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Lokales Leipziger Bahnkunden ärgern sich über fehlende Informationen
Leipzig Lokales Leipziger Bahnkunden ärgern sich über fehlende Informationen
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15:37 10.12.2018
Reisende bekommen Kaffee von der Bahn. Die meisten verlangen bei der Gelegenheit auch noch nach Informationen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Auf den Gleisen des Leipziger Hauptbahnhofs steht kein einziger Zug. Vor dem Service-Schalter und den Auskunftstafeln sammeln sich während des Warnstreiks am Montagmorgen Menschen in Winterjacken, einige sitzen auf ihren Koffern. Geduldig warten gestrandete Zugreisende auf Auskunft. Nebenan schenken Bahn-Mitarbeiter kostenlosen Kaffee aus. Zwischendurch verteilen sie Fahrgastrechte-Formulare, mit denen die Passagiere Kosten zurückfordern können. Noch wichtiger als Kaffee sind den Reisenden an diesem Montagmorgen aber Informationen: Wann kommt mein Zug, erreiche ich Anschlüsse? Die Mitarbeiter beantworten die Fragen geduldig. Ihr Wissen beziehen sie aus den Lautsprecherdurchsagen, die am Service-Schalter einigermaßen verständlich sind. Einige Meter weiter verhallen die Informationen im weihnachtlich funkelnden Gewölbe. Um 9 Uhr ist der Warnstreik zu Ende, die Züge fahren langsam wieder.

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Durchsagen schallen am laufenden Band durch den Leipziger Hauptbahnhof: Die S-Bahn nach Halle fällt aus, ein ICE hat 180 Minuten Verspätung, der Regionalexpress nach Nürnberg fährt auf einem anderen Gleis – mit Verzögerung. Die Bahn bittet um Entschuldigung.

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Reisende nehmen Zugausfälle gelassen

„Die Stimmung der Reisenden ist überraschend freundlich“, sagt ein Mitarbeiter in orangefarbener Weste, der Kaffee an die Wartenden verteilt. Vom Warnstreik hätten viele zwar schon am Wochenende gehört, noch am Sonntagabend hieß es aber, dieser würde sich größtenteils auf Berlin, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg beschränken. Dass der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft auch Leipzig trifft, damit hatten die meisten nicht gerechnet. Auch der S-Bahn-Verkehr kam zum Erliegen. Die Auswirkungen des Streiks zwischen 5 und 9 Uhr morgens waren noch den ganzen Tag über spürbar.

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Ärgernis Informationspolitik der Bahn

Die meisten Reisenden reagieren dennoch sehr gelassen und verharren an den Gleisen, bis ein Zug sie irgendwann zum gewünschten Ziel bringt. Gleichzeitig ärgern sich viele über die Informationspolitik der Bahn. Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete der Grünen, kam um kurz nach acht Uhr zum Bahnhof, laut Internet sollte ein Zug nach Berlin fahren. Auch die Schaltermitarbeiter seien davon ausgegangen, dass er rollt, berichtet Lazar. Der Zug fiel aus. Lazar kam zwei Stunden später erneut zum Hauptbahnhof. Um kurz nach 10 Uhr fuhren nämlich die ersten Züge wieder. So drängte sich die Bundestagsabgeordnete gemeinsam mit hunderten Menschen in einen überfüllten ICE nach Berlin.

Bahnstreik wirkt sich auch auf Stadtverkehr aus

Am City-Tunnel unter dem Hauptbahnhof prüft eine 32-Jährige gegen 10 Uhr ihre Bahn-App. Eigentlich wollte sie um diese Uhrzeit schon in Magdeburg sein. „Ich bin bei mir zuhause schon später losgefahren, weil ich mit Verspätung gerechnet habe“, erzählt die Leipzigerin. Statt mit dem IC will sie nun mit der S-Bahn in die Landeshauptstadt fahren. „Die Fernzüge werden sehr voll sein“, vermutet die Bahnkundin. Geduldig erträgt sie die Wartezeit. „Ich mache mir keinen Termindruck“, erklärt sie gelassen.

Der Warnstreik der Gewerkschaft EVG hat den Bahnverkehr in Leipzig lahmgelegt. Betroffen waren sowohl Fernzüge als auch Regionalverbindungen. Reisende und Pendler saßen am Hauptbahnhof fest.

Auch auf den Straßen in Leipzig war der Bahnstreik spürbar: „Es sind mehr Autos unterwegs. Viele Menschen haben wohl von vornherein umdisponiert, als sie vom Streik hörten“, sagt Richard Auras. Der Taxifahrer hat einen verzweifelten Zugreisenden nach Machern gefahren. „Die Leute scheinen aber besser informiert, weniger wütend“, stellt der 51-Jährige fest. Beim letzten Streik seien mehr Menschen auf Taxen umgestiegen. Sogar zwei Bahnmitarbeiter hat Auras am Montagmorgen chauffiert. „Sie konnten wegen des Streiks nicht arbeiten und haben sich darum zurück nach Leutzsch und Engelsdorf fahren lassen, wo sie wohnen“, erzählt der Taxifahrer. Beide seien über den Streik entsetzt gewesen.

Von Theresa Held