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Lokales Beastie Boys, Wanda und Eminem beim Leipziger Neujahrssingen
Leipzig Lokales Beastie Boys, Wanda und Eminem beim Leipziger Neujahrssingen
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17:33 07.01.2018
Stimmgewaltig und farbenfroh: Beim Neujahrssingen gibt es für Auge und Ohr. Quelle: André Kempner
Leipzig

Offiziell ist der 6. Januar in Sachsen ja gar kein Feiertag – in diesem Jahr war er’s trotzdem. Zumindest in Leipzig, wo am Samstagabend die Gastro- und freie Kulturszene der Stadt ausgelassen ins neue Jahr gestartet ist.

So blau wie der Himmel über Mykonos strahlt die Leinwand, und so weiß wie die Akropolis strahlen die Buchstaben auf ihr: „Es war schon dunkel / Als ich durch Vorstadtstraßen heimwärts ging ...“ Buchstabe für Buchstabe färbt sich gelb ein – richtig, wir sind bei der Karaoke. Alle 1400 Leute im Haus Leipzig singen: „Kriech ich’n Wein?“ und schunkeln sich grinsend ein, sogar der rote Samtvorhang schwingt vergnügt mit. Weil fast alle wissen, was gleich kommt: Die Macher  hiesiger Clubs, Restaurants und Medien holen Perücken, gewagte Outfits und Spitzensongs aus der Mottenkiste und geben alles auf der Bühne. Zum 12. Mal gibt’s das Neujahrssingen nun schon, eine Art Mini-Playback-Show für Erwachsene. Nur eben weder mini noch playback: Das Haus Leipzig ist ausverkauft, und es wird live gesungen, mit einer amtlich rockenden Band und starken Background-Sängerinnen.

Inzwischen zum 12. Mal standen am Samstagabend im Haus Leipzig Gastronomen zum gemeinsamen Neujahrssingen auf der Bühne. In diesem Jahr begeisterten unter anderem Deep Purple, Wanda, Eminem, Brian Adams und die Beastie Boys die etwa 1000 Zuschauer im Saal. 

Durchs Programm führen Maike Beilschmidt und Mark Daniel mit solch professionellen Mitteln wie Moderationskarten. Beilschmidt hat das Neujahrssingen 2007 mit Paul Fröhlich in der naTo initiiert und trägt glitzernd F, C, K, N, Z und S auf dem Shirt. Apropos Oberbekleidung: Das schwarze Glanzhemd, das Daniel vorführt, muss als Idealbeispiel für ein Kleidungsstück gelten, das eben nicht die Ehefrau rausgelegt hat. Hut ab!

So richtig los geht es mit den Bastei Boys von der Moritzbeastie: „You gotta fight for your right to paaaaaaarty!“ Die Sänger haben sofort den Flow, die Gitarre macht ordentlich Krach, das Publikum dreht durch – fetter kann der Einstieg nicht sein! (Auch wenn man sich zum ersten Mal an diesem Abend ein Tränchen verdrückt, weil jeder noch so subversive Hit irgendwann zum Oldie wird und dann die Beastie Boys und Iggy Pop zwischen Marianne Rosenberg und Andreas Gabalier festsitzen.)

Armin Zarbock alias Chris Norman singt sehr ernsthaft und emotional, dass er 24 Jahre lang einer Nachbarin seine Liebe nicht gestand, und man fragt sich, ob diese „Alice“ nun links oder rechts vom Horns Erben wohnte. Dann – zum Glück nicht der echte – Gabalier, der Volksmusi-Elvis, „stil“-echt in Karohemd, Lederhosen und Sonnenbrille, verkörpert von Robert aus dem 100Wasser. Der Song improvisiert über die Silben ho, di, hey, hu, pa und lu, die Leute finden’s ösigemäß ur leiwand.

Als „etwas schüchtern“ wird das Duo von der Vleischerei angekündigt, aber von wegen! Die beiden Vegan-Wurstverkäufer legen mit Iggy Pops „Lust for Life“ die beste Show des Abends hin, performen mit allem Pipapo vom Mikroständerwedeln bis zum Über-die-Bühne-Gockeln. Da hat jemand seinen Dave Gahan gelesen! Dann die naTo. Was soll man sagen. Katrin Geißler tanzt lasziv und Heiner Kaffke, der große Blonde mit dem schwarzen Schuh, singt sein Lebensmotto und widerspricht ihm zugleich: „A little less Conversation“. Der King lebt. Und die Band um Chef Jörg Anders hat richtig Spaß.

Britta von der Konsumzentrale singt „You’ve got the Love“ von Florence + The Machine, und die Gesangsprofis Jasmin Graf und Berivan Kernich gucken nicht schlecht aus der Wäsche. Was für eine Stimme! Kostas Kipuros (an der E-Gitarre) und Dominic Welters geben für die LVZ Bap und zeigen, dass „Verdamp lang her“ eigentlich „Verdamp lang hin bis zum 1. Refrain“ heißen müsste. Als der aber kommt, sind natürlich alle aus dem Häuschen. Für den Kreuzer gibt dagegen ein gruseliges Quartett mit harten Gitarren (im Sinne von hart aufgeblasenen Gitarren) Lordis „Hard Rock Hallelujah“, aber durch die Kostüme verschwinden die vier zu sehr, als dass die hier so wichtige Sympathie zwischen Publikum und Band aufkommen könnte. Die ist dafür im folgenden Song mit Händen zu greifen: Auch ohne den erkälteten Chef beweist Recep Roudwan mit Stings „Desert Rose“, dass Tamers sich auch mit Gänsehaut gut auskennt.

Das Motto des Neujahrssingens gibt dann im goldenen Glitzersakko Andreas Bürger vom Volkshaus: „Always believe in your Soul.“ Sein „Gold“ von Spandau Ballet ist der Veranstaltung entsprechend herrlich imperfekt. Nahezu perfekt ist dagegen Franz Uhligs „Smoke on the Water“: Zu Beginn tut die E-Gitarre, wozu Gott sie erschaffen hat: döngdödöng / döngdö-dödöng. Der Rest ist Schall und Rauch auf dem Wasser.

Aber kommen wir zum Showdown: Die im Flowerpower von der offenen Bühne wegentdeckten Nawar Hseeno und Abdul Rahman Kouli reißen mit ihrer syrischen Version von Eminems „Without Me“ zunächst dermaßen die Bude ab, dass man glaubt, mehr ginge nicht. Aber was die fünf Herren, ach was Boys vom Tonelli’s da zum Abschluss machen, ist dann doch die Krönung: Mit Live-Band und super deepem, fünfstimmigem Gesang sind sie besser als die Backstreet Boys selbst. Einer mit Hut, einer mit Basecap, einer mit Schiebermütze, einer mit Glatze und einer mit Frisur – für jede der Richtige dabei! Und wie sie den letzten Refrain fein choreographiert einspringen und „Everybody!“ singen! Alles kreischt und tanzt. Und wir erinnern uns an Marijke Amados weises Schlusslied: „Kleine kommen ganz groß raus in der Mini-Playback-Show / Alle waren Sieger.“

Benjamin Heine

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