mehr überschwemmt, wie es für einen Auwald typisch und wichtig wäre.

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Der Auwald verändert sich

Noch erfülle das Gebiet die Kriterien, um Auwald genannt zu werden, sagt Christian Franke vom Landesumweltamt. „Der Bewuchs ist sehr konservativ. Eine 300 Jahre alte Eiche ist natürlich noch unter Auwald-Bedingungen aufgewachsen. Aber wenn jetzt über Jahrzehnte weiter keine Überschwemmung kommt, werden sich die Veränderungstendenzen fortsetzen.“ Schon jetzt breite sich etwa der Bergahorn aus – was nicht im Sinne des Auwaldes ist. Weil dieser Baum Überschwemmungen nicht so gut verträgt, würde sein Anteil wieder zurückgehen, wenn nur wieder Wasser da wäre.

Wichtiges Refugium für viele Vogelarten

Franke zählt zudem gleich eine ganze Liste vom Aussterben bedrohter Arten auf, die zum Teil noch dort zu finden sind: Bei den Pflanzen gebe es die letzten sächsischen Vorkommen des Echten Haarstrangs und des Niederen Veilchens im Auwald, den Tagfalter Kleiner Maivogel finde man ostdeutschlandweit nur noch dort. Zudem sei der Auwald wichtig für den Erhalt vieler Vogelarten, etwa des Eisvogels, der Grauammer oder des Mittelspechtes.

Keine Einigkeit bei den Rezepten

Bei der Beschreibung des Problems sind sich alle einig: die Stadt, das Landesumweltamt und die Naturschützer. Auseinander gehen die Meinungen allerdings bei der Frage, was jetzt getan werden muss und vor allem: wie schnell das gehen kann.

Nabu: „Gesamtkonzept fehlt“

In Deutschland habe sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass mehr Platz für die Flüsse ein Beitrag zum Hochwasserschutz sei, sagt Nabu-Vizechef Sievert. „In Sachsen wird das aber nur höchst widerwillig realisiert.“ Das Land hinke den Entwicklungen um Jahre hinterher, auch wenn es jetzt ein Auenprogramm gebe. Es gebe zwar kleine Projekte zur Auenrevitalisierung, aber für den Auwald fehle ein Gesamtkonzept. „Wir haben kein Erkenntnisproblem. Man müsste es einfach mal machen“, sagt Sievert.

Stadt ist optimistischer

Rüdiger Dittmar, Leiter des städtischen Amtes für Stadtgrün und Gewässer, schätzt die Lage etwas positiver ein. Zum einen gebe es schon seit 2012 das vom Bund geförderte Projekt „Lebendige Luppe“, in dem einige kleine Wasserläufe entlang des Problem-Kanals wieder nutzbar gemacht werden sollen. Zum anderen habe der Stadtrat im Mai die Erarbeitung eines großen Auenentwicklungskonzeptes beschlossen.

Viele Interessen spielen eine Rolle

Dort müsse es darum gehen, alle Interessen abzuwägen, sagt Dittmar: die Interessen der Bürger am Hochwasserschutz, die des Tourismus und der Forstwirtschaft und auch die Naturschutzbelange. „Mittel- bis langfristig“ soll dann ein Plan her, wie es im Auwald weitergeht. Generell sei das Bewusstsein der Menschen für das Gebiet gewachsen, findet der Amtsleiter. Dazu hätten die beiden Dürrejahre 2018/19 beigetragen. „Sie haben Verständnis gebracht, dass Wasser ein zentrales Element ist.“#

Gewässerexperten sehen „schwer gestörten Wasserhaushalt“

Ist es denn realistisch, dass die Neue Luppe mit ihrem kritischen Grundwassersog irgendwann einmal komplett zurückgebaut wird? Die Landestalsperrenverwaltung betont zunächst die Bedeutung des Kanals für den Hochwasserschutz: Ohne die Neue Luppe wären beim Hochwasser 2013 ganze Stadtteile sowie die Stadt Schkeuditz überschwemmt worden. Aber auch den Gewässerexperten ist klar, dass es im Auwald einen „schwer gestörten Wasserhaushalt“ gibt. Ihn zu sanieren sei aber nur „im Rahmen eines Gesamtkonzeptes“ möglich. Die Gespräche dazu liefen.

Von Birgit Zimmermann