Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Beistand für Familien, die sich missverstanden fühlen
Leipzig Lokales Beistand für Familien, die sich missverstanden fühlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:03 09.05.2019
Valentin Kannicht (links) und Annegret Münch vom Kinder- und Jugendhilferechtsverein Leipzig suchen ehrenamtliche Mitstreiter, die ihre Arbeit unterstützen. Quelle: Mathias Orbeck
Leipzig

Wenn Eltern oder junge Menschen in Krisen geraten oder schwierige Lebenssituationen zu bewältigen haben, werden häufig sogenannte Erziehungshilfen über das Jugendamt gewährt. Die Gründe hierfür können sehr vielfältig sein. Ständige Konflikte in der Familie, Schwierigkeiten in der Erziehung, aber auch Krankheiten, persönliche Krisen sowie Abhängigkeiten von Alkohol oder anderen Drogen führen zu Situationen der Überforderung. In dieser Lage suchen Familien von sich aus Unterstützung oder es wird ihnen empfohlen, Beistand von außen anzunehmen. Gibt es Schwierigkeiten, ein stabiles Umfeld für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu schaffen, greift aber auch die sozialpädagogische Hilfe – zum Teil begleitet von Therapien.

Unabhängige Beratung für Familien und Alleinerziehende

Ihr Ziel: Eltern oder alleinerziehende Abhängige überwinden ihre Sucht, werden clean und finden ihren Weg ins normale Leben zurück. „Und haben natürlich ein Interesse daran, dass die Kinder zurück in die Familie kommen“, sagt Sozialarbeiterin Annegret Münch.

Dabei sind – schon im Interesse des Kindeswohls – ziemliche Hürden zu überwinden. „Oft erfüllen die Betroffenen aus ihrer Sicht alle Auflagen des Amtes, haben aber dennoch das Gefühl, dass sie mit ihrem Anliegen nicht weiterkommen, weil die Meinung vorgeprägt ist“, erläutert Annegret Münch. Dann kann eine unabhängige Beratung hilfreich sein. Die bietet der Kinder- und Jugendhilferechtsverein an, der sich für die Rechte von Mädchen und Jungen und deren Familien einsetzt.

Ehrenamtliche Helfer als Verstärkung gesucht

Zu diesem Zweck gibt es in Dresden und Leipzig eine ombudschaftliche Beratungsstelle, die Verstärkung durch ehrenamtliche Helfer sucht. Aber es wenden sich auch viele junge Menschen und Eltern an die Beratungsstelle, weil diese vergeblich versuchen, Hilfe durchs Jugendamt zu bekommen „Wir setzen uns mit den Eltern hin, um sie über ihre Rechte aufzuklären.“ Informiert werden Ratsuchende außerdem über Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe.

In vielen Fällen, die der Verein betreut, sind andere Akteure beteiligt; etwa die Familienhilfe oder Kindertagesstätten, die ihre fachliche Einschätzung ans Jugendamt liefern. „Oft bekommen die Betroffenen diese Papiere gar nicht zu Gesicht, wissen nicht, was über sie geschrieben steht.“ Was dazu führt, dass sie bestimmte Entscheidungen des Allgemeinen Sozialdienstes nicht nachvollziehen können.

„Gerade, wenn junge Menschen und Familien das Gefühl haben, dass ihre Sichtweise beim Jugendamt nicht verstanden wird, geht es darum, Transparenz zu schaffen“, betont Annegret Münch. Viele seien nicht in der Lage, Entscheidungen fachlich oder gar juristisch zu beurteilen und die notwendigen Schritte zu gehen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Meist ist dann das Vertrauen erschüttert. Die Beratungsstelle bemüht sich, die Wogen zu glätten.

Zwei Helfer kümmern sich im Tandem

In der Regel können 80 Fälle betreut werden, in diesem Jahr sind es bislang 24. „Die Zahl der Fälle nimmt zu. Das hat nichts damit zu tun, dass die Ämter schlechter arbeiten. Wir sind eben bekannter geworden sind“, resümiert Mitarbeiter Valentin Kannicht, der für ein weiteres Angebot zuständig ist: eine externe Beschwerdestelle, die beispielsweise Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche und deren Eltern ist, wenn junge Menschen beispielsweise in einer Wohngruppe leben oder ambulante (Familien-)Hilfe in Anspruch nehmen und dabei in Schwierigkeiten mit ihren Helfern geraten.

Standard ist, dass sich immer zwei ehrenamtliche Mitarbeiter im Tandem um einen oft komplexen Fall kümmern, der meist mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Sieben Ehrenamtler gibt es in der ombudschaftlichen Beratung, die weitere Mitstreiter suchen. Voraussetzung ist eine Qualifizierung, etwa als Sozialpädagoge, in Sozialer Arbeit oder als Jurist, sowie berufliche Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe.

Bei Gerichtsverfahren greift Verein nicht ein

Dabei gibt es auch Fälle, bei denen der Verein nicht eingreift: etwa bei Sorge- und Umgangsstreitereien zwischen Eltern oder bei Verfahren, die bereits beim Familiengericht gelandet sind und Rechtsanwälte beschäftigen. „Bei uns geht es um Konflikte im Hilfesystem, die außergerichtlich geregelt werden sollen“, sagt Annegret Münch.

Kontakt über Kinder- und Jugendhilferechtsverein, Breitenfelder Straße 10, 04155 Leipzig; www.jugendhilferechtsverein.de

Von Mathias Orbeck

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mehr als 3500 Narkoseärzte und andere Fachleute treffen sich auf der Neuen Messe zum Anästhesiecongress in Leipzig. Professor Sebastian Stehr,Anästhesie-Direktor am Uniklinikum, spricht im Interview über Narkose in Zeiten von Kostendruck und Pflegenotstand.

09.05.2019

Vier Themen und sechs Kandidaten – der Wirtschaftsverband „Gemeinsam für Leipzig“ hatte zum Kommunalwahl-Forum ins Marriott-Hotel eingeladen. Vor dem Urnengang am 26. Mai nahmen Vertreter aller aktuellen Stadtratsfraktionen im Podium Platz. Ihre Kernaussagen zu Mieten, Wirtschaft, Verkehr und Sicherheit in Leipzig.

09.05.2019

2020 soll es losgehen: Nach jahrelangen Gesprächen hat die islamische Gemeinde Ahmadiyya einen Bauantrag für eine Moschee in Leipzig eingereicht. Die Pläne hatten bereits mehrfach die Gemüter erregt.

08.05.2019