Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Barrierefrei, aber menschenleer: Warum an neuer Haltestelle in Franzosenallee kein Bus hält
Leipzig Lokales Barrierefrei, aber menschenleer: Warum an neuer Haltestelle in Franzosenallee kein Bus hält
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:01 12.07.2019
Die neue Bushaltestelle „Schweizerbogen“ in der Franzosenallee (rechter Bildrand, vorne), ein gutes Jahr alt, wird von den Verkehrsbetrieben bislang nicht angefahren, da sie sich vor einem Zebrastreifen befindet. Die Linie 76 stoppt stattdessen knapp 50 Meter weiter. Das weiße Gebäude rechts ist die 31. Grundschule, die ihren Containerbau im Sommer 2021 verlassen soll. Quelle: Lutz Brose
Leipzig

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Seit gut einem Jahr ist die HaltestelleSchweizerbogen“ am nördlichen Straßenrand der Franzosenallee barrierefrei. Doch die Busse der Linie 76 fahren vorbei und halten erst knapp 50 Meter weiter – an einer vergleichsweise schmucklosen Station, die nicht nur wie ein Provisorium ausschaut, sondern wohl auch eins ist. Dabei kommt der kürzlich neu errichtete Haltepunkt „Schweizerbogen“ richtig schick daher. Der sogenannte Kasseler Sonderbord würde allen Altersgruppen ein sicheres Ein- und Aussteigen garantieren und das integrierte Blindenleitsystem führte Sehbehinderte sicher zum Fahrzeug hin und vom Bus auch wieder weg. Doch leider wurde die mustergültige Haltestelle am falschen Fleck errichtet. Denn nach den Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen (R-FGÜ 2001) dürfen Haltepunkte des Öffentlichen Personennahverkehrs in Fahrtrichtung nur nach einem Zebrastreifen errichtet werden – und nicht zehn Meter vor dem Überweg, wie in Probstheida geschehen. Haltende Busse nehmen den Autofahrern in einem solch desaströsen Fall die Sicht auf den Schutzstreifen, während die Fußgänger am Überweg den rückwärtigen Verkehr nicht überblicken können.

Querungshilfe statt Zebrastreifen

„Wir können nachvollziehen, dass der jetzige Zustand zu Irritationen bei den Fahrgästen führt“, heißt es denn auch in einer Stellungnahme der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Sodann erläutert ein Mitarbeiter des LVB-Teams Kundendialog die Hintergründe des vermeintlichen Schildbürgerstreiches: Für die Haltestelle Schweizerbogen beinhalte die Planung beim Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig den barrierefreien Ausbau der „Aufstellflächen“ in beide Richtungen. Mit „Aufstellflächen“ sind in diesem Fall jene Bereiche gemeint, an denen Fahrgäste auf den Bus warten. Im Rahmen der Erschließung des angrenzenden Wohngebietes Katzstraße habe die dort tätige Baufirma „im Vorgriff auf den vorgesehenen Haltestellenausbau vom Verkehrs- und Tiefbauamt den Auftrag erhalten, beim Bau der Gehwege gleich die Aufstellfläche für die Haltestelle in Richtung Probstheida barrierefrei mit herzurichten“, heißt es. Grundsätzlich, ist der Info aus dem Hause LVB des Weiteren zu entnehmen, sei bei dem Projekt vorgesehen, den bestehenden Fußgängerüberweg zu entfernen und dafür eine Querungshilfe – eine Mittelinsel mit abgesenkten Borden – zu errichten. Da die geplante Querungshilfe und der Standort für die künftige HaltestelleSchweizerbogen“ in Fahrtrichtung Herzklinik außerhalb des Erschließungsgebietes liegen, hätten sie vom Verkehrs- und Tiefbauamt separat ausgeschrieben werden müssen. Dieses Verfahren sei noch im Gange.

Rätselraten bei Anwohnern

Mitte Oktober, so hoffen sie bei den Verkehrsbetrieben, soll sich die Lage normgerecht entspannt haben. Anwohner rätseln bereits, wie das laufen soll. Das Dilemma werde wohl erst so richtig mit der Schließung der 31. (Container-)Schule behoben sein, die gegenwärtig direkt am Zebrastreifen liegt, munkeln sie. Mit dem Umzug in den Neubau in der Thierschstraße 5 zum Schuljahr 2020/21 würden Überweg respektive Querungshilfe eigentlich hinfällig. Beide sind in Tempo-30-Zonen wie in der Franzosenallee nämlich nur in Ausnahmefällen vorgesehen.

Von Lutz Brose

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach den Ereignissen in Leipzig-Volkmarsdorf hat der Sächsische Flüchtlingsrat die deutsche Abschiebepraxis und das europäische Asylsystem kritisiert. In Sachsen seien in dieser Woche zwei Familien durch Abschiebungen auseinandergerissen worden, hieß es.

11.07.2019

Falls es nach der sächsischen Landtagswahl zu Koalitionsverhandlungen unter Beteiligung der AfD kommen sollte, plant der Student_innenRat der Universität Leipzig einen Bildungsstreik. Man hofft so, eine Regierungsbildung mit der AfD zu verhindern.

11.07.2019

Schon drei Mal wollten André Poggenburg und seine rechte Splitterpartei AdPM in Leipzig-Connewitz demonstrieren – und drei Mal wurde die Kundgebung kurzfristig verlegt. Nun will es Poggenburg nochmal versuchen.

11.07.2019